Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will eine politische Antwort auf den Konflikt finden.
AFP/LUDOVIC MARIN

Nouméa – Nach tagelangen Unruhen in Neukaledonien will Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Dienstagabend in das französische Überseegebiet im Pazifik reisen. Er wolle dort ein Gremium für den Dialog einrichten, um eine politische Antwort auf den Konflikt zu finden, teilte Regierungssprecherin Prisca Thevenot in Paris mit.

Am Dienstag ist das erste Flugzeug für die Evakuierung von Touristen in der Hauptstadt Nouméa gelandet. Eine Hercules-Transportmaschine der australischen Armee stand auf dem Inlandsflughafen Magenta bereit, wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Es seien zunächst zwei Flüge geplant, schrieb die australische Außenministerin Penny Wong in Onlinenetzwerken.

Schrittweise "Rückkehr zur Ruhe"

Der Vertreter der französischen Regierung in Neukaledonien, Louis Le Franc, erklärte, die schrittweise "Rückkehr zur Ruhe" setze sich fort. Zugleich kündigte er an, in den kommenden Stunden zusätzliche Einsatzkräfte zu mobilisieren, um die anhaltende Gewalt einzudämmen.

Die gestrandeten Touristen sollen mit Militärflugzeugen aus dem Gebiet geflogen werden.
IMAGO/MMIIAS/ABACA

Die Straße zum internationalen Flughafen La Tontouta nahe der Hauptstadt Nouméa wird seit Tagen von Unabhängigkeitsbefürwortern blockiert. Dutzende Straßensperren, die Sicherheitskräfte am Sonntag freigeräumt hatten, wurden später größtenteils wieder aufgebaut. Kommerzielle Flüge von und nach Neukaledonien sind derzeit ausgesetzt. Der Flughafen La Tontouta soll bis mindestens Donnerstagmorgen für den kommerziellen Flugverkehr geschlossen bleiben, wie der Betreiber ankündigte.

Frankreich hatte hunderte Sicherheitskräfte nach Neukaledonien entsandt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. 270 Menschen wurden nach Behördenangaben bisher festgenommen. Auch Neuseeland schickte ein Militärflugzeug nach Neukaledonien, um in einem ersten Schritt 50 Touristen auszufliegen. "In Zusammenarbeit mit Frankreich und Australien arbeiten wir an weiteren Flügen in den kommenden Tagen", erklärte der neuseeländische Außenminister Winston Peters.

Änderung des Wahlrechts als Auslöser

Die Unruhen in dem Überseegebiet, bei denen bereits sechs Menschen getötet und hunderte weitere verletzt wurden, halten seit gut einer Woche an. Auslöser der Ausschreitungen ist eine von der französischen Regierung vorangetriebene Änderung des Wahlrechts, durch die nach Ansicht von Unabhängigkeitsbefürwortern der Einfluss der ursprünglichen Bevölkerung zurückgedrängt würde.

Frankreich entsandte hunderte Sicherheitskräfte nach Neukaledonien, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. 270 Menschen wurden nach Behördenangaben bisher festgenommen. (APA, 21.5.2024)