Die E-Card soll noch heuer auch auf dem Smartphone zur Verfügung stehen. Doch Apples zögerliche Umsetzung der EU-Spielregeln macht das aktuell unmöglich.
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Plastikkarten in der Geldbörse sind eigentlich technisch längst überholt: Die ganz alten Magnetstreifen kennen keine Verschlüsselung und sind anfällig gegenüber Manipulation. Chipkarten sind da deutlich sicherer, aber die eigens dafür hergestellten Plastikkarten haben den Nachteil, dass sie eben nicht immer zur Hand sind, wenn man sie braucht. Ein NFC-fähiges Smartphone kann ähnliche Aufgaben übernehmen und mehrere Chipkarten ersetzen. Ob man die Bankomatkarte an der Supermarktkassa ins Lesegerät steckt und damit den ICC-Chip benutzt oder sie ans Lesegerät hält, um per NFC zu bezahlen, ist für den Kunden eigentlich egal.

Beim Arzt ist es dasselbe: Eigentlich besteht kein Unterschied, ob man die Karte nun ins Gerät steckt oder kurz gegen das Lesefeld hält. Da ist es nur naheliegend, dass Chipkarten wie die österreichische E-Card ebenfalls NFC-fähig werden sollen und als digitale Variante auf Mobilgeräten landen. Das eröffnet die Wahlmöglichkeit, ob man lieber die alte Chipkarte benutzt oder nur mit dem Mobiltelefon zum Arzt geht. Schließlich ist die Gefahr, beides, Karte und Handy, zu Hause zu vergessen, einigermaßen gering.

Gwirks mit Apple

Doch wenn die Digitalisierung der E-Card eine so tolle Idee ist, warum ist sie nicht schon längst umgesetzt? Schließlich scheint die technische Hürde überwindbar. Nun, das Problem heißt in diesem Fall Apple. Der Technologiegigant hat nämlich den Zugriff auf die NFC-Funktionen seiner iPhones nicht vollständig für Anwendungen außerhalb der hauseigenen Wallet-Lösungen freigegeben.

Mit iOS 17.4 ließ Apple die eigene Mauer rund um NFC ein wenig bröckeln. Immerhin gab Apple die NFC-Funktion für ausgewählte Zahlungsdienstleister frei. Dies sei in aber nur die "erste Phase", wie es in der Ankündigung von Apple heißt. "In unseren laufenden Gesprächen mit der Europäischen Kommission haben wir uns verpflichtet, Drittentwicklern im Europäischen Wirtschaftsraum eine Option anzubieten, die es ihren Nutzern ermöglicht, NFC-kontaktlose Zahlungen aus ihren iOS-Apps heraus durchzuführen, unabhängig von Apple Pay und Apple Wallet", so Apple in einer Stellungnahme gegenüber dem Wall Street Journal.

Ganz freiwillig macht das Apple freilich nicht, der iPhone-Hersteller wird von der EU-Kommission dazu gezwungen, auch andere Anbieter zuzulassen. Doch Apple geht die Sache offenbar sehr langsam an– das heißt im Fall der digitalen E-Card: Bitte warten! Die Verhandlungen laufen übrigens seit dem Vorjahr. Im Büro von Digitalisierungsstaatssekretärin Claudia Plakolm hofft man jedenfalls, dass der Druck der EU-Kommission auf Apple größer wird. Ob und wann man in Cupertino nachgibt, ist unklar. Laut Informationen aus dem Bundeskanzleramt wird aktuell weiterverhandelt, einen Zeitplan könne man aber nicht nennen.

Dass Apple mit den neuen Regeln des DMA überhaupt keine Freude hat, ist nicht neu und auch kein großes Geheimnis, schließlich war es Apple selbst, das den DMA öffentlich kritisierte. Auch bei der Umsetzung der Regeln sei man eher trotzig vorgegangen und habe Gebühren und neue Regeln absichtlich verwirrend und undurchsichtig gestaltet, so die Kritik. Mittlerweile wurde aber nachgebessert.

Digitaler Identitätsnachweis kommt

Bei anderen E-Government-Services ist man in Österreich von den großen Tech-Konzernen unabhängiger. Noch bis Ende Juni soll es den "digitalen Identitätsnachweis" in der App "eAusweise" geben. Dabei wird es im Grunde um den Personalausweis halten. Da viele Länder bei der Umsetzung digitaler ID aber noch hinterherhinken, gilt die österreichische Variante noch nicht als Reisedokument. Die EU-Mitgliedsstaaten haben noch bis 2026 Zeit, digitale Reisedokumente umzusetzen.

Aber es ist fraglich, ob bis dahin wirklich alle Länder eine nötige digitale Infrastruktur aufbauen können. So steht zum Beispiel Deutschland noch am Beginn der Entwicklung digitaler Wallets. Hier wurde erst im April ein Ideenwettbewerb ausgerufen, der die deutschen Digitalisierungsbemühungen anschieben soll. Bisherige Versuche einer derartigen Wallet scheiterten in Deutschland unter anderem an Apple, wie Heise berichtet.

Eine weitere offene Baustelle in der digitalen Verwaltung sind die oft überzogenen Gebühren für digitale Dienstleistungen. So kostet ein digitaler Strafregisterauszug bis zu 25 Euro. Zwar kostet auch IT-Infrastruktur Geld, aber die teure Arbeitskraft eines Menschen ist bei dem ganzen Prozess nicht mehr erforderlich. "Man arbeite daran", heißt es aus dem Staatssekretariat von Plakolm und betont, dass Anfang des Jahres einige Gebühren weggefallen sind. Früher musste man zehn Euro bezahlen, wenn man seine Geburtsurkunde auch digital haben wollte, das ist nun nicht mehr der Fall.

Dies geschah aber noch unter der Amtszeit von Florian Tursky, der bekanntlich Wien gegen Innsbruck tauschte. Aber: Man stehe in Gesprächen mit den "registerführenden Ressorts", damit diese die Gebühren senken oder ganz aufheben. "Unser Ziel ist es, durch den kostenfreien Zugriff auf die eigenen persönlichen Daten die Transparenz und das Vertrauen in die digitale Verwaltung zu stärken", so eine Sprecherin von Plakolm.

Abspeckkur für das digitale Amt

Eine neue technische Umgebung gibt es für das digitale Amt. Dabei werden Progressive-Web-Apps zum Einsatz kommen, was die App-Struktur verschlanken soll. Bei Progressive-Web-Apps handelt es sich um Anwendungen, die auf allen Geräten aus einer Codebasis installiert und ausgeführt werden können. Das führt dazu, dass sie eine ähnliche Erfahrung bieten, egal ob man am Desktop-PC sitzt oder die Mobilvariante benutzt. Davon verspricht man sich im Staatssekretariat eine schneller Umsetzung von Neuerungen. Noch in diesem Jahr soll die App einem Relaunch unterzogen werden, das Ziel ist es, unter anderem die Bedienung des digitalen Amts einfacher zu machen. (Peter Zellinger, 18.5.2024)