Dank einer elastischen Naht werden Scrunch-Leggings nach oben gezogen.
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Sie liegen eng am Po an und wurden für Frauen entworfen. "Scrunch-Leggings" oder "Bum-Scrunch-Leggings" heißen die Teile, die aus den Fitnessstudios nicht mehr wegzudenken sind. Der Erfolg des Beinkleids liegt auf der Hand: Es betont und formt die weibliche Gesäßmuskulatur – dank einer elastischen Naht, die die Hose nach oben zieht.

Der weibliche Po soll schließlich so prall und rund wie ein Pfirsich-Emoji sein. Dass es so weit kam, ist eine längere Geschichte. Vor einem Jahrzehnt wollte Kim Kardashian mit ihrem Po das Internet sprengen. Der Reality-Star jonglierte auf dem Titel des Paper-Magazins auf ihrem Hintern ein Champagnerglas. Das war erst der Anfang. Kaum eine Silhouette wird in den sozialen Netzwerken seither so obsessiv inszeniert wie die Sanduhrfigur – und mit ihr der runde Po. Eine der präsentesten Posen im Netz ist das #Belfie, das "Butt-Selfie". Protagonistinnen dieser Umorientierung: Kim Kardahian, Nicki Minaj und unzählige Fitness-Influencerinnen, die sich zwischen Umkleidekabine und Hantelbank inszenieren.

Leggings werden auch auf der Straße getragen: Kim Kardashian mit Sohn Saint West nach dem Besuch des Fitnessstudios in Los Angeles.
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Die Scrunch-Leggings scheint die unkomplizierte Alternative zu sein zu Personal Trainer, Ernährungsplan und "Brazilian-Butt-Lift", der Po-Vergrößerung mit Eigenfett oder Implantaten: Auf Tiktok reißen sich die Nutzerinnen jedenfalls seit einigen Jahren um jene Hose, die den Po in eine bewegliche Skulptur verwandelt und darunter gerade mal für nahtlose Unterwäsche Platz lässt.

Eine, die die Gründe für den Erfolg der Scrunch-Legging kennen muss, ist Yeliz Toluay. Sie ist diplomierte Fitness- und Personal Trainerin in Wien. Seit zwölf Jahren trainiert sie, ihr erstes Modell hat sie vor drei Jahren gekauft. Den Po wachsen zu lassen sei im Krafttraining der Frauen ein wichtiges Thema, bestätigt sie, ihm gelte die größte Aufmerksamkeit. Wieso Toluay im Fitnessstudio am liebsten Scrunch-Leggings trägt? "Ich fühle mich in ihnen besser, sie betonen die Figur an den richtigen Stellen", erklärt die Fitnesstrainerin.

Die Tiktok-Hose

Nicht alle mögen Fan der hauteng sitzenden, im Po verschwindenden Hosen sein, doch der Erfolg des Kleidungsstückes ist nicht von der Hand zu weisen. Das Phänomen gehe Hand in Hand mit Social Media, bestätigt Toluay. Auf Tiktok und Instagram werden die Scrunch-Leggings gefeiert, so manche neue Fitnessmarke hat ihren Erfolg jener Sporthose zu verdanken. Während man sich früher in Sportgeschäften ausgestattet habe, trüge heute in der Fitnessszene kaum wer mehr traditionelle Marken wie Nike oder Adidas, beobachtet die Trainerin.

Insbesondere unter Frauen sind Produkte von Gymshark, Oace, Teveo oder Oner Active angesagt. Dabei handelt es sich um junge Unternehmen, die dank prominenter Fitness-Influencerinnen populär wurden. Amelie Schröpfer, Co-Gründerin des fränkischen Unternehmens Teveo, beschäftigt mittlerweile 75 Mitarbeitende, 2020 wurde Oner Active von drei Innsbruckern gegründet: Laut eigenen Angaben hat die Marke im vergangenen Jahr 130 Millionen Euro umgesetzt. Die Hersteller locken mit limitierten Kollektionen, die in Windeseile ausverkauft sind.

Doch wie sieht das Angebot bei den klassischen Sporthändlern aus? Nachfrage bei Hervis – die Filiale in Wien Mitte hat keine Scrunch-Leggings im Programm. Danach werde kaum gefragt, heißt es hier. Ein wenig klingt der Verkäufer, als habe er noch nie von dem Kleidungsstück gehört.

Wenn es nach den Userinnen der Plattform Tiktok und Unternehmerin Jordyn Woods geht, sind die "Scrunch-Butt-Gym-Leggings" des Herstellers Riojoy (für 25 Euro auf Amazon erhältlich) besonders gut. Doch die Meinungen gehen auseinander. Die Wiener Fitnesstrainerin Yeliz Toluay vertraut auf das Innsbrucker Label Oner Active: "Der Stoff ist nicht zu fest und nicht zu locker." Die Trainerin wird wissen, wovon sie spricht. Sie trainiert täglich im Studio. (Anne Feldkamp, 21.5.2024)