Im Vorfeld des "Global Accessibility Awareness Day" am Donnerstag haben Apple und Microsoft eine Reihe von Neuerungen vorgestellt. Diese sollen es Menschen mit körperlichen Einschränkungen leichter machen, die Geräte der Hersteller zu nutzen.

Bei Apple arbeitet man etwa an der Implementation von Augensteuerung für iPhones und iPads. Damit soll zumindest grundlegende Navigation auch ganz ohne Verwendung der Finger möglich werden. Zur Umsetzung kombiniert man die laufende Aufnahme der Frontkamera mit KI-getriebener Analyse, wobei das Modell direkt am Gerät laufen und mit der Zeit dazulernen soll. Zusätzliche Hardware ist nicht erforderlich.

Apple announces new accessibility features

Wer ein App-Icon oder Steuerelement auswählen möchte, muss dieses nur etwas länger ansehen ("Dwell Control"). Auch Regler, die sonst durch Wischen mit dem Finger verstellt werden, sollen sich mit den Augen einstellen lassen.

Echtzeit-Untertitel für VisionOS

Ebenfalls neu hinzu kommen "Vocal Shortcuts". Gerichtet ist das Feature vorwiegend an Menschen mit Sprecheinschränkungen, etwa infolge eines Schlaganfalls oder als Konsequenz einer fortschreitenden Nervenerkrankung wie amyotropher Lateralsklerose (ALS). Dafür wird man Siri Geräusche beibringen können, auf deren Erkennung hin Apps geöffnet oder bestimmte Befehlsfolgen ausgeführt werden. Es ergänzt die Funktion "Listen for Atypical Speech", die Sprachsteuerung auch Menschen mit Sprecheinschränkungen zugänglich machen soll.

Apple

Allen, die bei der Verwendung von Handys oder Tablets im Auto zu Übelkeit neigen, sollen künftig die Vehicle Motion Cues helfen. Dabei werden animierte Punkte auf dem Display angezeigt, deren Bewegung sich an jene des Fahrzeugs anpasst. Sie sollen dabei aber nicht störend sein.

Diese und noch weitere angekündigte Features dürften wohl mit der nächsten iOS-Version 18 aufschlagen, Apple selbst sprach nur von "im Laufe des Jahres". Die Vorstellung von iOS 18 ist für Apples jährliche Entwicklerkonferenz WWDC (10.-14. Juni) zu erwarten, wo die neuen Accessibility-Funktionen nochmals einen Auftritt haben könnten. Veröffentlicht werden neue iOS-Ausgaben typischerweise im Spätsommer bzw. Frühherbst in zeitlicher Nähe zur Vorstellung der nächsten iPhone-Generation.

Auch VisionOS, dessen nächste Ausgabe wohl auch auf der WWDC thematisiert wird, bekommt eine Erweiterung. Nämlich systemweite Live-Untertitel. Nicht nur für Videos kann ein in Echtzeit generierter Text für angezeigt werden, auch für Audioinhalte und Unterhaltungen via Facetime soll dies möglich sein. Die Untertitel werden dabei in einem Fenster angezeigt, das sich frei verschieben und in der Größe ändern lässt. Gedacht ist dies natürlich primär für Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen.

Modularer Controller für Xbox und Windows

Bei Microsoft versucht man indes, Gaming auf der Xbox zugänglicher für Menschen mit körperlichen Limitationen zu machen. Der Xbox Adaptive Controller wird ein Update bekommen, der ihn mit mehr zweckdienlichen USB-Accessoires kompatibel macht. Damit möchte man auch die negativen Folgen, die es durch ein "Unauthorized Device Update" für einige Spieler mit Accessibility-Bedarf gab, abfedern. Dazu kündigt man auch an, dass Candy Crush Soda Saga, Call of Duty: Modern Warfare 3 und Diablo 4 neue Einstellungsmöglichkeiten erhalten, um Spielerinnen und Spieler mit verschiedenen Einschränkungen entgegenzukommen.

ByoWave Proteus Controller
ByoWave

Außerdem stellt man einen neuen, modularen Controller namens "Proteus" vor. Hergestellt wird dieser vom Unternehmen ByoWave im Rahmen des "Designed for Xbox"-Programms. Er besteht aus einer Reihe von Würfeln, die sich magnetisch miteinander verbinden lassen. Ebenfalls magnetisch lassen sich "Faceplates" befestigen, die entweder einfach nur kosmetischer Natur sind oder Steuerelemente – sprich Analogsticks, Tasten, Steuerkreuz und Schultertasten. Dazu gibt es auch Griffe, um ihn optional wie einen "klassischen" Controller zu bauen und ein USB-Bluetooth-Dongle.

Vorbestellbar ist der Controller bereits bei ByoWave um 255 Dollar. Unterstützen soll er ab Werk die Xbox One, Series S und Series X sowie Windows 10 und 11. Unterstützung für die Nintendo Switch oder Playstation 5 ist derzeit nicht vorgesehen, der Hersteller erklärt allerdings, er sei offen für eine Zusammenarbeit. (gpi, 17.5.2024)