Menschen im Dirndl und Tracht vor Wahllokal.
Eine Stimme für eine Partei, die den Einzug ins Parlament verpasst, gilt für viele Wählerinnen und Wähler als verschenkt.
APA / Barbara Gindl

Pro: Keine Stimmen verschenken

Vielen ist es schon so ergangen: Bei einer Wahl gab man einer bestimmten Partei seine Stimme, diese hatte jedoch keine Relevanz, da die gewählte Partei den Einzug ins Parlament verpasste. Die Stimme ist quasi verschenkt – auf die Regierungsbildung und auf die Sitze im Parlament hat man keinen Einfluss genommen.

Dann aber zu sagen, dass Wählen gar keinen Sinn mehr mache, wäre falsch. Vielmehr sollte man versuchen, auf Parteien zurückzugreifen, die auch eine realistische Chance darauf haben, die Politik aktiv mitzugestalten. Wahrscheinlich kann jeder unter den aktuellen Parlamentsparteien eine finden, mit deren Programm man zumindest in ein paar Punkten persönlich einverstanden ist.

Die strategisch überlegte Stimmabgabe wird nicht nur für ein besseres Gefühl nach der Wahl sorgen, wenn die eigene Stimme von relevanter Bedeutung ist. Mit der taktischen Wahl nimmt man auch direkten Einfluss auf das Rennen um Platz eins und somit auch auf die mächtigsten Ämter dieses Landes. (Max Stepan, 24.5.2024)

Kontra: Taktieren hat seine Tücken

Natürlich ist es verlockend, der eigenen Stimme durch strategische Überlegungen mehr Schlagkraft zu verleihen. Das Rennen um Platz eins mitzuentscheiden, scheint auf den ersten Blick viel wichtiger, als eine kleinere Partei zu stärken, die dann womöglich in der Opposition landet.

Doch das Taktieren in der Wahlkabine hat seine Tücken. Wer strategisch wählt, geht eine Wette ein, die nicht aufgehen muss. Wie die restlichen Wählerinnen und Wähler abstimmen, lässt sich im Vorfeld grob vermuten – aber Umfragen können falsch liegen, und oft haben Nuancen im Wahlergebnis große Auswirkungen.

Die sicherste Bank bei einer Wahl ist es immer noch, das Kreuz bei jener Partei zu machen, die die eigenen Überzeugungen am glaubwürdigsten vertritt. Denn letztlich wählen wir bei Europa- und Nationalratswahlen ein Parlament, das genau das sicherstellen soll: dass die politischen Ideen der Bevölkerung in der Gesetzgebung repräsentiert sind. Wer seine Entscheidung an dieser Idee ausrichtet, erlebt am Wahlabend keine bösen Überraschungen. (Sebastian Fellner, 24.5.2024)