De Aktionist, Maler, Zeichner und Literat Günter Brus ist erst zwei Monate tot, und schon wird er Zielscheibe einer unappetitlichen blauen Kampagne: Die steirische FPÖ fordert in einem Antrag die Schließung des 2011 eröffneten Bruseums und die Veräußerung von Bildern der neuen Schau Günter Brus Ein irrer Wisch. Sie sehen darin "Fäkalkunst, Pornografie und Österreichhass".

UMJ/N. Lackner
Eingang zum Bruseum in Graz: Die FPÖ will es schließen, doch das wird nicht passieren.
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Nun wird niemand das Museum zusperren, noch wird das Bruseum die Werke verscherbeln, die sich großteils in nationalen und internationalen Sammlungen befinden, wie das Museum klarstellte. Auch fehlt es an nicht Jugendschutz, denn auf die sensiblen Inhalte für unter 18-Jährige wird hingewiesen.

Worum geht es dann? Brus und andere Künstler der Generation der Kinder der Nationalsozialisten fielen gerade in Österreich einst durch die Radikalität ihrer Arbeit auf. Als ehemalige Nazis ungehindert wieder in höhere Ämter der Republik drängten, grenzten sich Künstler wie Brus in den 1960er-Jahren ab: Er verletzte sich selbst, verwendete den eigenen Körper als Leinwand und die eigenen Ausscheidungen als Material.

Dem rechten Lager missfiel die Haltung schon damals. 2017 beschrieb der Komponist Georg Friedrich Haas den postfaschistischen Kulturkampf so: "Gegen entartete Kunst durften sie hetzen, so viel sie wollten – solange sie nur diesen Begriff vermieden (...) Denn sie wussten: Kunst ist für sie gefährlich." Die Hetze geht weiter. (Colette M. Schmidt, 15.5.2024)