Der Wuzlertisch würde wohl nicht groß auffallen, schon gar nicht im Vorfeld einer Fußball-Europameisterschaft. Doch einen Padel-Court, wenn auch in Mini-Ausführung, hat man in einem Büro eher selten gesehen.

Links der Padel-Court, dabei handelt es sich um eine Variante von Tennis.
Putschögl

Am neuen Sitz des Unternehmens Sportradar im Austria Campus in Wien-Leopoldstadt ist das aber sozusagen "part of the game". Bei dem Unternehmen handelt es sich um einen global tätigen Sporttechnologieanbieter, der diverse Produkte für Sportmedien und Wettanbieter offeriert, aber beispielsweise auch Dienstleistungen zur Aufklärung von Wettmanipulation. Gegründet wurde das Unternehmen 2001 in Norwegen unter dem Namen Market Monitor, 2007 stieg Carsten Koerl, der zuvor bereits den Wettanbieter Bwin (damals noch Betandwin) gegründet hatte, als Investor ein und änderte bald darauf den Namen in Sportradar.

Der Roger-Federer-Raum.
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Heute ist die Sportradar AG, zu der auch Laola1.tv gehört, ein Konzern mit weltweit rund 4300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert und seinen Hauptsitz in der Schweiz hat. In Wien war man bis vor kurzem an einem peripheren Standort im 22. Bezirk angesiedelt, nun ist man aber in einen der großen Bürocluster übersiedelt. Warum? Gründer und CEO Koerl erklärt das einerseits damit, dass er "Hubs" bilden will, in Deutschland steht da etwa auch die Konzentration auf einen Standort bevor. Andererseits werde im Kampf um gute Mitarbeiter das Office immer wichtiger. "Motivierte Mitarbeiter brauchen ein Umfeld, das für sie passt." Am neuen Standort Rothschildplatz 4 sind derzeit 415 Menschen beschäftigt, 70 Prozent davon würden der Generation Z angehören, sagt Koerl.

Die Tischtennis-Arena.
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Neben dem Padel-Court gibt es auch einen Tischtennis-"Centercourt" mit immerhin zwei Reihen an Sitzplätzen, hier finden auch Teammeetings statt, erklärt Rainer Geier, Geschäftsführer der Sportradar Media Services GmbH, beim Rundgang. Sämtliche Besprechungsräume sind nach Größen des Sports benannt, dabei durften die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch mitentscheiden. Ein Raum heißt etwa "Roger Federer", ein anderer "Lionel Messi", und auch Hermann Maier ist ein Raum gewidmet ebenso wie der Schiedsrichterlegende Pierluigi Collina.

Nach dem neuen Standort hat man zwei Jahre lang gemeinsam mit CBRE gesucht. Aus einer Vorauswahl von zehn Locations wurden zwei Finalisten auserkoren, wo man dann mit den Vermietern verhandelte. Beziehungsweise mit dem Hauptmieter: Im neuen Büro ist man nun nämlich Untermieter der Bank Austria Unicredit, die diese Flächen im Austria Campus nicht mehr benötigte. Den Innenausbau nach Plänen von Bittermann & Partner hat man "gemeinschaftlich" finanziert, heißt es.

Konferenzraum im Basketball-Style.
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Von hier aus will man nun weiterwachsen, 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden gerade gesucht. Sie müssen nicht immer vor Ort sein, die Homeoffice-Regelung bei Sportradar lautet: zwei Tage daheim, drei Tage im Büro. Wann die zwei Tage im Homeoffice stattfinden, will man niemandem vorschreiben. Wer am Montag im Büro ist, kann aber beispielsweise eine Massage genießen. Es gibt auch einen Fitness- und einen Yoga-Raum, außerdem werden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern regelmäßige Gesundheitschecks ebenso angeboten wie diverse Mobilitätsangebote – und Zugang zu Sportevents.

Zielflaggen als Motivation beim Meeting.
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Rund 400.000 Livestreams von Sportevents werden hier pro Jahr produziert bzw. überwacht, außerdem werden Video-Streaming-Plattformen für Ligen und Verbände wie die National Hockey League, den Deutschen Fußball-Bund und die Asian Football Confederation betreut. Das Büro ist deshalb auch rund um die Uhr besetzt.

Der Mini-Padel-Court. "Wir zwingen niemanden, Sport zu machen."
Sportradar

Bleibt noch die Frage, wie lange man während der Arbeitszeit eigentlich den Padel-Court benutzen darf. Koerl will die Frage aber lieber umdrehen: "Wir zwingen niemanden, Sport zu machen." (Martin Putschögl, 29.5.2024)