Bei Vienna Shorts ist Yann Gonzalez Artist in Residence, man sieht auch seinen Film "Land of My Dreams", in dem geraucht werden darf.
Land of my Dreams (Yann Gonzalez)

Die Stars von morgen gibt's in Wien schon heute. Mo Harawe holte sich vor zwei Jahren den Preis für den besten österreichischen Kurzfilm beim Vienna Shorts Festival. Heuer spazierte er in Cannes über den roten Teppich. Auch die Kurzfilmer der diesjährigen Ausgabe, die Dienstagabend im Gartenbaukino eröffnet wird, finden sich womöglich in ein paar Jahren auf dem Walk of Fame. Dazwischen liegt die Sehnsucht, und die ist das Motto der Festivalausgabe 2024. Inmitten der multiplen Dauerkrise zelebriert Vienna Shorts mit seinem bunten Kurzfilmkino die Imagination einer besseren Zukunft und fragt: "Wo kann uns die Sehn­sucht hin­brin­gen – als Ein­zel­per­son genau­so wie als Gesell­schaft?"

Für die filmische Sehnsucht stehen nicht nur Kurzfilmklassiker wie Krzysztof Kieślowskis Talking Heads, sondern auch Tribute-Gast und Artist in Resi­dence Yann Gonzalez aus Frankreich. Er hat auch den diesjährigen Festivaltrailer und ein Plakatmotiv beigesteuert. "In sei­nen Fil­men ver­schwimmt das Sehn­süch­ti­ge mit dem Obsku­ren, das Emo­tio­na­le mit dem Bru­ta­len, das Traum­haf­te mit dem Rät­sel­haf­ten", schreibt das Leitungsduo Doris Bauer und Daniel Hadenius-Ebner.

Auch Aktuelles dabei

Weitere Tributes sind der mul­ti­dis­zi­pli­nä­ren Kunstfilmerin Jyoti Mistry aus Südafrika und dem israelischen Arthouse-Chronisten Amos Gitai gewidmet, deren Werk in Kooperation auch im Wiener Filmmuseum gezeigt wird. Sie widmen sich in ihrem Schaffen der Dekolonialisierung der Filmbilder bzw. dem Auf­ruf zum Dia­log im Kontext des Nahostkonflikts.

Um die kurzen Werke etablierter Filmschaffender herum baut das Festival ein vielfältiges Programm aktueller Kurzfilme, international und aus Österreich. Anders als die chaotische Viennale bietet das Wettbewerbsprogramm der Vienna Shorts dabei eine gute Orientierung zwischen Fiction und Documentary, Animation und Avantgarde, dem Austro-Wettbewerb und einer Musikvideo-Competition sowie Festival-Favoriten und Specials außer Konkurrenz.

Die kuratierten Kurzfilmprogramme geben mit verführerischen Titeln einen Vorgeschmack: Verlorene Verbundenheit, Stürmische Herzen, Echos der Autorität oder Treibendes Eis. Tatsächlich realisiert wird die Sehnsucht dann in den Vienna-Shorts-Late-Night-Programmen Kinky Kino, Très Chic, Into the Groove und Nightmares.

Echte Bäumchen als Trophäen

Und noch eine Sehnsucht der Wienerinnen und Wiener wird von Vienna Shorts gestillt: die nach mehr Grün in der Stadt. Denn auch heuer verleiht das Festival, neben Geldpreisen und der begehrten Qualifizierung für die Kurzfilm-Oscars, wieder echte Bäumchen als Trophäen. Die grünen Preise schlagen in Wien Wurzeln und sind so unterschiedlich wie die Preisträgerfilme: Gemeine Rosskastanie, Südlicher Zürgelbaum, Scharlach-Eiche oder Säulenrotbuche. Eine Plakette mit QR-Code macht die Filme an Ort und Stelle zugänglich. Die zehn filmischen Bäume der Vorjahresgewinner blühen bereits. (Marian Wilhelm, 28.5.2024)