Sebastian Öhner, neuer Kinder- und Jugendanwalt der Stadt Wien
Der 27-jährige Jurist Sebastian Öhner setzte sich im Auswahlverfahren des zuständigen Wiener Gemeinderatsausschusses durch.
APA/EVA MANHART

Der Jurist Sebastian Öhner ist ab Juli neuer Leiter der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija). Er setzte sich in einem Hearing des zuständigen Gemeinderatsausschusses gegen zehn Kandidatinnen und Kandidaten durch, gab der zuständige Jugendstadtrat Christoph Wiederkehr (Neos) bei der Präsentation am Mittwoch bekannt. Die weisungsfreie Ombudsstelle der Stadt gibt es seit 1992 und prüft nach Eigenangaben die Einhaltung des Kindeswohl in allen Bereichen, die Kinder in Wien betreffen. In der Wiener Kija arbeiten elf Personen: Der Großteil sind Sozialarbeiterinnen, andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Ausbildungen im Bereich der Pädagogik. Öhner war bereits bisher Rechtsreferent in der Kija und ist seit 2019 auch Vorstandsmitglied der österreichischen Liga für Menschenrechte.

Öhner kündigte an, die Ombudsstelle bekannter und leichter zugänglich machen zu wollen. Dafür sei es auch notwendig, vermehrt "in den digitalen Raum zu gehen" und die Kinder und Jugendlichen über ihre Rechte dort aufzuklären. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit werde die Fallarbeit darstellen – also schnelle Beratung und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, wenn deren Rechte beschnitten oder gefährdet werden. Betroffene können sich direkt an die Ombudsstelle wenden, die Kija prüft aber auch selbst bei Krisen- und Jugendzentren oder Wohngemeinschaften die Einhaltung von Kinderrechten. Die Kija schaue "aktiv nach, wo wir unterstützen können", sagte Öhner.

Rechte und Pflichten für Jugendliche

Die Kija soll auch aktiv werden, wenn sich aus Einzelfällen systemische Probleme erkennen lassen. Im Bereich der Inklusion gebe es durchaus Verbesserungsbedarf, räumte Öhner ein. Er will das Wissen über Kinderrechte sowie "das Bewusstsein darüber, wie sie auch in den verschiedenen Bereichen umgesetzt werden können", stärken. Auch die Entwicklung von Kinderschutzkonzepten für Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, soll weiter vorangetrieben werden. Neben den Rechten brauche es bei Kindern und Jugendlichen aber auch ein Verständnis dafür, dass damit Pflichten einhergehen. "Rechte und Pflichten gehören zusammen", sagte Öhner. Vizebürgermeister Wiederkehr verwies etwa darauf, dass es ein Recht auf gute Bildung gebe. Die Teilhabe an der Gesellschaft sei aber auch mit dem Spracherwerb verknüpft. Wiederkehr erneuerte seine Forderung nach verpflichtenden Sommerdeutschkursen für jene Schülerinnen und Schüler, die diese benötigen würden.

Öhner wurde von der Stadt für fünf Jahre als Leiter der Kinder- und Jugendanwaltschaft bestellt. 2019 gab es mit Ercan Nik Nafs und Dunja Gharwal noch ein Duo an der Spitze. Seit 2023 war Gharwal aber alleinige Leiterin: Nik Nafs, der das Wiener Netzwerk Demokratiekultur und Prävention (WNED) aufgebaut hatte, übernahm dessen Projektleitung. Für Aufsehen sorgte in der vergangenen Amtsperiode vor allem der Missbrauchsfall um einen Wiener Sportlehrer, den die Kija in einem Jahresbericht beschrieb und der durch einen STANDARD-Artikel öffentlich wurde. Die Kija kritisierte, dass trotz Qualitätskontrollen der Schulleitung "das System hier vollständig versagt" habe. Im Endbericht einer Untersuchungskommission war von 40 Opfern die Rede. Als Konsequenz wurde umgesetzt, dass alle Wiener Schulen ein Kinderschutzkonzept und eine Risikoanalyse erstellen müssen.

Opposition übt Kritik

Von den Oppositionsparteien hagelte es Kritik am Auswahlverfahren für die Leitungsstelle der Kija. Laut ÖVP hat es Bewerberinnen und Bewerber mit mehr Berufserfahrung gegeben, die für die Position geeigneter gewesen seien. Für die Grünen waren die Kriterien der Bestellung nicht nachvollziehbar. Die FPÖ meinte, dass den Posten mit Öhner jener Kandidat erhalten habe, den SPÖ und Neos von Beginn an favorisiert hätten. SPÖ-Gemeinderätin Nicole Berger-Krotsch verwies hingegen auf die akademische und berufliche Erfahrung Öhners in Rechtswissenschaften, Kinderrechten und Menschenrechten. (David Krutzler, 15.5.2024)