Privat lässt sich rascher ein Termin in einer Arztpraxis bekommen. Das kostet, die Abrechnung soll aber leichter werden.
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Wahlärzte müssen künftig ihre Rechnung selbst bei der Krankenkasse einreichen, wenn die Patientinnen und Patienten das wollen. Das ist eine sehr kundenfreundliche Maßnahme, da es einen erheblichen Aufwand darstellt, diese Rechnungen einzureichen – abgesehen von der langen Wartezeit und dem relativ kleinen Anteil, den man schließlich ausbezahlt bekommt.

Wahlärzte sind jene Ärzte, die keinen Kassenvertrag haben und die man privat bezahlen muss. Man wählt sie aus, weil sie oft besser sind, eine benötigte Spezialisierung haben, weil sie kürzere Wartezeiten bieten – und sich überhaupt mehr Zeit nehmen. Man wird dort in der Regel besser behandelt.

Für jene da, die es sich leisten können

Darin liegt das Problem. Es ist zwar super, dass die Abrechnung über die Kassa künftig einfacher wird, ändert aber an der grundlegenden Ungerechtigkeit nichts: Wahlärzte sind für jene da, die sich das leisten können.

Man kann sich bessere Behandlung, kürzere Wartezeiten, mehr Zeit und Empathie also kaufen. Das wird künftig noch leichter gehen. Das hilft genau jenen, die sich das ohnedies leisten können. Und das ist, wenn es um ein so kostbares Gut wie Gesundheit und die damit verbundenen Sorgen geht, besonders ungerecht.

Anstatt die Wartezeiten für alle zu verkürzen und die Zugänglichkeit zu guter Behandlung für alle besser zu gestalten, kommt man jenen entgegen, die willens und in der Lage sind, Geld für ihre Behandlung auszugeben. Das verstärkt die Zwei-Klassen-Medizin, anstatt ihr entgegenzuwirken. (Michael Völker, 16.5.2024)