Little Kitty Big City
In "Little Kitty, Big City" will die Protagonistin eigentlich nur nach Hause zurückfinden. Blöd nur, dass es so viele Ablenkungen gibt.
Double Dagger Studio

"Du kannst eine Ziege sein" ist der Slogan des 2014 veröffentlichten, von Kritikern und Fans gleichermaßen gefeierten Goat Simulator, bei dem man als eine Ziege in einer offenen Welt allerlei Schaden anrichtet. Ein Spielkonzept, das gleichermaßen sinnbefreit und unterhaltend ist. Und weil Katzen bekanntermaßen cooler sind als Ziegen, schlägt das Abenteuerspiel Little Kitty, Big City in eine ähnliche Kerbe.

Ursprünglich wurde das Debütspiel des Indie-Developers Double Dagger Studio im November 2021 angekündigt, aber weil Katzen keine Deadlines haben, ließen sich die Entwickler ausreichend Zeit. Nun ist das Indie Game für Switch, Xbox One, Xbox Series X/S und PC erschienen. Auf Steam kostet es aktuell 22,05 Euro, außerdem ist es in Microsofts Gamepass enthalten. DER STANDARD ist via Xbox Series X in die Haut des felinen Taugenichts geschlüpft.

Handlung

Little Kitty, Big City hat eine Haupthandlung, die in wenigen Worten erzählt ist: Eine kleine, schwarze Hauskatze fällt während eines Nickerchens vom Fensterbrett einer Hochhauswohnung und muss wieder nach Hause finden. Zu diesem Zweck bewegt man sich in der Third-Person-Perspektive durch eine offene Welt in Form einer japanischen Stadt. Dabei wird mal gesprungen, mal geklettert, mal zwängt man sich durch kleine Mauerlöcher.

Little Kitty, Big City – Launch Trailer – Nintendo Switch
Nintendo of America

Doch warum den direkten Weg einschlagen, wenn es zwischendurch so viele lustige Ablenkungen gibt? Eben. Und hier kommen jene Elemente ins Spiel, die ein Katzenleben so unterhaltsam machen. Denn eine Herausforderung des Spiels ist, möglichst viele Gegenstände von Regalen, Tischen und Mauern herunterzuschubsen. An anderer Stelle muss eine gewisse Anzahl an Vögeln gefangen werden – die freilich nicht verspeist, sondern danach wieder freigelassen werden. Alles andere wäre zu brutal für ein Spiel, bei dessen Entwicklung offensichtlich viel Wert auf Putzigkeit gelegt wurde.

Gameplay

Eingebettet sind diese Tätigkeiten in Spielelemente, wie man sie auch aus anderen Spielen kennt. So gibt es auch hier Errungenschaften für das Fangen des ersten Fischs, das Hinterlassen von Pfotenabdrücken in frischem Beton – oder auch dafür, dass man Menschen überraschend vor die Füße rennt und sie somit zum Stolpern bringt. Stolpern die Zweibeiner, so lassen sie dabei manchmal ein Handy oder ein Sandwich fallen. Letzteres kann wiederum genutzt werden, um Vögel anzulocken und diese anschließend mit einem galanten Zeitlupensprung zu fangen.

Little Kitty Big City
Zuerst wird das Sandwich stibitzt, um anschließend damit Vögel zu fangen.
Double Dagger Studio

Es gibt eine Taste, mit der miaut werden kann, und eine Taste, mit der man sich an Menschen kuschelt. Die Katze kann in Kisten springen, denn das machen Katzen gerne. Im Lauf des Spiels werden "Emotes" freigeschaltet, mit denen die Katze sich auf Tastendruck streckt oder ein Nickerchen macht. Außerdem können lustige Hüte erworben werden, mit welchen das Kätzchen noch eine Spur drolliger aussieht.

Die besagten Hüte erwirbt die Katze von einer sprechenden Krähe im Tausch gegen glitzernde Gegenstände, die im Lauf des Spiels aufgesammelt oder zum Beispiel aus Mülltonnen gefischt werden. Andere Tiere der Großstadt bieten wiederum Material für schräge Nebenmissionen: So will eine Gans, dass man ihre Kinder in der Nachbarschaft aufsammelt, woraufhin diese der Katze hinterherwatscheln. Ein älterer Kater fühlt sich von herumstehenden Marmeladengläsern belästigt und bittet den Protagonisten, diese umzuschmeißen.

Little Kitty Big City
Die sprechende Krähe ist nur eines von vielen seltsamen Tieren, denen die Katze auf ihrem Abenteuer begegnet.
Double Dagger Studio

Ein Vogel schließlich bittet die Katze, von einem Menschen ein Handy zu stibitzen, sodass dieser den Social-Media-Account einer prominenten Katze betreuen kann. Als Dankeschön erhält man selbst ein Smartphone, mit dem Selfies geschossen werden: eine charmante Art, einen Fotomodus in das Spiel zu integrieren. Die Schnellreise von einem Ort der Stadt zu einem anderen erfolgt über miteinander verbundene Kanaldeckel, das sogenannte Petwork. Erfunden wurde dieses System von einem sprechenden Waschbären.

Grafik und Sound

Anders als das im Sommer 2022 veröffentlichte, düstere Cyberpunk-Katzenabenteuer Stray setzt Little Kitty, Big City auf eine helle, comichafte Grafik. Die Tiere – allen voran die Protagonistin – sind liebevoll animiert, das reicht von flüssigen Renn-, Spring- und Schleichanimationen über die drolligen Emotes bis zur Ich-stupse-konzentriert-Gläser-aus-dem-Regal-Bewegung, die jeder Katzenbesitzer nur allzu gut kennt. Die Köpfe der menschlichen Passanten werden nur schemenhaft dargestellt, aber das ist nicht weiter schlimm: Denn tatsächlich tun sich Katzen schwer, Details in den Gesichtern von Menschen zu kennen.

Little Kitty Big City
Mit einem schönen Hut sieht die Welt gleich besser aus.
Double Dagger Studio

Eine Sprachausgabe gibt es nicht, stattdessen kommunizieren die tierischen Akteure in den Lauten ihrer Art, der Inhalt der Gespräche wird mit Untertiteln unterlegt. Das ist niedlich, bringt aber einen Wermutstropfen mit sich: Zwar ist das gewaltfreie Spiel ab drei Jahren freigegeben – wer aber noch nicht lesen kann, ist auf einen erwachsenen Dolmetscher angewiesen.

Fazit: Schön zum Runterkommen

Ich hatte Little Kitty, Big City schon längere Zeit im Visier und freute mich dementsprechend, als es in der Release-Liste des Gamepass auftauchte. Und meine Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden. Sicher ist das Indie Game kein Titel, mit dem man zig Spielstunden verbringt, die Haupthandlung wird keine Preise gewinnen. Eine Sprachausgabe fehlt ebenso wie eine Multiplayerfunktion, die bei anderen Tierspielen wie Goat Simulator 3 für unterhaltsame Abende mit Freunden sorgen kann.

Doch das Spielkonzept bringt frischen Wind in die Spielebibliothek, technisch ist das Werk sauber umgesetzt, in puncto Gameplay werden altbekannte Elemente in einen neuen Kontext eingebaut. Wer also schon immer einmal zum Runterkommen nach einem Tag voller menschlicher Herausforderungen in die Haut einer chaotischen Katze schlüpfen wollte, der kann guten Gewissens in dieses Spiel hineinschnuppern. (Stefan Mey, 16.5.2024)