Die Suchmaschine Yandex steht für ihre Nähe zum Kreml in Kritik.
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Während Google die populärste Suchmaschine der Welt ist, dominiert in Russland seit 1997 ein eigenes Pendant namens Yandex. Sein Gründer, Arkadi Wolosch, gehörte zwar zu den wenigen öffentlichen Kritikern des Angriffskriegs gegen die Ukraine, doch seit er im Zuge einer erzwungenen Aufspaltung seines Unternehmens einen Großteil der Kontrolle abgeben musste, wurde die Plattform immer mehr zum Propagandainstrument des Kreml. Die nun unter dem ehemaligen russischen Finanzminister geführte Seite zensiert nachgewiesen Suchergebnisse, desinformiert und gewährt dem russischen Geheimdienst FSB Zugriff auf die verschlüsselte Kommunikation von Nutzerinnen und Nutzern.

Werbepartnerschaft mit zahlreichen deutschen Medien 

Nichtsdestotrotz zeigte nun eine Recherche von Netzpolitik.org, der Schweizer Journalistin Adrienne Fichter und dnip.ch, dass das Unternehmen nach wie vor bei zahlreichen deutschen Medien als direkter Werbepartner oder als Reseller aufgelistet war. Letztere vermarkten als Dienstleister Werbeflächen auf einer Website, haben aber nicht nur auf diese Zugriff, sondern theoretisch auch auf die Daten von Nutzerinnen und Nutzern. Unter den Websites, die der Experte für Onlinewerbebetrug Michael Maurantonio ausfindig gemacht hat, finden sich reichweitenstarke Medien wie der zu Springer gehörende Business Insider, der Stern oder RTL, und sie entstammen dem gesamten politischen Spektrum.

"Keine Daten übermittelt"

Laut Nachfragen von Netzpolitik.org verwiesen mehrere Medien auf einen Fehler vonseiten der Dienstleister, die für die Vermarktung der Werbeflächen sorgen würden. Dieser sei allerdings in der Zwischenzeit behoben worden. Eine Sprecherin des Axel-Springer-Verlags sprach davon, dass selbstverständlich "strikte Kriterien beim Zugriff auf Werbeflächen eingehalten werden müssen" und "dass zu keinem Zeitpunkt Werbeinventar durch Yandex vermarktet oder Daten übermittelt" wurden. Auf die Frage, weswegen Yandex dann 2024 nach wie vor als Vermarktungspartner aufgeführt sei, gab es keine Antwort. Auch andere Sprecher verwiesen auf Zwischeninstanzen oder eine versäumte Aktualisierung der Listung ihrer Werbepartner nach dem Einstellen ihrer Zusammenarbeit nach Kriegsbeginn.

Kritischer Blick in die Zukunft

Der Prozess der Desintegration von Yandex ist nicht allein vom Westen ausgegangen. Der Ad-Tech-Experte Zech Edwards berichtet auf Netzpolitik.org, dass Yandex selbst seine Partnerlisten in den letzten Jahren bereinigt und nach dem Verkauf an russische Interessen angepasst hätte. Dass momentan keine Daten und Profite nach Russland flössen, läge hauptsächlich an den Listenkürzungen aufseiten von Yandex, die von tausenden Publishern auf 177 gekürzt wurde. Edwards warnt jedoch: “Zu irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft, wenn Yandex die Account-IDs der ehemaligen Partner wieder in ihre Datei hinzufügt, ist es wahrscheinlich, dass einige der früheren Ad-Tech-Ströme wieder angeschaltet werden. Yandex würde dann beginnen, Daten und Geld von den gleichen Websites zu erhalten. Er fordert deshalb von Publishern klar, nicht mehr gültige Account-IDs eines nicht vertrauenswürdigen Unternehmens wie Yandex aus ihren Datensätzen zu entfernen. (hlk, 21.5.2024)