Auch heuer ist auf der Regenbogenparade mit allerlei Kostümen zu rechnen.
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Wien zeigt sich wieder bunt: Zwischen 25. Mai und 9. Juni findet die Vienna Pride statt, bei der es unzählige Veranstaltungen von der und für die queere Community geben wird. Startschuss ist dieses Jahr schon ein paar Tage zuvor, am 17. Mai, bei einer Demonstration am internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) am Christian-Broda-Platz in Wien.

"Das Motto dieses Jahr ist 'Pride is a demonstration', weil es wichtig ist, sichtbar zu sein", erinnerte Wiens Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (Neos) bei der Präsentation des Pride-Programms am Donnerstag. LGBTIQ-Personen sind überdurchschnittlich häufig von Diskriminierung betroffen, zuletzt wurde wieder gestiegene Gewalt gegen die Minderheit verzeichnet. Um einen sicheren Ort zu schaffen, will die Stadt Wien im Juni deshalb das erste queere Jugendzentrum Wiens eröffnen und stellt im Rahmen der diesjährigen Kampagne "Lebe deine Liebe" Beratungsangebote zur Verfügung. Ebenfalls als Service an die Gemeinschaft gibt es von der Vienna Pride in Kooperation mit der Aids-Hilfe Wien das Angebot, sich gratis auf HIV testen zu lassen.

Buntes Treiben

Zum vergnüglichen Teil des Pride-Monats: Wer gut zu Fuß unterwegs ist, hat überhaupt viele Gelegenheiten, unterwegs auf Queers und Verbündete zu treffen. Ob bei den historischen Stadtspaziergängen der QWien über den Zentralfriedhof oder durch Schloss Schönbrunn, den gemeinsamen Wanderungen durch die Wiener Weinberge oder eben beim Pride Run am 7. Juni über die Wiener Ringstraße, für jedes Tempo ist etwas dabei.

Dabei dürfen natürlich die Regenbogenparaden nicht fehlen. In Salzburg (7. September), Graz (29. Juni) und Linz (6. Juli) werden heuer wieder die bunten Flaggen gehisst. Aber nicht nur in den Landeshauptstädten wird Vielfältigkeit gefeiert, auch Mistelbach und Unken veranstalten ihre eigenen Christopher-Street-Days. Letztere ermuntern ihre Teilnehmerinnen dazu, in Tracht zu erscheinen – da ist das Regenbogendirndl nicht weit.

Höhepunkt des Flanierens wird wie immer die Pride Parade in Wien am 8. Juni sein. Folgt man der Spur aus Glitzer und Bass, die den Ring entlang weht, findet man die Feierfreudigen auf dem Rathausplatz. Dort steht heuer nach der Corona-Pandemie das erste Mal wieder das Pride Village, eine Zeltstadt, die neben Infoständen auch Foodtrucks und eine Festbühne für Unterhaltung und Aktivismus bietet. Unter anderem wird Conchita Wurst heuer dort auftreten. Grund für die Absage im vergangenen Jahr waren mangelnde Förderungen durch die Stadt Wien, wie die Organisatoren der Pride von der Homosexuelleninitiative (Hosi) ankreideten. "Es freut uns sehr, dass das Pride Village wieder stattfindet", zeigt sich Gemeinderätin Nicole Berger-Krotsch (SPÖ) erleichtert. Wiederkehr zeigt sich ebenfalls gespannt und erwartet über 300.000 Besucher.

Ein Mini-Pride-Village für die Kleinsten wird es am 25. Mai geben, da findet auf dem Döblinger Robinson-Spielplatz ein Fest für Regenbogenfamilien statt. Kinder können unter Aufsicht von Freizeitpädagoginnen und -pädagogen etwa Regenbögen basteln oder Insektenhotels bauen. Will man lieber sitzen, bieten sich die Pride-Vorführungen des Puppentheaters Lilarum an.

Kabarett bis Kaiserbründl

Auch das kulturelle Angebot für das bereits ausgewachsene Publikum kommt nicht zu kurz. Der queere Stand-up-Comedian Wurstaufschnitt, bekannt aus Social Media, gibt in der Kulisse Wien sein Kabarettdebüt. Wer Literatur lieber hat, wird mit einer queeren Perspektive durch das Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek geführt, Filmaffine kommen bei den Queer Frames auf ihre Kosten. Wer's ein bisserl deftiger mag, kann bei den Vorstellungen der Queer Porn Shorts im Schikaneder vorbeischauen, wo Diversität wie Sexualität von LGBTIQ-Personen filmisch gefeiert werden sollen.

Vor allem das Feiern darf im Pride-Monat nicht zu kurz kommen, die Tickets zu den spannendsten Veranstaltungen sind freilich schnell weg. Bei einer LGBTIQ-Schiffstour über die Donau wird mit einem DJ bei Sonnenuntergang die Vielfalt zelebriert. Am Abend zieht es die Nachtschwärmer zur "Beach Party" ins Kaiserbründl, eine bekannte Herrensauna, zu der heuer erstmalig nicht nur Männer Zutritt haben. Eine Premiere! Wer dann noch nicht genug gefeiert hat, kann sich in der Roten Bar im Volkstheater bei einem Drag-Contest zu Miss*ter Vienna Pride küren lassen. Inspiration dafür gibt es beim Drag-Workshop in der Strandbar Herrmann, beim Drag Brunch oder der Drag Queen Fashion Show.

Neben all den bunten Veranstaltungen bleibt nach den Anschlagsplänen im vergangenen Jahr eine Frage brisant: Wie soll die ohnehin vulnerable Gruppe heuer besser geschützt werden? "Wir sind in enger Abstimmung mit der LPD Wien und einem erstklassigen Sicherheitsexperten", beruhigt die Organisatorin der Vienna Pride, Katharina Kacerovsky-Strobl. Sie sieht der Veranstaltung wegen der sehr guten Vorbereitung "positiv entgegen". (Lena Schinhärl, 16.5.2024)