Trauriges Ende nach einer ausgezeichneten WM für Österreichs Team.
AP/Petr David Josek

Prag – Österreichs Eishockeyteam hat das letzte Gruppenspiel bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Prag verloren und damit auch die Chance auf den Aufstieg ins Viertelfinale verspielt. Die ÖEHV-Auswahl musste sich am Dienstag Großbritannien mit 2:4 (0:0,1:1,1:3) geschlagen geben und bleibt damit in der Tabelle hinter Finnland zurück. Mit sieben Punkten beendet Österreich das Turnier aber auf Rang zehn und damit zum ersten Mal seit 21 Jahren in den Top Ten.

"Wir haben heute nicht unser bestes Eishockey gespielt. Vermutlich eine Nervensache. Die Mannschaft hat gewusst, dass sie eine unerwartete, exzellente Chance hat, die wahrscheinlich nicht jedes Jahr kommt", sagte Teamchef Roger Bader.

Auch wenn der Abschluss so wie der Auftakt (1:5 gegen Dänemark) komplett danebenging, so ist das Turnier mit dem frühzeitigen und dritten Klassenerhalt en suite, der knapp verpassten Überraschung gegen die Schweiz (5:6), den Sensationen gegen Kanada (von 1:6 auf 6:6 und 6:7 nach Verlängerung) und Finnland (3:2), sowie dem 4:1-Sieg über Norwegen als großer Erfolg zu werten. Österreich ist damit auch bei der WM 2025 von 9. bis 25. Mai in Schweden (Stockholm) und Dänemark (Herning) dabei.

"Nerven gezeigt"

"Wir müssen schon wissen, was Österreich bei dieser Weltmeisterschaft geleistet hat, das ist nicht normal. Wir haben eine Euphorie ausgelöst. Da wird das letzte Spiel, dass man uns verzeiht, dass wir Nerven gezeigt haben, nichts an der Einschätzung ändern", hob Bader die tollen Leistungen hervor. "Natürlich kann man sehr positiv zurückblicken. Bei dem Turnier haben wir Sachen erreicht, die man sich vorher nicht erträumen konnte. Ein Spiel wird es nicht zerstören", sagte Thomas Raffl.

Der Kapitän, der gegen Norwegen mit Rückenproblemen pausiert hatte, stand wieder zur Verfügung, im Tor setzte Teamchef Roger Bader neuerlich auf David Kickert. Doch mit der historischen Chance vor Augen enttäuschten die Österreicher und konnten trotz Führung nicht die drei nötigen Punkte einfahren, die für einen Viertelfinaleinzug neben einem Sieg nach regulärer Spielzeit der Schweizer am Abend gegen Finnland Voraussetzung gewesen wären. Nach einem torlosen ersten Drittel sorgte Verteidiger Clemens Unterweger in Überzahl für ein zu diesem Zeitpunkt verdientes 1:0 (23.).

Der Vorsprung hielt aber nicht lange. Die seit dem Vortag als Absteiger feststehenden Briten drehten vor 16.306 Zuschauerinnen und Zuschauern im Powerplay das Spiel. Ben O'Connor traf in doppelter Überzahl (28.). "Diese zwei Strafen, da hat es begonnen. Sie haben ein Tor geschossen und wir wollten es vielleicht mit der Brechstange zurückholen. Wir haben Lücken aufgemacht, sie haben das ausgenutzt", sagte Raffl.

Brett Perlini brachte die Briten später neuerlich in Überzahl in Führung (42.). Zu diesem Zeitpunkt war ihr Vorsprung bereits verdient. Bei einem Lattenschuss (45.) hatten die Österreicher noch Glück, ehe Evan Mosey (51.) den dritten britischen Treffer nachlegte.

Brett Perlini netzt zum zwischenzeitlichen 2:1 für Großbritannien.
Die Briten fanden immer wieder freie Schussbahnen vor, so wie hier Brett Perlini (li) beim Tor zum 2:1.
EPA/MARTIN DIVISEK

Schon über viereinhalb Minuten vor Schluss nahm Bader Kickert vom Eis, brachte einen sechsten Feldspieler und setzte auf volles Risiko. Die Briten beendeten aber nur sechs Sekunden später mit einem Schuss von Robert Dowd ins leere Tor (56.) die letzten Hoffnungen. Mario Huber holte im Powerplay noch einen Treffer auf und fixierte den Endstand (60.).

"Im ersten Moment ist es bitter. Wenn es etwas Positives hat, dann dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Dass es auch nächstes Jahr zuerst darum geht, den Klassenerhalt zu sichern, bevor wir von anderen Dingen träumen", sagte Bader.

Damit steht Olympiasieger Finnland wieder im Viertelfinale und trifft am Donnerstag in Ostrava auf Schweden. Österreich hat den erstmaligen Viertelfinaleinzug seit 1994 verpasst. Damals hatte das ÖEHV-Team in Bozen nach einem 2:2 gegen Deutschland und einem 10:0 gegen Großbritannien auf Grund der besseren Tordifferenz im Vergleich zu den punktegleichen Deutschen sensationell die K.o.-Runde erreicht, war dann aber mit 0:10 gegen Finnland ausgeschieden.

"Im Moment sind wir enttäuscht, weil es eine brutale Chance war für uns. Wir hätten heute gerne am Abend Schweiz gegen Finnland angeschaut, was da passiert wäre", sagte Unterweger. (APA, honz, 21.5.2024)

Ergebnis der Eishockey-WM in Tschechien am Dienstag:

Österreich - Großbritannien 2:4 (0:0,1:1,1:3). Prag, 16.306.

Tore: Unterweger (23./PP), M. Huber (60./PP) bzw. O'Connor (28/PP2), Perlini (42./PP), Mosey (51.), Dowd (56./EN).

Strafminuten: 8 bzw. 10.

Österreich: Kickert - Nickl, Heinrich; Wolf, Unterweger; Strong, Maier; Brunner, Stapelfeldt - M. Huber, Nissner, T. Raffl; Schneider, Rossi, Zwerger; Ganahl, Baumgartner, Haudum; Rohrer, Wukovits, P. Huber

Großbritannien: Bowns - Halbert, Jones; O'Connor, Phillips; Batch, Richardson; Tetlow - Neilson, Perlini, Dowd; Mosey, Lake, Betteridge; Norris, Lachowicz, Curran; Shudra, Davies, Duggan

Ergebnisse vom Dienstag:
Frankreich - Deutschland 3:6 (1:1,2:3,0:2)