Jetzt wird es wirklich gefährlich für Lena Schilling – die "Kronen Zeitung" hat sie adoptiert. Schwerwiegende Vorwürfe, eine misslungene Pressekonferenz und dann auch noch Schützenhilfe von der FPÖ: Schlimmer hätte es für Lena Schilling in dieser Woche nicht kommen können, hoffte Conny Bischofberger am Sonntag. Da hat sie vermutlich noch nicht gewusst, was Kollege Hans Peter Hasenöhrl plante und Donnerstag auch umsetzte: Die Leuchtende und der Großinquisitor.

Die Spitzenkandidatin der Grünen für die EU-Wahl, Lena Schilling.
Die Spitzenkandidatin der Grünen für die EU-Wahl, Lena Schilling.
APA/HANS KLAUS TECHT

Auf der grün unterlegten Seite 6 des Blattes griff Hasenöhrl weit zurück in die Vergangenheit. Der Name Lena stammt aus der Keltenzeit, und er bedeutet die "Leuchtende". Die Volksgruppe aus der Eisenzeit beherrschte Europa in den vier Jahrhunderten vor Christi Geburt. Was die Jetztzeit betrifft, wirkt die Spitzenkandidatin der Grünen inmitten der anderen schon ziemlich angegrauten und blassen Kandidaten für die EU-Wahl in der Tat wie eine Leuchtende. Das liegt daran, dass sie als Kolumnistin der "Kronen Zeitung" bis zu ihrer politischen Kür für ein Millionenpublikum schrieb, die Kolumnen waren perfekt, klar, verständlich, auf den Punkt gebracht, was man nicht von jedem "Krone"-Kolumnisten sagen kann. Vielleicht mag das einer der Gründe sein, irgendeinen Groß­inquisitor auf die junge Frau anzu­setzen.

Jeannée, der Hexer

Unwahrscheinlich. Warum sollte irgendein Großinquisitor auf Lena Schilling warten, wenn er seit Jahren Michael Jeanneé haben konnte, der immer alles perfekt, klar, verständlich auf den Punkt bringt. Der ist leider keine Frau, weshalb die mediale Hexenjagd an die schrecklichen Zeiten der Geschichte erinnert, Jeannée aber bestenfalls ein Hexer ist. Zensur, Paranoia, Folter, Vertreibung, Verfolgung. Die Hinrichtung findet heutzutage zur besten TV­-Sendezeit am Abend statt.

Aber nicht nur. 50 angebliche Zeugen hat der Großinquisitor einer Zeitung verhört, deren Namen wir nie erfahren werden, herausgekommen sind Belanglosigkeiten, über die so gut wie alle österreichischen Medien seit Tagen berichten, obwohl kein Zusammenhang mit der Politik. Da legt Herr Hasenöhrl ganz strenge Kriterien an.

An Kollegin Bischofberger kam er damit nicht heran, denn der war es gelungen, die Leuchtende aus der Keltenzeit in einem Meidlinger Kaffeehaus mit ihrer Mutter zusammen auftreten zu lassen, die sich als Ur-Wienerin bezeichnet, was keltische Gene natürlich nicht ausschließt. Und jetzt der Unterschied zwischen einer Mutter und der grünen Partei. Ich muss ja zugeben: Ich hatte bis zum letzten Tag gehofft, dass sie nicht in die Politik geht, dass sie "Nein" sagt. Man kennt ja die negative Stimmung, die dort herrscht. Als Löwenmama will man sein Kind beschützen. Zu spät.

Der Reumannplatz und die ÖVP

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet der Reumannplatz im proletarischen Milieu Favoritens zum Lieblingsort der Volkspartei wird? Der Innenminister, der seit Wochen in den unterschiedlichsten Verkleidungen durch die Stadt geistert, hält sich mit Vorliebe dort auf. So konnte "oe24" Donnerstag auf Seite 13 berichten, Vertreter der Landespolizeidirektion besuchten zusammen mit Innenminister Karner (ÖVP) am Mittwoch die "Problemzone Reumannplatz" und präsentierten ihre Bilanz seit dem Waffenverbot vom 13. Mai. Nach dieser Bilanz ist Favoriten eine Insel des Friedens, elf Waffen seien sichergestellt worden. Rückgänge gab es bei Einbrüchen, Körperverletzung, Suchtgiftdelikten und Sachbeschädigungen. Von 940 Anzeigen ganz zu schweigen.

Klar, dass derlei spektakuläre Erfolge Neider anlocken, die sich mit solchen Erfolgen schmücken wollen. Daher konnte "oe24" am selben Tag auf Seite 8 berichten: Nehammer sieht Erfolge am Wiener Reumannplatz, und nicht nur das. Seit Einführung der Waffenverbotszone in Wien-Favoriten sind die Straftaten im bevölkerungsreichsten Bezirk zurückgegangen, erklärten Innenminister Karner und Kanzler Nehammer im Zuge einer medienöffentlichen Aktion beim Reumannplatz.

Obwohl die Aktion medienöffentlich war, musste "Heute" kommen, um zu vermelden, was "oe24" skandalöserweise verschwiegen hatte. Kanzler in Favoriten: "Kalifat hat in Österreich keinen Platz". Gemeinsam mit Innenminister Gerhard Karner schüttelte er den Einsatzkräften die Hände, stand für Selfies zur Verfügung und präsentierte eine erste Bilanz der vor zwei Monaten gestarteten Schwerpunktaktionen, wobei es um 74 Planquadrate, 190 Anzeigen und elf Waffen ging. Sie deckte sich mit den Angaben der Konkurrenz, was wesentlich zur Sicherheit in Favoriten beiträgt. Kein Vergleich zu Döbling. (Günter Traxler, 19.5.2024)