Wir verbrauchen zu viel Boden. Das Problem gibt es in ganz Österreich, auch im sonst oft so vorbildlichen Vorarlberg. Um Grünland zu schützen, hat sich dort schon vor mehr als zwölf Jahren der Verein Bodenfreiheit gegründet, der mit seinen Mitgliedsbeiträgen Grundstücke kauft, um sie vor einer Bebauung und somit einer Versiegelung zu schützen. Mehr als 600 Menschen machen bis heute mit und unterstützen die Arbeit des Vereins.

Ein Grenzstein mit der Aufschrift
Seit zwölf Jahren verhindert der Verein Bodenfreiheit, dass Grundstücke verbaut werden, indem er sie mit Mitgliedsbeiträgen aufkauft.
Verein Bodenfreiheit

Mittlerweile hat sich die Arbeit auf sogenannte Gehrechte erweitert, die als Dienstbarkeiten, also als beschränkte Nutzungsrechte, im Grundbuch eingetragen werden. Und der Verein scheut auch vor größeren Herausforderungen nicht zurück. "Wir lassen uns nicht abschrecken, auch nicht, wenn es ein ganz wertvolles Grundstück ist. Dann starten wir ein Crowdfunding", sagt Kerstin Riedmann, Geschäftsführerin des Vereins, zum STANDARD.

Ziel ist es, die Gehrechte im Grundbuch einzutragen. Dadurch können die Flächen nicht mehr bebaut werden. Mit den Landwirten wird ein Vertrag abgeschlossen, der festlegt, dass der Vereinsvorstand einmal jährlich "kreuz und quer" über die Fläche gehen darf, wie Riedmann erzählt. Die Landwirte bekommen einen Einmalbetrag für eine 50-jährige Nutzung. Meist sind es Flächen, die an Siedlungsgebiete angrenzen, wo der Bebauungsdruck hoch ist.

Von den Grundstückseigentümern, die mit dem Verein zusammenarbeiten, verlange das natürlich auch einen gewissen Mut. Einerseits werde dadurch der Wert des Grundstücks gemindert, andererseits müsse man den Druck von Investoren oder Nachbarinnen, die Flächen zu verkaufen, erst einmal aushalten. Riedmann erzählt von einem Landwirt in Ludesch, der mit dem Verein zusammengearbeitet habe: Alle Grundstücksbesitzer um seine Fläche herum hätten ihre Grundstücke für die Erweiterungen angrenzender Firmen verkaufen wollen. "Natürlich ist das heftig, wenn alle wollen, nur einer nicht", sagt Riedmann. Mit dem Verein Bodenfreiheit habe sich der Landwirt aber eine Instanz an Bord geholt, die ihm zu Hilfe kam und ihn bei der Kommunikation unterstützen konnte. Letztlich wurde das Projekt durch eine engagierte Bürgerinitiative verhindert.

Orte für ein Miteinander

Der Verein will vor allem Bewusstsein schaffen, und zwar auch dafür, dass bestimmte Flächen für die Öffentlichkeit eine wichtige Bedeutung haben, etwa der Fußballplatz hinter der Kirche, nennt Riedmann ein fiktives Beispiel. Darüber, dass Boden mehr ist als eine Kapitalanlage – etwa Ort für ein qualitatives Miteinander –, wolle man eine breite Diskussion in der Bevölkerung anfachen. Zumal es auch in Vorarlberg bereits mehr als genug schon gewidmetes Bauland und Betriebsflächen gibt, die bisher allerdings unbebaut sind. So viel, dass die Bevölkerung des Bundeslands sich verdoppeln und trotzdem darauf unterkommen könnte, weiß man beim Verein. Laut dem Atlas der Österreichischen Raumordnungskonferenz sind rund 22 Prozent des bereits gewidmeten Baulands in Vorarlberg nicht bebaut.

Nebenher arbeitet der Verein auch aktiv daran, das Thema unter die Menschen zu bringen. Allein im Juni gibt es sieben Workshops in Volksschulen, in denen den Kindern vermittelt wird, wie wichtig die Ressource Boden ist.

"Boden ist für 90 Prozent unserer Nahrung zuständig. Ohne ihn gibt es keine gesunden Lebensmittel", sagt Riedmann. Es sei höchste Zeit, dass wir uns fragen, wie wir mit unserem Boden umgehen. (Bernadette Redl, 18.5.2024)