Viel weiter auseinander könnten US-Präsident Joe Biden und sein republikanischer Herausforderer Donald Trump nicht liegen. Beide unterscheiden sich in ihrem Zugang zu Wirtschaftsfragen, haben ein anderes Verständnis von Demokratie und andere Prioritäten in der Weltpolitik. Bei diesem Grundsatz gibt es eine Ausnahme: China.

Arbeiter finalisieren beim E-Auto-Hersteller Leapmotor ein Fahrzeug in Jinhua, China.
Arbeiter finalisieren beim E-Auto-Hersteller Leapmotor ein Fahrzeug in Jinhua, China. Der Export in die USA wird nun enorm erschwert.
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Donald Trump hat 2018 einen Handelskrieg gegen die Chinesen begonnen. Er führte auf einen Großteil der Einfuhren aus der Volksrepublik Zölle ein, auf Waschmaschinen ebenso wie auf Stahl oder Aluminium. Biden hat diese Politik beibehalten – und verschärft sie jetzt just in jenen Sektoren, von denen sich Peking besonders viel verspricht. So werden die USA ihre Zölle für Elektroautos auf hundert Prozent vervierfachen. Bei Solarpaneelen werden Tarife auf 50 Prozent verdoppelt.

Die Botschaft ist klar. Ob Demokraten oder Republikaner: China wird als Systemrivale gesehen, dem es zu schaden oder den es einzudämmen gilt, von dem man sich jedenfalls entkoppeln möchte. Das ist für die Welt eine schlechte Nachricht. Denn damit droht der Trumpismus in der Handelspolitik seinen Siegeszug zu vollenden. Trumps Verständnis von Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ländern ist simpel. Es kann in seiner Denkweise in Handelsbeziehungen nur Gewinner oder Verlierer geben, stets übervorteilt einer den anderen. Dabei ist die Realität komplexer.

Gewinner auf beiden Seiten

In Wahrheit gibt es im Handel zwischen entwickelten Staaten Gewinner auf beiden Seiten. Der Exportboom in China hat geholfen, hunderte Millionen Chinesen aus bitterster Armut zu befreien. China erklimmt gerade die nächste Stufe auf der Entwicklungsleiter: Statt Textilien und Spielzeug kommen immer mehr Elektroautos und Solarpaneele aus der Volksrepublik. Das birgt auch für Konsumentinnen in den USA und Europa Vorteile, die für weniger Geld an gute Produkte kommen, die zum Klimaschutz beitragen.

Wechselseitige Abhängigkeiten helfen auch, friedliche Beziehungen aufrechtzuerhalten, weil beide etwas zu verlieren haben. Das aufstrebende China ist in dieser Hinsicht nicht mit Russland vergleichbar, das außer Rohstoffen kaum etwas zu bieten hat. Peking hat an geopolitischer Stabilität viel mehr Eigeninteresse, als es Moskau je hatte.

Die EU hat viel zu verlieren

Natürlich schafft Handel auch Verlierer wie Arbeiter, die in nicht wettbewerbsfähigen Branchen ihre Jobs verlieren. Aber sie zu entschädigen ist Aufgabe des Staates. Und viele der Argumente gegen Importe aus China wirken wie vorgeschoben. Die US-Autobauer haben die Elektrifizierung verschlafen. Das ist ihr Hauptproblem und weniger unfaire chinesische Handelspraktiken. Hinzu kommt, dass die USA gelindere Mittel als Zölle gehabt hätten, sie fördern den Kauf amerikanischer E-Autos bereits mit Milliarden.

Während in den USA der Trumpismus bereits gewonnen hat, ist offen, welchen Weg Europa einschlägt. Die EU prüft gerade die Einführung von Anti-Dumping-Zöllen auf E-Autos aus China und auf Solarpaneele. Dabei wäre die EU gut beraten, dem aggressiveren Weg Washingtons nicht zu folgen. Nicht nur, weil es dem Klimaschutz schadet, Solarpaneele und E-Autos zu verteuern. Die EU hat wirtschaftlich mehr zu verlieren: VW und BMW verkaufen ein Drittel ihrer Autos in China. Wenn die EU Zölle einführt, wird Peking reagieren. Statt auf Abschottung zu setzen, sollte die Politik alles tun, um europäischen Unternehmen den Zugang zum chinesischen Markt freizumachen. Denn dort bieten sich auch große Chancen. (András Szigetvari, 15.6.2024)