Frau Mitte 50, in blauer Bluse, fächelt sich mit deinem Blatt Papier zu, weil sie eine Hitzewallung hat
Hitzewallungen sind wohl die bekannteste Beschwerde während der Wechseljahre. Doch es gibt noch viel schwerwiegendere, über die viele Frauen einfach nicht Bescheid wissen – auch weil wir als Gesellschaft zu wenig über diese Phase sprechen.
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Es ist wieder einmal Welttag der Frauengesundheit. Seit dem Jahr 1987 will man am 28. Mai auf die schlechtere gesundheitliche Lage der Frauen aufmerksam machen. Und ein Blick auf die Statistiken zeigt, wie dringend das noch immer nötig ist: Frauen sterben immer noch öfter an einem Herzinfarkt als Männer. Sie leiden insgesamt deutlich häufiger an Autoimmunerkrankungen und diffusen Krankheitsbildern wie dem chronischen Fatiguesyndrom ME/CFS. Und sie werden mit ihren Beschwerden bei Arztbesuchen weniger ernst genommen als Männer.

Dazu kommt ein Tabuthema, mit dem jede Frau irgendwann konfrontiert ist: die Wechseljahre. Jede zweite Frau hat diesbezüglich Angst vor Stigmatisierung, das zeigt eine Umfrage, für die im April 2024 724 Frauen aus Österreich zwischen 45 und 70 Jahren befragt wurden. Urheber der Umfrage ist das Unternehmen Pro Medico, das Gesundheitsprodukte vertreibt. 60 Prozent der Frauen fühlen sich in dieser Phase unverstanden, 64 Prozent wünschen sich eine offenere Kommunikation, 58 Prozent fehlt das notwendige Einfühlungsvermögen beim Arztbesuch.

Das liegt unter anderem daran, dass über dieses Thema immer noch viel zu wenig gesprochen wird, man geht vielfach einfach davon aus, dass das zum Leben einer Frau dazugehört. Dabei hat etwa ein Drittel aller Frauen sehr starke Beschwerden, von Schlafstörungen über Osteoporose bis hin zu Depressionen. Der STANDARD hat hier und hier dazu berichtet.

Zu wenig Aufklärung, zu wenig Wissen

Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigen weitere Zahlen: Fast jede zweite Frau, 64 Prozent, spricht – wenn überhaupt – nur im privaten Umfeld über die Wechseljahre. 34 Prozent haben Angst, weniger leistungsfähig zu sein, für 27 Prozent ist die Perimenopause im beruflichen Umfeld ein absolutes Tabuthema.

Die ärztliche Aufklärung zu dieser Lebensphase bewerten dabei 48 Prozent aller befragten Frauen als mittelmäßig bis schlecht, 17 Prozent sogar als sehr schlecht. Knapp die Hälfte, 45 Prozent, schätzen ihr Wissen über mögliche Auswirkungen und Symptome dementsprechend als mittelmäßig bis sehr gering ein. Dabei leiden viele Frauen, 56 Prozent haben Schlafstörungen, 47 Prozent Stimmungsschwankungen. Elf Prozent berichten sogar von Angstzuständen und Hoffnungslosigkeit. Gegen all diese Beschwerden suchen 35 Prozent Hilfe bei pflanzlichen Heilmitteln, 34 Prozent bei Arzt oder Ärztin, 30 Prozent greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln.

All das zeige deutlich, dass man über die Wechseljahre mehr reden müsse, betont Tina Werner, Pharmazeutin und Nährstoffexpertin bei Pure Encapsulations: "Wir brauchen mehr Aufklärung, um den Frauen Sicherheit zu geben und gleichzeitig Bewusstsein und Verständnis bei allen anderen zu schaffen." Denn nur mehr Bewusstsein könne zu Lösungen für die gesundheitlichen Probleme und psychischen Belastungen führen. "Die Wechseljahre dürfen kein Frauenthema bleiben, die gesamte Gesellschaft muss diese Phase ernst nehmen", betont Werner. (kru, 28.5.2024)