Der slowakische Premier Robert Fico vor dem Attentat
Dieses Bild entstand wenige Minuten vor dem Attentat. Die Personenschützer (mit Sonnenbrillen) des slowakischen Premiers Robert Fico waren in seiner unmittelbaren Nähe.
REUTERS/Radovan Stoklasa

Hat der Personenschutz beim Attentat auf den slowakischen Premier Robert Fico versagt? Diese Frage wird wohl erst nach einer genauen Prüfung des Vorfalls konkret beantwortet werden können. Fest steht, dass das Schlimmste eingetreten ist, eine Art Super-GAU für Personenschützer. In aller Welt werden Spezialeinheiten das Attentat und vor allem die Situation davor analysieren, um aus etwaigen Fehlern zu lernen. Fico hatte am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung im Kulturhaus der Kleinstadt Handlová das gemacht, was bei Personenschützern am gefürchtetsten ist. Er begab sich – vermutlich spontan – ins Freie, um am Rande von Absperrungen mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Dort fielen die Schüsse.

Die auch für Personenschutz von Regierungsmitgliedern zuständige Sondereinheit der slowakischen Polizei genießt eigentlich einen hervorragenden Ruf. Das Lynx Commando (Luchs-Kommando) ist so etwas wie das Pendant zum heimischen Einsatzkommando Cobra. Lynx-Kommandant Štefan Hamran leitet derzeit auch den sogenannten Atlas-Verbund, den Verbund europäischer Polizei-Spezialeinheiten. Die Sondereinheit des Polizeipräsidiums der Slowakei hat ihren Sitz in Bratislava und kommt im gesamten Staatsgebiet zum Einsatz. Hauptaufgabengebiet sind Einsätze bei Terrorverdacht und gegen schwerkriminelle Organisationen. Festzuhalten ist, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar ist, wie sich der Personenschutz für Premier Fico am Tag des Attentats genau zusammengesetzt hat.

So nahe wie notwendig

Strategien und Taktiken staatlicher Personenschützer sind gut gehütete Geheimnisse. Ein Grundsatz im Zusammenhang mit der Schutzperson lautet: so nahe wie notwendig, so weit weg wie möglich. Die mechanischen Abläufe im Falle eines Angriffs sind trainiert. Auf Angreifer und auf die eigene Person dürfen Personenschützer keine Rücksicht nehmen, die Sicherheit der zu schützenden Person steht über allem. Personen- und Objektschutz wird in Österreich von der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) veranlasst und vom Einsatzkommando Cobra durchgeführt.

In Österreich haben derzeit drei Spitzenpolitiker ständigen Personenschutz, wie das Innenministerium erst vor wenigen Tagen mitteilte. Dabei handle es sich um Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) und Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). Zusätzlich dazu gebe es "situativen Personenschutz", der im Anlassfall "auf alle möglichen Personen ausgeweitet werden" könne. Tendenziell würden Drohungen "spätestens seit der Pandemie" zunehmen, heißt es. Dazu kommen viele temporäre Einsätze bei Staatsbesuchen oder bei Konferenzen von internationalen Organisationen wie der Opec und der Uno. (Michael Simoner, 16.5.2024)