Zu sehen ist ein Schild mit der Aufschrift Notaufnahme.
Wer ins Krankenhaus muss und zusatzversichert ist, bekommt einen Teil seiner Kosten retour. Mit der steigenden Zahl der Wahlärzte steigt auch die Zahl der Zusatzversicherten.
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Wien – In den vergangenen Tagen wurde aufgezeigt, dass die Zahl der Wahlärzte zunimmt. Und zwar rapide. Besonders auffällig ist der Zuwachs bei Hautärzten: Dort wuchs der Anteil in der Zeit von 2017 bis 2023 von 58 auf 71 Prozent. Die Zahl der Kassendermatologen in Österreich lag im Jahr 2017 in absoluten Zahlen bei 312 und sank auf 233 im Jahr 2023. Die Zahl der Wahlärzte hingegen erhöhte sich von 434 auf 570. Die Zahlen stammen aus einer Beantwortung einer SPÖ-Anfrage durch Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne).

Obwohl Hautärzte nur ein Teilbereich sind, zeigt es doch einen Trend. Denn auch in anderen Fachrichtungen ist erkennbar, dass die Zahl der Wahlärzte zunimmt. Wer sich keinen Wahlarzt leisten kann oder will, muss oft Monate auf einen Termin bei einem Kassenarzt warten. Auch die Abrechnung ist mühsam, weil die Honorarnote vom Wahlarzt bei der Krankenkasse eingereicht werden muss. Dass diese Einreichung künftig über die Ärzte selber passieren soll – noch ist das nicht final entschieden –, würde den Aufwand der Patienten sicher reduzieren.

Zahl der Versicherten steigt

Dass immer mehr Menschen Wahlärzte in Betracht ziehen, zeigt sich auch an der Zahl der privaten Zusatzversicherungen. Diese steigt nämlich ebenfalls rasant. Die Anzahl der Netto-Neukunden hat sich zuletzt vervierfacht, von 14.842 im Jahr 2022 auf 60.278 im Jahr 2023. Das zeigen Daten den Versicherungsverbands VVO. "Die Vervierfachung der Nachfrage nach privater Krankenversicherung in nur einem Jahr ist ein deutliches Zeichen dafür, dass immer mehr Menschen die Vorteile und die Sicherheit einer privaten Gesundheitsvorsorge erkennen", sagt Sebastian Arthofer, Chief Operating Officer von krankenversichern.at, hinter dem die Avers Versicherungsmakler GmbH steht.

Viele Patienten hätten Schwierigkeiten, zeitnah reguläre Arzttermine zu bekommen. Wahlärzte bieten hier zweifelsohne eine Alternative. Der raschere Zugang zu medizinischen Leistungen und zu spezialisierten Fachärzten ist laut der Analyse, die krankenversichern.at gemacht hat, etwas, das die Attraktivität der Zusatzversicherung erheblich gesteigert hat.

Auszahlungen steigen

Die Gesamtauszahlungen der privaten Krankenversicherungen stieg im Vorjahr auf 1,7 Milliarden Euro an. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 12,3 Prozent. Die größten Ausgaben sind laut der Erhebung die Übernahme der Krankenhauskosten mit einer Milliarde Euro, was rund 58 Prozent der Gesamtkosten ausmacht. Arztleistungen sind um 17,8 Prozent auf 259 Millionen Euro gestiegen – das sind 14,6 Prozent der Gesamtausgaben.

Medikamentenkosten (3,6 Prozent der Gesamtauszahlungen) sind um 20,7 Prozent auf 63 Millionen Euro gestiegen. Besondere Untersuchungen, Behandlungen und Heilbehelfe (12,6 Prozent der Gesamtauszahlungen) stiegen um 12,2 Prozent auf 224 Millionen Euro, Zahnbehandlungskosten (2,7 Prozent der Gesamtauszahlungen) um 10,7 Prozent auf 47 Millionen Euro.

Regionale Unterschiede

In Österreich waren 2023 in Summe 38,4 Prozent der Gesamtbevölkerung privat krankenversichert. Doch es zeigen sich starke regionale Unterschiede. Kärnten führt mit einer Versicherungsquote von 51,17 Prozent der Bevölkerung das Ranking an, gefolgt von Salzburg, wo 48,07 Prozent zusatzversichert sind. Platz drei geht an Wien, wo 45,11 Prozent privat versichert sind. Die niedrigsten Raten der privaten Krankenversicherung finden sich in Niederösterreich und Vorarlberg, wo 26,66 Prozent bzw. 31,73 Prozent der Bevölkerung privat versichert sind.

Bei der Zahl der abgeschlossenen Verträge führt die Uniqa das Ranking mit einem Marktanteil von 43,9 Prozent an, was nahezu unverändert gegenüber den 44,0 Prozent im Jahr 2022 ist. Auf dem zweiten Platz liegt die Merkur Versicherung, die ihren Marktanteil von 18,5 leicht auf 18,7 Prozent steigern konnte. Die Wiener Städtische liegt mit einem geringfügigen Rückgang von 17,7 auf 17,5 Prozent auf Platz drei. (Bettina Pfluger, 21.5.2024)