Das muss Österreichs Landwirtschaft erst einmal verdauen. Die Bundesbeschaffung zeichnet Lebensmittel für öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser, Mensen, Kantinen, Kasernen und Justizanstalten als nachhaltig aus, die es schlichtweg nicht sind. Weil nicht kontrolliert wird, ob Produkte tatsächlich bio oder regional, mit höherem Tierwohl oder gentechnikfreier Fütterung verbunden sind. Und weil es vielen Ministerien bisher offenbar wurscht war.

Die dringend nötige Ökologisierung der Landwirtschaft wird Konsumenten an der Supermarktkasse aufgebürdet.
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Der Hebel, den die öffentliche Hand beim Einkauf von Lebensmitteln hat, ist enorm. Bund und Länder lassen sich diese in der Gemeinschaftsverpflegung jährlich hunderte Millionen Euro kosten. Ob die Hendln dafür aus Polen oder Österreich kommen und Milchprodukte biologischen oder konventionellen Ursprungs sind, hat für Bauern existenzielle Bedeutung.

Gebetsmühlenartig beteuern Politiker die Vorbildwirkung des Bundes: 100 Prozent regional soll seine Beschaffung sein. Nie zuvor sei die Versorgung mit nachhaltigen Lebensmitteln aus dem eigenen Land stärker im Fokus gestanden.

Worthülsen und Papiertiger

Es bleibt bei Worthülsen und Papiertigern. 25 Prozent der Lebensmittel für Institutionen des Bundes sollten 2023 biologisch gewesen sein. Faktisch sind es weniger als fünf Prozent. Die dringend nötige Ökologisierung der Landwirtschaft wird lieber Konsumenten an der Supermarktkasse aufgebürdet.

Die Bundesbeschaffung übt sich in Verschleierung und schiebt die Verantwortung von sich, statt aufzuzeigen, woran es sich spießt. Licht ins Dunkel brachte das Justizministerium – nicht das Landwirtschaftsministerium, dessen ureigenstes Interesse es sein sollte, Bauern zu stärken.

Diese werden mit Brosamen wie klimafeindlichen Subventionen für Agrardiesel bedient, statt sie durch regionale und mehr biologische öffentliche Beschaffung zu stärken. Aufgelegte Chancen wurden nachhaltig vergeben. (Verena Kainrath, 22.5.2024)