Der bei Skitourengehern und Skitourengeherinnen beliebten Südwiener Hütte droht das Aus.
Stefanie Ruep

Die alpinen Schutzhütten in Österreich erfüllen eine wichtige Funktion. Sie bieten in unbebautem Gebiet und in teilweise hohen Lagen Schutz vor Unwettern. Zudem sind sie Übernachtungsmöglichkeit und Stützpunkt für Menschen, die wandern, bergsteigen oder Ski fahren. Doch 272 hochalpine Schutzhütten und 50.000 Kilometer an Wanderwegen würden sich in einer akuten Notlage befinden, warnt der Verband Alpiner Vereine Österreichs (VAVÖ).

Einige Schutzhütten in Österreich sind über 100 Jahre alt. Sie müssen dringend generalsaniert werden. Bei anderen erschwert die anhaltende Trockenheit die Erhaltung, und der auftauende Permafrost zerstört etliche Wege. Sie drohen aufgrund der immer häufiger auftretenden Extremwetterereignissen infolge der Klimakrise buchstäblich wegzubröckeln. Das bringt die Hütten- und Wegeerhalter in finanzielle Not. Der Alpenverein, die Naturfreunde und der Österreichische Touristenklub richten sich daher mit einem "Notruf aus den Alpen" an die Bundesregierung. Es brauche ein finanzielles Rettungspaket in Höhe von 95 Millionen Euro, um Schutzhütten und Wanderwege auf dem Berg weiterhin zu bewahren.

Österreichisches "Identitätsmerkmal"

Die alpinen Vereine selbst können die zusätzliche finanzielle Belastung alleine nicht mehr stemmen. Drei bis vier Hütten pro Jahr können im Durchschnitt nicht mehr weitergeführt werden. Auch einzelne Wege werden gesperrt oder aufgelassen. Die alpine Infrastruktur droht damit zu schrumpfen.

"Alpine Hütten und Wege erfüllen nicht nur eine Schutzfunktion, sie sind ein Identitätsmerkmal Österreichs und spielen eine wichtige Rolle in der regionalen Wertschöpfung", betont der VAVÖ-Präsident, Gerald Dunkel-Schwarzenberger. Sollten sie verlorengehen, "wäre dies nicht nur für alle Erholungssuchenden am Berg eine Katastrophe, sondern auch für den Tourismus", sagt der Präsident. Hütten und Wege würden zudem eine wichtige Funktion für die Besucherlenkung auf den Bergen erfüllen. Die Fördermittel für alpine Vereine würden jedoch weniger als 18 Prozent der laufenden Instandhaltungskosten für Hütten abdecken. Seit der letzten Anpassung der Fördermittel des Bundesministeriums für Arbeit und Wirtschaft (BMAW) im Jahr 2013 sind die Baukosten im Tal um 42 Prozent gestiegen, im Hochgebirge stellt sich das noch dramatischer dar.

Wegen der begrenzten Mittel der Vereine haben sich größere Sanierungs- und Ersatzbauprojekte über Jahre hinweg angestaut. Die Bewirtschaftungszeiten der Hütten sind kurz und die Bedingungen erschwert. Nahezu keine Hütte kann die Instandhaltungskosten aus dem laufenden Hüttenbetrieb finanzieren. Die Vereine seien daher auf die Mitgliedsbeiträge, Spenden und Zuschüsse der öffentlichen Hand angewiesen, um die Infrastruktur überhaupt aufrechterhalten zu können – auch wenn es viele Freiwillige gibt, die sich in der Wegeerhaltung engagieren.

Keine Zufahrt seit Bergsturz

Eine Hütte, deren Bewirtschaftung von Extremwetterereignissen bedroht ist, ist die Franz-Senn-Hütte im hinteren Oberbergtal bei Neustift im Stubai. 2021 zerstörte ein Bergsturz die Zufahrtsstraße, im Jahr darauf setzten Vermurungen noch eins drauf. Die massiven Unwetterschäden haben die Zufahrt unmöglich gemacht. Seit drei Jahren gibt es nur einen provisorischen Notweg. Nun soll das Land mit den zuständigen Grundeigentümern eine Lösung gefunden haben. Wohl eine Rettung in letzter Minute, der Hüttenwirt hatte bereits gedroht, die Hütte im Sommer geschlossen zu halten.

Weniger Hoffnung gibt es für die Südwiener Hütte in den Radstädter Tauern. Statt das 100-Jahr-Jubiläum der Hütte zu feiern, wird das Pächterpaar die Hütte nur noch bis zum Ende der Sommersaison führen. Die Schutzhütte auf rund 1800 Meter Seehöhe muss laut Behördenauflage von Grund auf saniert beziehungsweise neu gebaut werden. Neubaupläne lagen schon vor, doch letztlich seien die Baurechtszinsforderungen der Grundbesitzer für den Alpenverein zu hoch gewesen, wie der STANDARD berichtete. Ein Ersatzbau würde bis zu vier Millionen Euro kosten, beziffert der Alpenverein. Im Fall der Werfener Hütte im Tennengebirge ist ebenfalls ein Abriss und Neubau notwendig.

Am Statzerhaus auf 2117 Meter Höhe in den Salzburger Schieferalpen ist die Bewirtschaftung ebenso gefährdet. Die Hütte war von einer Hangrutschung betroffen. Die Stabilisierung des Hangs wird rund 120.000 Euro kosten. Die 1891 eröffnete Schutzhütte des Österreichischen Touristenklubs ist jedenfalls abbruchreif.

Die Neue Prager Hütte kämpft mit der Wasserknappheit.
DAV / Jens Klatt

Andere Hütten in zum Teil extremen Lagen haben mit der zunehmenden Wasserknappheit zu kämpfen. So saß etwa die Neue Prager Hütte, die vom Deutschen Alpenverein betrieben wird, in den vergangenen Jahren bereits sehr früh im Sommer auf dem Trockenen. 2022 entschied man sich, die Hütte ohne Wasser zu schließen. Auch die Wangenitzseehütte musste wegen des fehlenden Wassers bereits früher schließen. Die höchstgelegene Schutzhütte der Schobergruppe liegt zwar an den Ufern zweier Bergseen, die auch Wasser führen. Das Trinkwasser kam allerdings von zwei kleinen Bächen, die nun zum Teil schon versiegt sind.

906.000 Menschen in Österreich sind Mitglied eines der drei großen österreichischen Alpinvereine. Sie sollen mobilisiert werden, die Petition "Notruf aus den Alpen" zu unterzeichnen. Dafür setzt der Verband auch auf eine breit angelegte Informationskampagne. (Stefanie Ruep, 29.5.2024)