Viele Israelis wollen keinen endlosen Krieg gegen die Hamas – doch bisher scheint Premier Benjamin Netanjahu sie zu ignorieren.
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Sieben Monate nach Beginn der Offensive im Gazastreifen sind die beiden Kriegsziele Israels nicht erreicht: Weder wurden alle israelischen Geiseln nach Hause gebracht, noch wurde die Terrororganisation Hamas vernichtet. Und wie in der ersten Stunde ist völlig offen, wie sich die Regierung von Premier Benjamin Netanjahu die politische Zukunft des Gazastreifens nach dem Krieg vorstellt.

Die Befürchtung, dass Israel aus dem Gaza-Sumpf nicht mehr herausfindet, wurde nun öffentlich von Verteidigungsminister Yoav Gallant artikuliert. Er verlangt von Netanjahu eine Klarstellung, dass er keine permanente Militär- oder Zivilpräsenz plant. Es brauche eine nichtisraelische Alternative. Darauf gibt Netanjahu nur seine üblichen populistischen Antworten: Er werde "Hamastan" nicht durch "Fatahstan" ersetzen.

Ägypten beunruhigt

Die Nachrichtenplattform Axios meldet hingegen, dass Israel die Palästinensische Autonomiebehörde im Westjordanland, also die Fatah-Partei, angesprochen habe, ob sie sich an der Verwaltung des Grenzübergangs Rafah beteiligt. Dass die israelische Armee dort nach ihrem Einmarsch den Davidstern aufgezogen hat, beunruhigt Ägypten. Dort sind viele überzeugt, dass Israel den Gazastreifen letztlich in sein Territorium integrieren und deshalb so viel palästinensische Bevölkerung wie möglich auf den Sinai verdrängen will. Würde Netanjahu diese Ängste auszuräumen versuchen, würde er seine rechtsextremen Regierungspartner vergrämen. Und das will er keinesfalls. (Gudrun Harrer, 16.5.2024)