Der Angriff der 100 Terroristen kam aus drei Richtungen und überraschte die Soldaten gründlich. Derzeit zieht die Staatengemeinschaft des südlichen Afrika die Mehrheit ihrer Truppen aus dem Norden Mosambiks ab. Dort hatten sie sich unter dem Mandatsnamen Samim in den vergangenen drei Jahren an der Zurückdrängung der Miliz Ansar al-Sunna versucht, die dem "Islamischen Staat" die Treue geschworen hat.

Seit Jahren hatte es keine Attacke dieser Dimension mehr gegeben. Der Konflikt, der seit dem Jahr 2017 rund 5000 Tote gefordert und bis zu eine Million Menschen vertrieben hat, ist spätestens seit den Kriegen in der Ukraine und in Gaza aus dem internationalen Fokus geraten. Wie so ziemlich jede Krise in Afrika.

Entsprechend hielt nur noch eine kleine Einheit aus Südafrika die Stellung in der Stadt Macomia. Panisch forderten die isolierten Soldaten nun Verstärkung von Truppen aus nahe gelegenen Städten der betroffenen Provinz Cabo Delgado an, wo Soldaten aus Ruanda und Mosambik stationiert sind. Sie kamen gerade noch rechtzeitig: 45 Minuten habe der Kampf gedauert, teilte die Einsatzleitung mit, die Terroristen seien zurückgedrängt worden. Verletzte und Tote habe man nicht zu beklagen.

Blick in einen Tropenwald.
Aus tropischen Hölzern werden gerne edle Möbel fabriziert.
IMAGO/NurPhoto

Schon davor habe sich angedeutet, dass der jahrelange Militäreinsatz den Terroristen "keinen entscheidenden Schlag versetzen" konnte, konstatierte die Denkfabrik International Crisis Group (ICG), auch andere Angriffe hätten zuletzt auf eine erneute Mobilisierung der Miliz hingedeutet. Der internationale Militäreinsatz war trotz europäischer Mittel unterfinanziert, zudem teilten die beteiligten Armeen untereinander kaum Informationen.

Ein Bericht der Bürgerrechtsorganisation Environmental Investigation Agency (EIA) kommt nun zu dem Schluss, dass die Terroristen dagegen keinerlei Finanzierungsprobleme haben. Sie würden im großen Stil am Schmuggel von tropischen Harthölzern mitverdienen, dessen jährlichen Wert die Forscher allein in Mosambik auf 23 Millionen Dollar (21,2 Millionen Euro) beziffern. Seit dem Jahr 2010 haben sich die Lieferungen von geschütztem Holz nach China, wo es zu edlen Möbeln verarbeitet wird, mindestens versiebenfacht. Die Nachfrage und damit die Preise explodierten förmlich, verschärfte Gesetze in China zeigen wenig Wirkung.

Wichtigster Lieferant

Der Bericht hebt hervor, dass die Beteiligung der Aufständischen am "Schmuggel von Fauna- und Pflanzenprodukten", einschließlich Holz, sowie die "Ausbeutung von Wald- und Wildtierressourcen" entscheidend zur Finanzierung der Aufstandsgruppe beitragen. Üblich sei eine Schutzgebühr von zehn Prozent für illegale Unternehmen und Syndikate. Auch von den vermeintlich legalen Holzexporten kämen 30 Prozent aus von Terroristen kontrollierten Wäldern, berichtete die BBC mit Verweis auf Brancheninsider.

Längst ist Mosambik Chinas wichtigster Lieferant für Tropenholz aus Afrika geworden und hat Länder wie den Senegal, der vergleichsweise entschlossene Maßnahmen zur Unterbindung des Schmuggels ergriffen hat, überholt. Auch Madagaskar, lange das bekannteste Beispiel, liegt nun dahinter – nicht etwa wegen Regierungsmaßnahmen, sondern weil dort die Rosenholzarten bereits enorm dezimiert sind.

Mosambik droht diesem Beispiel zu folgen. Derzeit werden täglich 1000 Fußballfelder Wald abgeholzt. (Christian Putsch, 16.5.2024)