Kevin Danso widerspricht dem Zeitungsbericht der "L'Equipe".
APA/GEORG HOCHMUTH

Berlin/Lens - Ein Bericht der "L'Equipe" über Kevin Danso hat für Aufregung gesorgt. Demnach habe der Innenverteidiger auf Drängen von Österreichs Fußball-Teamchef Ralf Rangnick darum gebeten, im letzten Ligue-1-Match seines Clubs Lens am Sonntag daheim gegen Montpellier nicht spielen zu müssen, um nach kürzlich auskurierter Adduktorenzerrung vor der EM keine neuerliche Verletzung zu riskieren. Danso dementierte diese Darstellung entschieden und sprach von einer "kompletten Falschmeldung".

Laut "L'Equipe" nahm Danso in dieser Woche am gesamten Training teil - nur am Samstag habe er gefehlt. Die Zeitung schrieb von einem Anruf von Rangnick, in dem der Deutsche angeblich die Drohung an Danso richtete, ihn nicht zur EM mitzunehmen, sollte er gegen Montpellier einlaufen. Der Verteidiger sei "bestürzt" gewesen und habe seinen Trainer Franck Haise informiert, "um Transparenz zu demonstrieren". Haise wiederum habe alles andere als erfreut reagiert und Danso daraufhin nicht in den Kader für Montpellier berufen, hieß es weiter.

"Völliger Blödsinn!

Danso setzte sich in einem übermittelten Statement zur Wehr: "Ich bin sehr verärgert und verwundert über diesen französischen Medienbericht. Es ist eine komplette Falschmeldung! Ich bin mit unserem Teamchef regelmäßig in Kontakt und er informiert und kümmert sich während der gesamten Saison großartig um uns Spieler. Aber dass Herr Rangnick Druck auf mich ausgeübt hat, heute nicht zu spielen, ist völliger Blödsinn!", teilte der 25-Jährige mit.

Er sei nach seiner Verletzung noch nicht ganz match-fit, betonte Danso. "Daher wurde heute Vormittag, nach einem Gespräch mit meinem Trainer hier in Lens entschieden, dass ich am Abend nicht im Kader stehen werde."

Widersprüchliche Darstellungen

Dansos Darstellung widerspricht allerdings der Darstellung des Vereins. Demnach sei der Spieler aus eigenen Stücken auf den Trainer zugekommen, um ihm mitzuteilen, dass er nicht gegen Montpellier spielen werde. Er hätte sich selbst und ohne Rücksprache aus der Mannschaft genommen. Dies geht aus einer - dem STANDARD vorliegenden - Nachricht hervor, die die Presseabteilung von Lens an französische Journalisten verschickt hatte.

Auf X kommunizierte der Verein zudem offiziell, dass Danso grundsätzlich einsatzfähig wäre, sich aber dazu entschieden habe, nicht zu spielen.

Rangnick - der sich zu der Causa nicht äußern will - hat ein knappes Monat vor der ersten EM-Partie gegen Frankreich vor allem in der Innenverteidigung mit großer Personalnot zu kämpfen. David Alabas Ausfall gilt als sicher, auch wenn er offiziell noch nicht bestätigt wurde. Philipp Lienhart muss seit Monaten pausieren. Maximilian Wöber fehlt seit Wochen wegen eines Muskelfaserrisses, sollte aber fit werden.

Danso bestritt seit seiner Auswechslung am 3. Mai gegen Lorient wegen Adduktorenbeschwerden kein Spiel mehr. Rangnick gibt den Kader für die letzten EM-Tests gegen Serbien und die Schweiz am Dienstag bekannt, das Aufgebot wird zumindest in weiten Teilen identisch mit dem finalen EURO-Kader sein. (APA; red, 19.5.2024)