Leverkusen-Motor Granit Xhaka feiert mit dem Nachwuchs auf dem Rasen.
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Leverkusen/München - In der Partyhochburg BayArena BayerLeverkusen am Samstag eine historische Saison gefeiert. Eine ganze Spielzeit ohne Niederlage, das hat noch nicht mal der FC Bayern in seinen besten Zeiten geschafft. Und so war der erste Leverkusener Meistertitel auch für den früheren Welt- und Europameister Xabi Alonso etwas ganz Besonderes. "Diese Mannschaft hat sich in der Geschichte verewigt. So etwas ist nicht nur in Deutschland eine Ausnahme, sondern in Europa", sagte der Baske.

"In Spanien gab es noch nie eine Mannschaft, die ungeschlagen geblieben ist. Wir erinnern uns an Arsenal vor 20 Jahren. Und in 20 Jahren werden wir zurückschauen und sagen: Wir haben es damals geschafft", meinte Alonso. Team-Leader Granit Xhaka stellte die Frage, "ob das irgendwann noch mal wer schaffen wird? Mal schauen."

Zudem war es eine Saison der Rekorde. Neben der Unbesiegbarkeit hat Bayer einige nationale und kontinentale Rekorde gebrochen. So haben sie sich wie Stuttgart als erstes Team der Bundesliga-Historie um 40 Punkte gegenüber der Vorsaison verbessert. Mit nun 51 Pflichtspielen ohne Niederlage vom Saisonstart weg hat der neue Meister einen europäischen Rekord von Benfica Lissabon aus dem Jahr 1965 (49) verbessert.

Meistertrainer Xabi Alonso lässt sich von den Fans feiern.
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Hinzu kommen zahlreiche Vereinsbestmarken. Nie holte Leverkusen in einer Saison mehr Siege (28) und mehr Punkte (90), schoss mehr Tore (89), kassierte weniger Gegentreffer (24), schaffte mehr Siege in Folge (10) oder schaffte mehr Spiele ohne Gegentor (16). Außerdem war die Werkself das zweite Team in der Geschichte, das nach einer Führung keinen Punkt mehr abgab. "Wir verdienen ganz großen Respekt. Wir hatten vom 1. bis zum 34. Spieltag den Hunger zu fighten, zu laufen und zu kämpfen", erklärte Xhaka. Und Alonso lobte: "Wir haben kein komplett schlechtes Spiel gemacht. Höchstens mal eine Halbzeit. Aber dann mit guter Reaktion."

Kapitän Lukas Hradecky trug die Meisterschale nach der Überreichung in die Fankurve. Es sei ein Dankeschön gewesen dafür, wie die Anhänger den Club nicht nur in dieser Erfolgssaison unterstützt haben, sondern vor allem auch beim Absturz zu Beginn der vorletzten Spielzeit. "Ich weiß noch, was vor zwei Jahren war. Wie sie uns gepusht und hinter uns gestanden haben. Ich vergesse sowas nicht", sagte der Finne. Nun soll die Saison mit den Finalspielen in der Europa League und im DFB-Pokal ihren krönenden Abschluss finden.

Bei Bayern München steht derweil eine Generalinventur und -sanierung ins Haus. Teamtorhüter Manuel Neuer forderte einen Neustart - "für uns, für den Verein, auch von unserer Seite vom Team her". Der Seriensieger der vergangenen Jahre erlebte zwar ein chaotisches Jahr, aber der Rekordmeister holte sogar einen Punkt mehr als im Vorjahr. Trotzdem hatte die Tuchel-Truppe 18 Zähler weniger als Bayer und beendete die Saison nur auf Rang drei.

Hoffenheim besiegelte die achte (!) Saison-Niederlage der Bayern.
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Als erstes muss die bisher erfolglose Trainersuche beendet werden. Noch immer ist unklar, wer auf Thomas Tuchel folgt. Alonso, Julian Nagelsmann, Ralf Rangnick und Tuchel selbst gaben den Münchnern einen Korb. Auch Oliver Glasner von Crystal Palace war nicht verfügbar. Sportvorstand Max Eberl schloss am Samstag eine Verpflichtung von Roberto De Zerbi, der Brighton verlässt, zumindest indirekt aus.

Thomas Müller war nach dem 2:4 gegen Hoffenheim restlos bedient. "Ich will wirklich raus aus dieser Saison und rein in die neue." Ausdrücklich bedankte sich der Stürmer beim Trainerteam, "denn die haben wirklich alles reingelegt". Kapitän Neuer erklärte, "dass es jetzt nicht so weiterlaufen kann, ist klar". Man müsse "ein ganz anderes Gesicht zeigen als Mannschaft für die nächste Saison." Jeder im Verein sei "in der Pflicht". Die Frage, ob der FC Bayern einen zu hohen Trainerverschleiß habe, beantwortete er mit einem klaren "Ja". (APA; 19.5.2024)