Marion Feichter und Daniel Hofstätter haben sich in Simmering mit Discokugeln eingerichtet. Ihre Wohnung haben sie nur per Video besichtigt und trotzdem gleich zugeschlagen.

"Wir haben letztes Jahr nach 13 Jahren in Deutschland entschieden, nach Wien zurückzukehren – auch wegen der Wohnsituation hier. Wien ist die einzige Großstadt, in der man sich das Wohnen als Künstlerin noch leisten kann. In Hamburg waren wir da ganz anderes gewohnt – da steht man bei der Besichtigung in der Schlange für eine Wohnung ohne Strom.

Marion Feichter und Daniel Hofstätter sitzen auf ihrem orangen Wohnzimmersofa und lachen in die Kamera.
Marion Feichter und Daniel Hofstätter im Wohnzimmer ihrer Wohnung, die sie nicht selbst besichtigt haben.
Lisi Specht

In Wien ist mein Onkel für uns losgezogen. Er hat diese 80 Quadratmeter große, unbefristete Mietwohnung in Simmering besichtigt und dann mit dem Makler ein Video für uns gemacht. Die zwei hatten einen Spaß! Wir haben sie genommen, bevor wir sie selbst gesehen hatten. Als wir das erste Mal da waren, sind wir sofort in die Küche gegangen. Das ist keine billige Kuchlzeile, sondern eine funktionale, hochwertige Küche, sogar mit Schubladenbremsen. Das hatten wir noch nie!

zwei Fotos, auf dem linken: eine alte Kredenz in weiß mit verspiegelter und gekachelter Rückwand, daneben eine Topfpflanze; auf dem rechten: ein Cello liegt auf einem kleinen Tischchen, daneben stehen ein schwarzer Flügel und eine gebogene Stehlampe
Das Discokastl (links) stand in den 1970er-Jahren in der Küche von Marion Feichters Oma.
Lisi Specht

Die Wohnung ist perfekt für zwei Leute, die hier arbeiten und eine feine Zeit haben wollen. Uns war ein zusätzliches Zimmer für unsere Instrumente wichtig. In Hamburg wohnten wir in einer relativen Schuhschachtel und mussten einen Proberaum anmieten – wenn ich eine coole Idee hatte, musste ich also warten, bis ich die am Cello ausprobieren konnte. Hier muss ich nur ein paar Schritte ins Musikzimmer gehen. Wir sind jetzt gerade, was die Wohnung angeht, in unserer Honeymoon-Phase und extrem glücklich, weil wir so viel Platz haben!

linkes Bild: die Küche des Paares in schwarz mit Arbeitsplatte und Rückwand aus hellem Holz; rechtes Bild: ein alter Esstisch mit Lade, daneben zwei Stühle
Die Küche ist funktional, hochwertig und hat sogar Schubladenbremsen.
Lisis Specht

Bei den Möbeln ist vieles secondhand. Nur der Billy, der Klassiker vom Ikea, ist neu. Das Discokastl mit der silbernen Verkleidung ist von meiner Oma, das stand so in den 1970er-Jahren in ihrer Küche. Das hat mich dann natürlich inspiriert, einfach rogue zu gehen und die Vorhangstange mit Discokugeln auszustaffieren. Vorhang wollte ich hier ohnehin keinen wegen der Pflanzen. In Hamburg waren wir nicht regelmäßig genug für Pflanzen zu Hause, darum sind sie uns jetzt besonders wichtig. Die Mama von Daniel hat so einen grünen Daumen, dass man sich fast schon schämt, wenn es bei einem selbst nicht einmal halb so gut läuft. Bei der wachsen Pflanzen, die in Tirol wahrscheinlich nicht einmal wachsen dürften – also botanisch gesprochen!

Foto links: Marion Feichter steht vor einem großen, offenen Kleiderschrank und lächelt in die Kamera, sie trägt gelbe Hausschuhe, eine schwarze Brille und ihre roten Locken offen; rechtes Bild: Ein Hoztisch mit zwei Stühlen und einer Eckbank, an der Wand ein weißes Hängeregal mit Pflanzen, Büchern und einem Lautsprecher
Viele der Möbel in ihrer Wohnung sind secondhand.
Lisi Specht

Ich habe bei der Einrichtung eine sehr bestimmte Vorstellung. Mir sind Farben und Symmetrie wichtig. Darum überlege ich, die Wand im Wohnzimmer lila anzustreichen, das würde ich extrem feiern. Auf unser selbstgebautes Schranksystem sind wir besonders stolz. Es besteht aus diversen alten Riesen-Pax-Schränken von Ikea und einem Lastenregal aus dem Bauhaus. Das Schiebetürensystem haben wir selbst gebaut und mit Stoff überzogen. Da hat von unserem Equipment bis hin zu unserer Kleidung alles Platz.

Darum kann unser Schlafzimmer jetzt auch spartanisch sein. Da ist nichts drinnen außer unser Bett. Das ist mir wichtig, weil ich damit struggle, im Kopf aufgeräumt zu sein. Wenn alle Dinge fixe Bereiche haben, ist das viel einfacher. Und es nervt einfach, wenn man drölfzig Sachen wegräumen muss, um saugen zu können. Daher hängt viel an der Wand.

Bild links: ein Mid Century Sideboard, darauf eine Calathea und darüber ein Regal mit Schallplatten; Bild rechts: an der Wand hängt eine schwarz-weiß Fotografie, auf der das Meer und der Himmel voller Wolken zu sehen ist, darunter steht ein Plattenspieler und daneben stehen kleine Pflanzen auf Wandregalen
Auch Pflanzen spielen beim Wohnen des Musikerpaars eine wichtige Rolle.
Lisi Specht

Unsere Erwartungen an Simmering wurden voll erfüllt, im positivsten Sinn. Wir finden es hier gemütlich und urinteressant. Und wir haben das große Glück, dass die nächste Hauswand nicht wie in den inneren Bezirken direkt vor unserer Nase ist. Und die beste neapolitanische Pizza gibt es außerdem in der Nähe. Die Nachbarn sind auch alle superlieb. Es hat vermutlich schon Vorteile, in einem Haus zu leben, das nicht nur aus Anwälten, Ärzten und Lehrern besteht.

Früher war bei uns jeden Tag die Bude voll. Bisher hatten wir hier aber noch nicht so viele Gäste, wie wir gerne hätten, weil wir nicht fertig eingerichtet waren und immer irgendwo etwas herumgestanden ist. Dass ihr heute gekommen seid, war da ein sehr guter Motivator. Da war im letzten Moment noch einiges drinnen, das freut mich selbst extrem!" (PROTOKOLL: Franziska Zoidl, 20.5.2024)