Mainz/Trier – Nach heftigem Dauerregen im Südwesten Deutschlands, der im Bundesland Saarland Überflutungen und Erdrutsche verursacht hat, hat sich die Lage am Samstag etwas enstpannt. In vielen Gemeinden, unter anderem in der Landeshauptstadt Saarbrücken, mussten Häuser wegen ansteigender Wassermassen evakuiert werden. Die Bevölkerung wurde eindringlich aufgefordert, Keller, Gewässer und überflutete Gebiete zu meiden. Am frühen Samstagmorgen hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) alle Unwetterwarnungen in Deutschland aufgehoben.

Seit 1.00 Uhr stiegen die Pegelstände zumindest nicht mehr, sagte ein Sprecher des Polizei-Lagezentrums in Saarbrücken. Die Rettungskräfte seien aber weiterhin im Großeinsatz. Nach einer unruhigen Nacht begann in den betroffenen Regionen das Aufräumen. Das genaue Ausmaß der Schäden dürfte erst in den nächsten Tagen sichtbar werden. Weiterhin angespannt sei die Lage in Blieskastel, da der Pegelstand des Flusses Blies weiter leicht gestiegen sei. Gegen Samstagmittag werde dort der Höchststand erwartet. Zahlreiche Helfer versuchten, eine Überschwemmung der Altstadt von Blieskastel zu verhindern.

Hochwasser in Fischbachstrasse in Saarbrücken.
Der Deutsche Wetterdienst maß stellenweise mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter in weniger als 24 Stunden.
APA/dpa/Harald Tittel

Großschadenslage in Saarbrücken

In der Landeshauptstadt Saarbrücken wurde eine Großschadenslage ausgerufen. Dort stand die Stadtautobahn unter Wasser und musste gesperrt werden. Mehrere Menschen mussten im ganzen Land evakuiert werden. In Rußhütte, einem Stadtteil Saarbrückens, wurden sie etwa mit Amphibienfahrzeugen und Booten in Sicherheit gebracht. Die Behörden befürchteten zudem, dass die historische Altstadt von Blieskastel überflutet würde. Mehrere Einsatzkräfte versuchten dies zu verhindern.

Nach bisherigen Kenntnissen sind bei dem schweren Unwetter mit stundenlangen Niederschlägen und großflächigen Überflutungen keine Menschen ums Leben gekommen. Bei einer Evakuierungsaktion habe es einen Verletzten gegeben, sagte der Sprecher des Lagezentrums. Ein Mensch sei ins Wasser gefallen und anschließend in ein Krankenhaus gebracht worden.

Auf Videos waren zur Hälfte im Wasser stehende Autos, im Hochwasser feststeckende Wohnwagen und zahlreiche überflutete Straßen zu sehen. Gebäude wurden notdürftig mit Sandsäcken geschützt, teilweise stehen ganze Straßenzüge unter Wasser. Auch im benachbarten Rheinland-Pfalz kam es zu Hochwasser – in beiden Ländern liefen Keller und Straßen voll. Viele kleinere Bäche und Flüsse traten über die Ufer. In der benachbarten französischen Region Moselle in Lothringen herrschte am Samstag weiterhin die höchste Alarmstufe Rot für Überschwemmungen.

Eine Person verletzt

Laut Angaben der Behörden wurde bisher eine Person verletzt. Der Mensch war demnach bei einem Rettungseinsatz verunglückt, musste wiederbelebt werden und befinde sich nun in stationärer Behandlung.

Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) machte sich mit der saarländischen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger am Samstagmittag ein Bild von der Situation. Scholz traf um 11.30 Uhr im Saarland ein, um mit Helferinnen und Helfern zu sprechen. Er hatte den betroffenen Menschen Unterstützung zugesichert. "Jetzt steht die akute Hilfe im Vordergrund", sagte der SPD-Politiker.

Deutschlands Kanzler Olaf Scholz und Ministerpräsidentin des Saarlands Anke Rehlinger in Gummistiefeln im Hochwasser.
Deutschlands Kanzler Olaf Scholz und Ministerpräsidentin des Saarlands Anke Rehlinger besuchten am Samstag ein vom Hochwasser betroffenes Gebiet.
REUTERS/Kai Pfaffenbach

Infrastruktur nicht auf heftigen Regen ausgerichtet

Auch in Rheinland-Pfalz sorgte der Regen für zahlreiche Einsätze. Vor allem der Kreis Trier-Saarburg sowie die Südpfalz und die Städte Trier, Zweibrücken und Ludwigshafen waren von dem Dauerregen betroffen.

An der Saar und Ruwer im Landkreis Trier-Saarburg kam es nach Angaben der Kreisverwaltung zu großflächigen Überschwemmungen. Die Lage sei unverändert angespannt, hieß es am Samstagmorgen. Die Pegel an den beiden Flüssen seien weiterhin hoch. Die Einsatzkräfte werden den Angaben nach weiter aufgestockt. Im Ruwertal sollen viele Häuser unter Wasser stehen. Die genaue Anzahl war zunächst nicht bekannt. Das Schwimmbad Saarburg und zahlreiche Straßen seien überflutet und unpassierbar.

Es handle sich um ein Hochwasserereignis, wie es alle 20 bis 50 Jahre stattfinde, teilte das saarländische Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz mit. Der DWD maß stellenweise mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter in nicht einmal 24 Stunden. Für diesen heftigen Regen seien Flüsse und Infrastruktur nicht ausgerichtet, sagte eine DWD-Meteorologin am Freitagabend.

Warnstufe Rot in Frankreich

Wegen des Unwetters meldete auch die Deutsche Bahn massive Beeinträchtigungen und Ausfälle im Zug- und Schienenersatzverkehr in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Von nicht notwendigen Reisen ins Saarland sei abzusehen, teilte die Bahn mit.

Warnstufe Rot wurde auch in der benachbarten französischen Region Moselle in Lothringen ausgegeben. Der Wetterdienst Metéo France berichtete am Samstag von "außergewöhnlichem Hochwasser" des Saar-Nebenflusses Nied und von "starkem Hochwasser" an mehreren Flüssen im Nordosten der Region an der Grenze zu Deutschland. Im Department Bas-Rhin rund um Straßburg herrscht demnach Warnstufe Orange, also die zweithöchste Stufe. "Das Äquivalent von mehr als einem Monatsregen ist in weniger als 24 Stunden gefallen", erklärte die Präfektur am Freitagabend. (APA, red, 18.5.2024)