Wien – Dass Harald Vilimsky vor einer Woche in der Elefantenrunde von Puls 24 noch zur Verteidigung Lena Schillings ausrückte, war einigermaßen überraschend. Mutiert der Mann fürs rhetorisch Grobe zum empathischen FPÖ-Politiker, der einer Kollegin, auch wenn sie auf der anderen Seite des politischen Spektrums steht, zur Seite springt, um sie gegen Angriffe in Schutz zu nehmen?

Harald Vilimsky, FPÖ-Spitzenkandidat für die EU-Wahl, am Mittwoch im Parlament.
Harald Vilimsky, FPÖ-Spitzenkandidat für die EU-Wahl, am Mittwoch im Parlament.
APA/HELMUT FOHRINGER

Mitnichten, davon konnten sich die Zuseherinnen und Zuseher am Mittwoch auf Oe24.tv überzeugen. Lena Schilling, die Spitzenkandidatin der Grünen für die EU-Wahl, traf auf ihr blaues Pendant, Harald Vilimsky. Und es wurde tief. Das lag nicht an Schilling.

Angesprochen auf die Causa Prima, Schillings Verhalten und die Klage des Ehepaars Bohrn Mena, sagte Vilimsky, dass die Geschichte stinke. Sie habe den Geruch, als ob sie einer "sozialistischen Hexenküche in Wien" entspringe. Verwundert zeigte sich Vilimsky über Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der den Ton in der Politik als "zu schrill" kritisiert hatte. Wer mache als junger Mensch keine Fehler?, fragte er im Rahmen eines Ö1-Interviews. Für Vilimsky, bekanntlich ein Fan der schrillen Töne, geht das anscheinend zu weit.

"Gossip-Geschichte"

Es könne nicht sein, dass sich Van der Bellen als ehemaliger Obmann der Grünen vor Schilling stelle. "Das hat ein bisschen den Eindruck, als wäre er ein grüner Sugardaddy oder grüner Sugar-Grandpa. Das ist ungehörig, und das kann nicht sein." Er würde viel lieber über Inhalte diskutieren und nicht über diese "Gossip-Geschichte", so Vilimsky. Die Inhalte sind bei Vilimsky schnell erzählt: weniger Zuwanderung, mehr FPÖ – und kein Geld mehr für die Ukraine.

"Wir pumpen Geld und Waffen in die Ukraine, was ein Irrsinn ist", sagt er, ohne zu erwähnen, was sonst passiert. Nämlich dass Russland das Land überrollen würde. Aber was soll schon einer sagen, der einen Freundschaftsvertrag mit Putins Partei hatte? Mit den Waffenlieferungen würde die EU einen "Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den USA" finanzieren. Die einzige Option sei, dass Wladimir Putin diesen Krieg beende, konterte Schilling. Vilimsky stelle sich auf die Seite eines Diktators und Aggressors.

Was er über Van der Bellen sage, sei "höchst fragwürdig", replizierte Schilling zuerst Vilimskys "Sugardaddy"-Sager noch eher milde. Gegen Ende des Duells wiederholte der FPÖ-Politiker seine Äußerung, was Schilling zu einer schärferen Antwort veranlasste. Was Vilimsky sage, sei "so unter aller Sau", "unanständig" und "maximal sexistisch". Und was sagte Oe24.tv-Moderator Niki Fellner dazu? Nichts. Ein Trauerspiel auf vielen Ebenen. Der Duden definiert "Sugardaddy" übrigens so: "Reicher älterer Mann, der (als Gegenleistung für [sexuelles] Entgegenkommen) junge Frauen übermäßig beschenkt, für sie aufkommt." (Oliver Mark, 16.5.2024)