Dieses Bild wurde mit der KI Midjourney erstellt. Der Prompt lautete: "illustration of a friendly looking robot, presenting newspapers, looking at the camera. --ar 3:2"
Midjourney/Der Standard

Google, OpenAI und Anthropic: In der vergangenen Woche haben gleich drei große Player der KI-Szene nahezu gleichzeitig beeindruckende Neuigkeiten aus dem Hut gezaubert. Ein Zufall ist das freilich nicht, stand doch der Termin für die Google I/O, also die Entwicklerkonferenz des Konzerns, schon längere Zeit fest. Auch war klar, dass KI hier das treibende Thema sein würde. Kollege Andreas Proschofsky war im kalifornischen Mountain View live vor Ort und hat die wichtigsten KI-Neuerungen Googles zusammengefasst.

So gut wie kein Geschäftsbereich wird von KI unberührt bleiben, so der Eindruck nach der Präsentation. So werden KI-Funktionen in den Kalender, in Gmail, in Google Fotos und in diverse andere Applikationen eingebaut. Mit "Veo" zeigt Google eine generative KI zum Erstellen von Videos, als Konkurrenz zu OpenAIs "Sora". Und die Suche, das Kernprodukt des Konzerns, soll auf KI-Basis Informationen zusammenfassen und für den User individualisieren, anstatt bloß Links zu Websites aufzulisten.

Besonders beeindruckend ist aber, wie Google mit "Project Astra" die Zukunft der KI-Assistenten zeigte: In einem Demovideo konnte das Tool unter anderem Objekte oder Programmiercode erkennen und diese in natürlicher Sprache beschreiben. Übrigens nicht nur via Smartphone-Kamera, sondern auch über den Prototypen einer smarten Brille – was Konkurrent Meta mit seinen smarten Rayban-Sonnenbrillen entsprechend unter Zugzwang bringt.

Multimodales Kräftemessen

Doch diese Multimodalität – also die Kombination von geschriebenem Text, Sprache, Bildern und Videos – ist kein Thema, das Google in dieser Woche für sich allein gepachtet hatte. So war OpenAI dem Konkurrenten zuvorgekommen und hatte am Montag vor der Google I/O sein "Omnimodell" GPT-4o vorgestellt. Dieses soll nicht nur schneller als GPT-4 sein, sondern auch Bilderkennung mit Spracherkennung und realistischer Sprachausgabe kombinieren.

Im Vorfeld hatten Beobachter damit gerechnet, dass OpenAI mit einer KI-Suchmaschine einen noch direkteren Angriff auf Google fahren würde, dies ließ man jedoch – zumindest vorerst – aus. Dafür sorgte OpenAI ebenfalls für Schlagzeilen, weil Chefforscher Ilya Sutskever das Unternehmen verlässt, um sich einem neuen Projekt zu widmen. Sutskever war damals einer der Köpfe hinter der kurzzeitigen Abberufung Sam Altmans.

Fast schon hätte man angesichts dieses Kräftemessens eine andere Neuerung übersehen können: nämlich dass Claude – der ChatGPT-Konkurrent von Anthropic – nach langer Wartezeit nun auch offiziell in Europa verfügbar ist. Brisant dabei: Anthropic wird finanziell unter anderem von Google unterstützt, steht somit also in Konkurrenz zum eigenen Geldgeber.

Entwicklungen in Österreich

Doch auch hierzulande schreitet die Entwicklung und Integration von KI-Lösungen voran. So hat die Austria Presse Agentur (APA) eine neue crossmediale Contentplattform für Planung, Monitoring und Recherche vorgestellt, die den APA-Onlinemanager (AOM) ablöst, indem sämtliche Inhalte und Produkte auf einer Plattform gebündelt werden. Integriert ist auch ein KI-gestützter Textassistent: Er soll Such- und Rechercheergebnisse verbessern und kann Texte auf eine gewünschte Länge kürzen, Titelvarianten generieren sowie Social-Media-Posts erstellen. Künftig soll auch eine Lektor-Funktion verfügbar sein. Ziel ist, Routinetätigkeiten mittels KI zu unterstützen.

Eine Studie der Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften Krems zeigt indes, wie personalisierte Therapie von Hirntumoren mithilfe von KI verbessert werden kann. Und KI-Pionier Josef Hochreiter arbeitet an einem Modell aus Österreich, das jene der US-Konkurrenten in puncto Schnelligkeit und Ressourceneffizienz übertreffen soll. Hochreiter plant, in einer Finanzierungsrunde 100 Millionen Euro zu akquirieren, um die Rechenleistung für die weitere Entwicklung und Skalierung seines Modells zu sichern.

32 Milliarden für KI-Forschung

Dass in Österreich nicht genug in KI-Forschung investiert wird, hatte Hochreiter bereits im vergangenen Jahr beklagt. In anderen Ländern hat man weniger Berührungsängste: So wollen US-Senatoren 32 Milliarden Dollar in diesem Bereich investieren – vor allem weil man nicht zuletzt bei militärischen Anwendungen eine Dominanz Chinas fürchtet.

In der Finanzwirtschaft hingegen muss man das Geld nicht lange suchen, sondern freut sich über einen Meilenstein. So hat der Dow-Jones-Index diese Woche erstmals die Marke von 40.000 Punkten geknackt – getrieben vom KI-Rausch und dem Höhenflug der Tech-Konzerne. Der nächste Push könnte dabei von einem Unternehmen kommen, das in dieser Ausgabe des Newsletters bisher noch fehlte: Apple. Denn der iPhone-Konzern könnte bereits auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC im Juni eine mit KI-Funktionen bereicherte Version seines angestaubten Smart Assistant Siri präsentieren. (Stefan Mey, 18.5.2024)