Es ist rund ein Jahr her, da haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ob sich das Buchen eines Bahntickets als Klimaticketbesitzerin ab der Landesgrenze auszahlt, und sind zu der Erkenntnis gekommen, dass der Aufwand dafür nicht ohne ist: Um ein günstiges Ticket zu finden, muss man lange recherchieren, wie der Erfahrungsbericht gezeigt hat.

Eisenbahn, Zug, Deutsche Bahn
Wer über mehrere Ländergrenzen hinweg mit dem Zug fahren möchte, muss sich seine Fahrten immer noch mühevoll einzeln zusammensuchen.
IMAGO/Arnulf Hettrich

Denn trotz schicker, schneller Züge präsentiert sich Europas Schienenverkehr immer noch in Kleinstaaterei mit den Tücken komplizierter Tarifsysteme, stellt man auch bei der Welt fest: Mal kooperieren Nachbarbahnen, mal sind sie Wettbewerber. Und der Reisereporter hält fest: Wer über mehrere Ländergrenzen hinweg mit dem Zug fahren möchte, muss sich seine Fahrten immer noch mühevoll einzeln zusammensuchen und beim jeweiligen nationalen Anbieter buchen.

Der Grund dafür: Derzeit arbeiten einige europäische Bahngesellschaften nicht mit Portalen wie Trainline, Omio oder Rail Europe zusammen. Diesen fehlen somit Daten zu Preisen, Verspätungen, Zugausfällen oder Gleiswechseln.

Mangelnde Kooperation

Nun erscheint diesbezüglich ein Licht am Ende des Eisenbahntunnels. Denn im September 2024 startet der Aufbau von Open Sales and Distribution Model (OSDM), einem einheitlichen Online-Buchungsstandard für 22 europäische Bahnen. Mit von der Partie sind sämtliche großen Staatsbahnen von Skandinavien bis Spanien und Italien, darunter die DB, die österreichische ÖBB, die Schweizer SBB, die französische SNCF, die polnische PKP und Trenitalia.

Bahnunternehmen sollen gezwungen werden, ihre Daten an unabhängige, internationale Buchungsplattformen herauszugeben.
Bahnunternehmen sollen gezwungen werden, ihre Daten an unabhängige, internationale Buchungsplattformen herauszugeben.
ÖBB / Harald Eisenbeger

Angestoßen wurde das Projekt laut Welt am Sonntag von der EU-Kommission: Mit einem entsprechenden Gesetzentwurf sollen europäische Bahnunternehmen gezwungen werden, "ihre Daten an unabhängige, internationale Buchungsplattformen herauszugeben". Dann soll endlich Schluss sein mit Ticket-Wirrwarr und Falschauskünften. Im Endausbau sollen sämtliche bisherigen Online-Verkaufssysteme von 22 europäischen Bahnen und weiteren Vertriebsunternehmen mit eigenen Buchungsplattformen in das neue System integriert werden. Wann das der Fall sein wird, wurde allerdings noch nicht bekanntgegeben.

Mehr Transparenz

Hinter dem System steht laut Welt ein komplexes Computersystem, das international entwickelt wurde und nun als Open Source für sämtliche Vertriebskanäle zur Verfügung steht, von Fahrausweisen über Platzreservierungen (die sind in französischen und italienischen Hochgeschwindigkeitszügen obligatorisch) bis zur Bettenbuchung im europäischen Nachtzugnetz.

Hervorgestrichen wird ein weiterer Vorteil des neuen Systems für Bahnkunden: Es dürfte mehr Angebot für günstigere Fahrpreise bieten. In Zukunft besteht viel einfacher die Möglichkeit, bei internationalen Buchungen von nationalen Schnäppchenpreisen zu profitieren. Auch das Interrail-Angebot soll dadurch übersichtlicher und transparenter werden. (Markus Böhm, 19.5.2024)