Im Juli 2023 hat ein 70-Jähriger in Eberndorf (Bezirk Völkermarkt) seine stark alkoholisierte und wehrlose Ex-Frau getötet.
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Klagenfurt – Weil er seine Lebensgefährtin mit 17 Messerstichen getötet hat, ist am Dienstag ein 70-jähriger Niederländer am Landesgericht Klagenfurt zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Geschworenen beantworteten die Hauptfrage, ob es sich bei der Tat um einen Mord gehandelt hatte, einstimmig mit Ja. Der Mann wird außerdem in ein forensisch-therapeutisches Zentrum eingewiesen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Staatsanwältin Daniela Zupanc, die schon zuvor eine lebenslange Haftstrafe gefordert hatte, hatte in ihrem Anklagevortrag von einer "bestialischen, nicht in Worte zu fassenden Tat" gesprochen.

Die Tat hatte sich im vergangenen Juli in einem Haus in Eberndorf (Bezirk Völkermarkt) ereignet. Der Mann hatte mit seiner Ex-Frau, mit der er wieder in einer Beziehung lebte, Alkohol getrunken und sie anschließend in einem wehrlosen Zustand – die Frau hatte 2,96 Promille – getötet. Dabei habe er laut dem gerichtspsychiatrischen Sachverständigen eine "schwerwiegende sexuelle Störung mit hochgradig sadistischen Ausprägungen" gezeigt. Nach der Tat schickte der nunmehr 70-Jährige ein Foto von der Leiche an eine der gemeinsamen Töchter des Paares. Auf dem Handy des Mannes wurden tausende Gewaltvideos gefunden – sogenannte Snuff-Filme –, in denen dargestellt wurde, wie Frauen vergewaltigt, gefoltert und hingerichtet werden. Nach der Tat hatte der Mann einen Verkehrsunfall verursacht und sich so heftig gegen Rettungskräfte und Polizei gewehrt, dass er festgenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand von der zuvor begangenen Tat.

Mann bekannte sich schuldig

Der Mann bekannte sich zu Prozessbeginn schuldig, wollte sich aber nicht groß zur Tat äußern. Er habe keine Erinnerungen mehr daran, gab er an: "Es wurde alles beschrieben, ich brauche nichts mehr zu sagen. Mir ist alles wurscht." Er bestreite nicht, dass er die Frau töten wollte, sagte der Mann auf Nachfrage von Richter Christian Liebhauser-Karl, der dem Schwurgericht vorsaß. "Haben Sie eine perverse sexuelle Neigung?", fragte der Richter. "Nein", antwortete der Angeklagte. "Warum schauen Sie sich dann tausende solcher Videos an?", wollte Liebhauser-Karl wissen, was zu einem Emotionsausbruch des Angeklagten führte: "Nimm deine Spezialisten, die wissen eh alles viel besser als ich!"

"Sadistische Inszenierung"

Der gerichtspsychiatrische Sachverständige, Peter Hofmann, fand in seinem Gutachten klare Worte: "Das war nicht einfach nur eine Tötungshandlung, sondern geht weit darüber hinaus, wir haben hier eine sadistische Inszenierung." Die Tatausführung hatte Ähnlichkeiten mit den Videos, die der 70-Jährige konsumiert hatte. Nicht das Töten an sich, sondern der Weg dahin sei im Vordergrund gestanden: "Der Tod war nur der Abschluss von Handlungen, die sadistisch geprägt waren."

Die Prognose falle schlecht aus, denn therapeutisch seien Personen wie der Angeklagte "schwer erreichbar". Hofmann sprach von einer "schwerwiegenden und nachhaltigen psychischen Störung". Wenn die Frage nach einer Rückfallgefahr gestellt werde, so sei das zu bejahen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werde der Angeklagte ohne Behandlung in absehbarer Zeit wieder schwere Straftaten begehen. "Hier wurde nicht einmal Dampf abgelassen, sondern eine tiefverwurzelte, schwere Perversion hat ihre Erfüllung gefunden. Das ist etwas, das wollen die Täter wieder erleben." (APA, red, 21.5.2024)