Neuralink meldet Probleme mit dem ersten Chip. Die Elektroden beginnen sich langsam vom Gehirn der Testperson zu lösen.
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Im Jänner dieses Jahres wurde Noland Arbaugh als erstem menschlichem Patienten ein Chip von Neuralink implantiert, der es ihm erlaubt, einen Computer zu bedienen.

Der 29-jährige Texaner ist seit einem Tauchunfall vor acht Jahren gelähmt. Die Operation verlief erfolgreich, und zunächst war der Mann von den Ergebnissen begeistert. Er konnte einen Cursor allein mit seinen Gedanken bewegen und nutzte diese neu erworbenen Fähigkeiten, um Civilization VI und sogar Mario Kart zu spielen.

Anfangs lief alles gut, und die Gehirn-Computer-Schnittstelle von Neuralink erwies sich als fortschrittliche Technologie. Doch nicht alles lief nach Plan. Wie Neuralink später einräumte, zogen sich einige der in Adbaughs motorischem Kortex eingebrachten Elektroden mit der Zeit zurück. Ein Umstand, der Neuralink zwar bekannt war, aber erst öffentlich gemacht wurde, nachdem das Wall Street Journal davon erfahren und Nachfragen an das Unternehmen gestellt hatte. Daraufhin zeigte der Chip einige Fehlfunktionen.

Erster Neuralink-Patient spielt Schach mithilfe seiner Gedanken
Das Start-up-Unternehmen Neuralink von Technologie-Milliardär Elon Musk hat weitere Fortschritte bei der Entwicklung seines Gehirnimplantats vermeldet. Das Unternehmen verbreitete ein Video eines querschnittsgelähmten Menschen, der offenbar mithilfe des Gehirnimplantats über seine Gedanken auf einem Computer Schach spielt
AFP

Nun gab Arbaugh Bloomberg ein Interview. Darin berichtet der Texaner, wie schlimm es für ihn war, seine neuen Fähigkeiten nach und nach zu verlieren. "Ich begann, die Kontrolle über den Cursor zu verlieren", sagt Arbaugh. Er dachte zuerst an ein fehlerhaftes Softwareupdate, erfuhr aber später, dass sich die Elektroden langsam aus seinem Gehirn lösten. "Es war wirklich schwer, das zu hören. Ich dachte, ich würde es vielleicht einen Monat lang benutzen können, und dann wäre es zu Ende." Daraufhin habe er geweint, wird Arbaugh in dem Artikel zitiert.

Neuralink machte sich an die Arbeit, um herauszufinden, wie die Probleme behoben werden könnten. Den Softwareentwicklern des Unternehmens gelang es, die Algorithmen der Software anzupassen. Arbaugh bekam so einen Großteil seiner Fähigkeiten zurück, zumindest vorerst. "Ich wette, dass die nächste Person, die das Gerät bekommt, genau dasselbe empfindet wie ich", sagt er. "Wenn man einmal auf den Geschmack gekommen ist, kann man einfach nicht mehr aufhören. Es haut mich so sehr um."

Arbaugh kann nun Buchstaben mit einem Cursor auf seinem Computer nachzeichnen. Neuralink will damit die eigene Software trainieren in der Hoffnung, dass sie künftig nicht nur einzelne Buchstaben, sondern ganze Sätze erkennt.

Hoffen auf ein Upgrade

Arbaugh hat zugestimmt, dass der Chip ein Jahr lang in seinem Kopf bleibt, also bis Jänner 2025. Dies ist Teil eines Experiments, mit dem vor allem getestet werden soll, ob das Implantat sicher ist und über einen längeren Zeitraum hinweg keine Schäden verursacht. Trotz einiger anfänglicher Schwierigkeiten hofft Arbaugh bereits, dass er in Zukunft die nächste Generation des Chips erhalten wird. "Ich würde gerne aufrüsten", sagt er. "Hoffentlich setzen sie mich auf die Shortlist." (red, 17.5.2024)