Philipp Moizi
Österreichs U17-Nationalmannschaft geigt. Philipp Moizi (Nummer 19) hat bereits drei Tore erzielt.
ÖFB/Tugrul Karacam

Wien/Larnaka – Martin Scherb wächst mit. Der 54-jährige Niederösterreicher ist Trainer der österreichischen U17-Auswahl der Burschen, die dieser Tage bei der Fußball-EM auf Zypern geigt, nahezu brilliert. Die Gruppenphase wurde souverän überstanden, 0:0 gegen Kroatien, 3:0 gegen Wales und ein nahezu fulminantes 4:0 gegen Dänemark. Das ergab logischerweise Platz eins, als einziger der 16 Teilnehmer hat Österreich noch kein Gegentor erhalten. Am Mittwoch geht es im Viertelfinale weiter, in Larnaka kommt es zum Beisammensein mit Serbien (19 Uhr, live ORF Sport Plus). Scherb erwarte ein Duell "auf Augenhöhe. Die Serben sind robust, spielen wie wir ein 4-3-3-System. Es könnte ziemlich rascheln."

Scherb betreut das Team schon das dritte Jahr. Das System des Fußballbundes ÖFB sieht vor, dass die Wege der Jungspunde möglichst von einer Person, einem Cheftrainer, über einen längeren Zeitraum begleitet werden. Das macht Sinn. "Es ist eine coole Geschichte. Es ist überragend, zu sehen, welche Sprünge sie machen. Sie sind wissbegierig, lernfreudig." Für Scherb ist freilich nicht nur das Verhalten auf dem Fußballplatz entscheidend. "Wir schauen auch auf die soziale Ausbildung, die Umgangsformen, den Respekt untereinander und auch vor anderen Menschen. Ich kenne die Eltern und die Geschwister der Spieler, ihre Interessen, ihr Umfeld."

Teamchef Martin Scherb sieht die Nachwuchsarbeit auf gute Beine gestellt.
ÖFB/ Tugrul Karacam

Sie sind Jahrgang 2007, noch ist das Ziel der Reise ungewiss, der große Schritt in den Profifußball steht bevor. "Der Übergang ist die größte Hürde", sagt Scherb. Wachstumsschübe und daraus resultierende Verletzungen seien nicht auszuschließen, die individuelle Begleitung sei wichtig. "Es macht keinen Sinn, 17-Jährige zu verbrennen." Ob die aktuelle Generation eine goldene sei, möchte Scherb, der im Männerfußball für Altach und Sankt Pölten tätig war, nicht beurteilen. "Ich mag keine Klassifizierungen. Ob Gold, Silber oder Bronze, ist nicht entscheidend. Sonst gäbe es ja auch eine steinerne Generation, und die brauchen wir sicher nicht." Was aber schon auffällt: "Sie spielen miteinander sehr gerne Fußball, haben hohe individuelle Qualität, haben eine taktische Disziplin gegen den Ball, das Umschalten ist perfekt. Und sie setzen die Anweisungen um."

Prominente Väter

Es sind Söhne mitunter prominenter Väter, der Papa von Magnus Dalpiaz war Nationalteam-Keeper im Eishockey, jener von Ilia Ivanschitz ÖFB-Teamkapitän, der Rapidler Philipp Moizi ist der Spross des Krone-Sportchefs beziehungsweise Comedy-Hirten. Für Scherb ist das kein Thema. "Die Eltern der 17 anderen kennt man halt nicht. Aber natürlich ist es kein Nachteil, in der Sportwelt aufgewachsen zu sein." Die meisten Spieler wurden in Akademien ausgebildet, von Liefering bis Sankt Pölten. Einige kicken mittlerweile bei Bayern München, Stuttgart oder Dortmund. Scherb entkräftet ein Klischee. "Akademiefußballer sind überhaupt nicht glatt. Es sind keine Einheitsfußballer, sie sind alle unterschiedlich. Es gibt mehrere Wege zum Erfolg."

Der Ablauf auf Zypern ist streng geregelt, der Tag vor dem Serbien-Spiel lief so ab: zehn Uhr Frühstück (in Österreich neun Uhr), elf Uhr therapeutische Behandlungen, 14 Uhr Mittagessen, Zimmerruhe, 17 Uhr Informationen über den Gegner, 18 Uhr Training, 20.30 Uhr Abendessen, 22.30 Uhr Besprechungen plus Snack (zum Beispiel Milchreis), 23.30 Uhr Entspannungsübungen mit dem Sportpsychologen, danach Bettruhe. "Ob einer ein bisserl Netflix schaut, spielt keine Rolle, das ist nicht tragisch. Aber wir haben klaren Regeln, was Social Media betrifft. Sie wissen, was sie posten können und was nicht."

Verbleib erwünscht

Sie wissen zudem, wie sie Serbien schlagen können. Österreichs Auswahl beherrscht die diversen Standardsituationen, zwei Treffer wurden nach Outeinwürfen erzielt, Scherb sagt: "Wir haben kein Ergebnisziel, sondern Handlungsziele, die wir erfüllt haben." Der Traum vom EM-Titel ist nicht verboten, Halbfinalgegner wäre Portugal oder Polen. Der Teamchef sagt: "Das übergeordnete Ziel in der Nachwuchsarbeit ist, dass in fünf Jahren fünf A-Nationalspieler herauskommen." Wobei es natürlich auch um das Hier und Jetzt geht. "Unser Teamgeist ist großartig. Alle haben glaubhaft versichert, dass sie nicht heimfahren wollen. Auch ich will auf Zypern bleiben." (Christian Hackl, 29.5.2024)

Viertelfinale:

Mittwoch:
Tschechien - Dänemark, 16.30 Uhr
Österreich - Serbien, 19 Uhr

Donnerstag:
Portugal - Polen, 17 Uhr
Italien - England, 19.30 Uhr