Tel al-Sultan im Süden des Gazastreifens: Wo jetzt Asche dampft, lebten einmal Menschen. Es sind Familien, die schon mehrmals aus ihren Häusern vertrieben worden sind. Immer sagte man ihnen: Geht anderswo hin, hier seid ihr nicht mehr sicher. Bis sie feststellen mussten, dass sie auch dort, wo sie ankamen, um ihr Leben und das ihrer Kinder fürchten mussten.

Die Bilder, die aus Rafah dringen, müssen jeden Menschen erschüttern, der nach acht Monaten Gazakrieg noch nicht restlos dem Zynismus verfallen ist.

Wut und Verzweiflung in Rafah.
AP/Jehad Alshrafi

Doch genau dieser Zynismus, so scheint es, schafft sich immer mehr Raum. In Israel johlte ein bekannter Journalist auf X, die wahre Lagerfeuerparty zum jüdischen Lag-BaOmer-Fest gehe nun in Rafah ab – und postete einen Screenshot des Brands im Flüchtlingslager. Zahlreiche palästinensische Onlinekommentare holten wieder einmal zu Holocaustvergleichen aus – und zum impliziten Aufruf, Israel von der Landkarte zu löschen.

Innehalten

Die Toten von Tel al-Sultan werden davon nicht wieder lebendig, der Schmerz ihrer Angehörigen wird dadurch nicht gelindert. Und auch den Angehörigen der Opfer auf israelischer Seite ist nicht geholfen, wenn man das Leid der Menschen in Gaza ignoriert.

Nach acht Monaten Krieg und immer größerer Hoffnungslosigkeit auf beiden Seiten ist es manchmal ratsam, kurz innezuhalten. Zynismus und schnelle Schuldzuweisungen haben noch nie einen Konflikt gelöst – aber schon oft dazu beigetragen, ihn zu verhärten. (Maria Sterkl, 27.5.2024)