Ein Screen zeigt die Kursentwicklung eines Index.
Die OMV zahlt heuer die höchste Dividende. In Summe schütten die ATX-Unternehmen 6,5 Milliarden Euro aus.
APA/dpa/Arne Dedert

Wer Aktien besitzt, bekommt oft auch eine Dividende – also eine Art Bonus. Die Dividende orientiert sich am Gewinn des Unternehmens und wird von der Hauptversammlung beschlossen. Noch liegen nicht alle Jahresabschlüsse der 20 im Wiener Leitindex ATX gelisteten Unternehmen vor. Doch die Arbeiterkammer hat jene Zahlen, die schon am Tisch liegen, in den alljährlichen "Dividenden-Report" gepackt. Und es zeigt sich: Auch 2023 war ein Spitzenjahr für Dividenden.

Viel verdient, hohe Zahlung

Konkret lag das kumulierte, den Aktionären zurechenbare Ergebnis der 17 analysierten ATX-Konzerne bei 11,9 Milliarden Euro und damit zwar um 18,8 Prozent unter dem Rekordjahr 2022, aber um 16,4 Prozent über den Gewinnen der 17 untersuchten Unternehmen von 2021, und in Summe bereits über dem Niveau der Gesamtgewinne des Jahres 2021. Es handelt sich damit um das zweitbeste Jahr in der Geschichte des ATX.

Die höchsten Gewinne erwirtschafteten die Erste Group, Raiffeisen Bank International (RBI) und der Verbund. Die Erste Group konnte ihr den Aktionären zurechenbares Ergebnis um 38,5 Prozent auf drei Milliarden Euro (2022: 2,2 Mrd. Euro) steigern und kann damit ein neues Rekordergebnis abliefern. Die RBI erwirtschaftete 2,4 Mrd. Euro – das Rekordergebnis von 2022 (3,6 Mrd. Euro) konnte damit nicht gehalten werden. Das den Aktionären zurechenbare Ergebnis beim Verbund stieg um 32 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro (2022: 1,7 Mrd. Euro.).

Neuer Rekord

Bereits in den Jahren 2021 und 2022 schütteten alle 20 ATX Unternehmen Rekorddividenden von jeweils rund 3,7 Mrd. Euro aus. 2023 erfolgte ein rasanter Anstieg um 63 Prozent auf rund 6,1 Mrd. Euro. Wie die ersten Zahlen für 2024 zeigen, werden diese Rekorddividenden heuer nochmals deutlich übertroffen und liegen bei den 17 untersuchten ATX-Konzernen bereits schon jetzt bei 6,4 Milliarden Euro und werden daher insgesamt bei über 6,5 Mrd. Euro zum Liegen kommen – wenn jene Unternehmen dazugerechnet sind, die in der Analyse noch nicht enthalten sind.

Von den 17 Unternehmen planen, trotz weiterhin angespannter wirtschaftlicher Lage, nur zwei Unternehmen keine Dividenden zu bezahlen – Lenzing und die Immofinanz. Lenzing, führender Anbieter von Spezialfasern für die Textil- und Vliesstoffindustrie, war im Geschäftsjahr 2023 von den Entwicklungen an den globalen Energie- und Rohstoffmärkten betroffen. Aufgrund des erwirtschafteten Verlustes wird Lenzing das zweite Jahr in Folge keine Dividende ausschütten. Auch das Verlustunternehmen Immofinanz wird keine Dividende auszahlen.

OMV führt Ranking an

An der Spitze mit einer Rekordausschüttung von 1,7 Mrd. Euro steht die OMV, gefolgt vom Verbund mit 1,4 Mrd. Euro. Platz drei in diesem Ranking geht an die Erste Group – ebenfalls mit einer Rekorddividende von 1,1 Mrd. Euro.

Die durchschnittliche Ausschüttungsquote der 17 ATX Unternehmen liegt mit 50,0 Prozent deutlich über dem Niveau des Vorjahres (2022/23: 39,0 Prozent für 17 ATX-Konzerne, 37,9 Prozent bezogen auf alle 20 ATX-Werte). "In der Gesamtbetrachtung erscheint eine Ausschüttung von rund der Hälfte des Ergebnisses, angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage mit den bestehenden Unsicherheiten, als zu hoch", sagt Markus Oberrauter, Experte der Abteilung Betriebswirtschaft der Arbeiterkammer Wien. Dass die Ausschüttungen noch immer so hoch sind, sei erstaunlich, sagt der AK-Experte.

Die Daten zeigen, dass vor allem die Energieunternehmen OMV und Verbund sehr gut verdient haben und hohe Ausschüttungen vornehmen. "Hier stellt sich schon die Frage, ob man die Kunden nicht durch Förderungen oder Preisdämpfungen massiv hätte entlasten können bzw. müssen", sagt Oberrauter. Das Gleiche gelte für die Banken. "Während einige Institute Milliardengewinne eingefahren haben, leiden viele Kunden unter der enormen Zinslast", so der AK-Experte.

In die Analyse eingeflossen sind die Zahlen von Andritz, Bawag, CA Immo, EVN, Erste Group, Immofinanz, Lenzing, Mayr-Melnhof, OMV, Post, RBI, Schoeller-Bleckmann Oilfield, Telekom Austria, Uniqa, Verbund, Vienna Insurance Group und Wienerberger. Für Voestalpine, AT&S und Do&Co lagen mit Bilanzstichtag 31. März 2024 noch keine Jahresabschlüsse vor. (Bettina Pfluger, 27.5.2024)