Wien – Aktuelle Zahlen der Statistik Austria zum Thema Bildung bestätigen eine bereits seit Jahren vorgebrachte Kritik an der Bildung junger Menschen in Österreich: Personen, deren Eltern ein hohes Einkommen beziehen und über einen höheren Bildungsabschluss verfügen, haben demnach bessere Chancen, selbst ein hohes Bildungsniveau zu erreichen. Dass Bildung vererbt wird, brachten Studien bereits in der Vergangenheit zutage – so auch die nun veröffentlichte Studie "Bildung in Zahlen" der Statistik Austria, die am Dienstag für das Jahr 2023 präsentiert wurde.

Schülerinnen und Schüler, die in ihrer Familie wenig Unterstützung erfahren (etwa wegen eines niedrigen Einkommens oder Eltern mit geringem Bildungsniveau), laufen vermehrt Gefahr, den Abschluss in der Sekundarstufe 2, also beispielsweise der AHS-Oberstufe, nicht zu schaffen.

Eine Schulklasse während einer Prüfung. 
Kinder mit wenig familiärer Unterstützung haben es im Gymnasium schwerer.
Daniel Scharinger / picturedesk.

Ein konkretes Beispiel: Ein männlicher Schüler mit Hauptschulabschluss und wenig Unterstützung innerhalb der Familie hat eine Erfolgsquote von rund 73 Prozent, das Gymnasium mit Matura abzuschließen. Im Gegensatz dazu hat ein Schüler mit hoher Unterstützung eine Erfolgsquote von 88 Prozent.

Kinder von Eltern mit maximal einem Pflichtschulabschluss erreichten zu 36 Prozent erneut höchstens einen Pflichtschulabschluss. 42 Prozent schafften immerhin eine Lehre oder eine berufsbildende mittlere Schule (BMS). In die beiden höchsten Bildungsstufen – das sind ein Matura- oder Hochschulabschluss – stieg dagegen jeweils nur rund jeder Zehnte aus dieser Gruppe auf. Im Unterschied dazu schlossen sechs von zehn Akademikerkindern ein Hochschulstudium ab.

Weniger Personen ohne Abschluss

Nichtsdestotrotz nimmt die Zahl der Hochschulabschlüsse in Österreich seit Jahren zu. Während vor rund 40 Jahren nur 4,5 Prozent der 25- bis 64-Jährigen erfolgreich eine Hochschule abgeschlossen hatten, waren es im Jahr 2021 bereits 19,7 Prozent. Der Anteil jener Personen, die gar keinen oder nur einen Pflichtschulabschluss haben, belief sich im Jahr 2023 auf 14 Prozent – das ist knapp unter dem EU-Schnitt (16 Prozent). 1981 lag dieser Wert noch bei 46 Prozent.

Den höchsten Anteil der abgeschlossenen Ausbildungen in Österreich macht nach wie vor die Lehre aus: 32,6 Prozent der 25- bis 64-Jährigen haben eine solche absolviert. "Die Lehre liegt nach wie vor auf dem Meisterrang", erklärte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. Ihr Anteil an den Bildungsabschlüssen war allerdings zuletzt rückläufig. Auf Platz zwei rangieren die Personen mit Abschluss einer mittleren oder höheren Schule (30,4 Prozent) mit stagnierenden Werten.

Der Bildungsabschluss der 25- bis 44-Jährigen nach Abschluss der Eltern. 
APA/Statistik Austria 

Jobeinstieg gelingt mit Lehre am schnellsten

Welche Schullaufbahn eingeschlagen wird, bestimmt den weiteren Bildungsweg stark: So besuchen neun von zehn Schülerinnen oder Schülern nach dem Abschluss einer AHS-Unterstufe eine maturaführende Schule – allerdings nur vier von zehn nach dem Abschluss einer Mittelschule. "Die Bildungsmobilität zwischen den Generationen ist in Österreich nur schwach ausgeprägt, und die Weichen für die Bildungslaufbahn werden früh gestellt", sagte Thomas.

Eine höhere schulische Bildung wirkt sich auch positiv auf die Erwerbsbeteiligung aus, wie die Zahlen der Statistik Austria zeigen. Während der Anteil der arbeitslosen Menschen mit einem Hochschulabschluss bei nur 3,5 Prozent liegt, sind 12,2 Prozent aller Personen mit bloßem Pflichtschulabschluss arbeitslos. Am schnellsten gelingt der Berufseinstieg mit einer abgeschlossenen Lehre – im Schnitt nach nur 22 Tagen. Am längsten sind Personen auf Jobsuche, die lediglich den Pflichtschulbesuch vorweisen können: nämlich 185 Tage. Menschen mit Matura benötigen rund 145 Tage. (Max Stepan, 21.5.2024)