Mit Ghandi und Dohnal in den gewaltfreien, aber lautstarken Wahlkampf. Madeleine Petrovic will es noch einmal wissen.
IMAGO/SEPA.Media

Madeleine Petrovic ist in ihrem Leben schon ein paarmal recht überraschend abgebogen, und sie tut das mit 68 Jahren noch einmal: Sie will mit einer eigenen Liste für den Nationalrat kandidieren. Sie tritt damit gegen die Grünen an, deren Parteichefin sie einst in turbulenten Zeiten war, sie tritt aber auch gegen die FPÖ an, der sie mit ihrer impfkritischen Haltung auch ein paar Wählerinnen und Wähler abspenstig machen könnte.

Die gebürtige Wienerin wurde politisch bei den Grünen sozialisiert, sie war Bundessprecherin, Klubchefin, Abgeordnete, Landesparteichefin in Niederösterreich. Und ist seit kurzem nicht mehr Mitglied. Petrovic behauptet, Sigrid Maurer, mit der sie auch in einem skurrilen Rechtsstreit involviert ist, ließ ihre Mitgliedschaft ruhend stellen. Die Grünen sagen, Petrovic habe ihren Mitgliedsbeitrag nicht bezahlt.

Das Links-rechts-Spektrum sei längst erodiert, sagt Petrovic, sie sei für eine gewaltfreie Form des Widerstands, sie sei Feministin, gendere auch, und sie trete für eine radikale Umverteilung von oben nach unten ein; aber sie tue sich mittlerweile schwer, links zu definieren. Ihr großes Vorbild ist Gandhi, aber auch Johanna Dohnal schätzt sie sehr, die sie gleich zitiert: Aus taktischen Gründen leise zu treten habe sich schon immer als Fehler erwiesen. Was sie jetzt von den Grünen trenne: Pazifisten kann sie dort keine mehr ausmachen.

Trennung mit Schmerzen

Die Grünen bekamen mit Petrovic ein Problem, als diese in der Covid-19-Pandemie gegen die Impfpflicht auftrat und keine Scheu zeigte, sich mit Corona-Leugnern zu solidarisieren. Es war eine Trennung mit Schmerzen. Petrovic ist grünes Urgestein, sie zog 1990 als Abgeordnete in den Nationalrat ein, war Spitzenkandidatin, bot Jörg Haider in Fernsehduellen die Stirn, und 1993 hielt sie die mit zehn Stunden und 35 Minuten bis dahin längste Rede in der Geschichte des Nationalrates. Im selben Jahr wurde sie zum Ziel des rechtsextremen Attentäters Franz Fuchs.

Petrovic ist verheiratet, hat zwei Töchter, sie war Beamtin im Sozialministerium, mittlerweile ist sie in Pension, aber nicht im Ruhestand. Ihre große Leidenschaft ist der Tierschutz. Den Wiener Tierschutzverein übernahm sie 2008 aus der Insolvenz, sie bürgt für diesen mit ihrem Vermögen. Das bedingungslose Eintreten für den Tierschutz ist möglicherweise ihr größtes Asset in einem Wahlkampf. Friede, Tiere und Corona-Widerstand, das ist in dieser Form eine recht eigenwillige Mischung. (Michael Völker, 16.5.2024)