Anna Sophia Güther, Intendantin Andrea Vilter und Jost von Harleßem
Dramaturgin Anna Sophia Güther, Intendantin Andrea Vilter und Jost von Harleßem am Dienstag bei der Präsentation des Spielplans für die Saison 2024/25 am Schauspielhaus Graz.
APA/ANNEMARIE HAPPE

Graz – 20 Premieren in drei Spielstätten hat das Schauspielhaus Graz in der Saison 2024/25 im Programm. Auf dem Spielplan, den Intendantin Andrea Vilter am Dienstag präsentierte, finden sich Adaptionen von internationalen Bestsellern wie Tonio Schachingers Echtzeitalter bis hin zur Uraufführung von Thomas Köcks Chronik der laufenden Entgleisungen – Austria revisited. Gestartet wird die Spielzeit mit einem Premieren-Triple im Schauspielhaus und Schauraum am 20., 21. und 22. September.

Bestseller-Adaption und Kafka

Ihr stehen alle Türen der Welt offen, doch sie fühlt sich deprimiert, gelangweilt und sieht keinen Sinn im Leben: die Protagonistin des Romans Mein Jahr der Ruhe und Entspannung von Ottessa Moshfegh. Der internationale Bestseller zeichne das Leben einer jungen Frau, die sich gegen das Leistungsprinzip stelle und der patriarchalen Gesellschaftsordnung verweigere, wie Chefdramaturgin Anna-Sophia Güther ausführte. Die polnische Theaterregisseurin Ewelina Marciniak wird die Adaption gleich zu Beginn der neuen Saison (20. September) für die Bühne des Schauspielhauses inszenieren. "Wir freuen uns sehr, dass sie unserer Einladung gefolgt ist", so Güther.

Tags darauf wird – passend zum Kafka-Jahr – mit Kafka/Heimkehr ein Textgeflecht aus Werken, Briefen und Texten Franz Kafkas in der Fassung von Andrea Vilter und der Regie des künftigen Volkstheater-Direktors Jan Philipp Gloger als österreichische Erstaufführung im Schauraum zu sehen sein. "Es ist eine Reise ins Schaffen und ein bisschen auch in den Kopf von Kafka, die auch der Komik des Werks nachgeht", verriet Vilter am Dienstag im Pressegespräch.

Die Uraufführung von Thomas Köcks Chronik der laufenden Entgleisungen – Austria revisited bildet am 22. September den Abschluss des Eröffnungswochenendes. In seinem auf 500 Seiten angewachsenen Text hat der österreichische Theaterautor Ereignisse der österreichischen Politik und Medienlandschaft protokolliert und sich mit dem fortschreitenden Rechtsruck des Landes auseinandergesetzt. "Der Text ist gemeint als Intervention in den bevorstehenden Wahlkampf", erklärte Vilter. Marie Bues wird ihn als Koproduktion mit dem Schauspielhaus Wien und in Kooperation mit dem Steirischen Herbst auf die Bühne bringen.

"Echtzeitalter" und Klassiker

Klassisch geht es im November mit Minna von Barnhelm oder die Kosten des Glücks in der Inszenierung von Ulrike Arnold weiter. "Wir nehmen das Lustspiel von Lessing ernst und wollen es als Komödie inszenieren", betonte Güther. Rebekka David nimmt sich für April 2025 für Immer noch hier Molière, Shakespeare und Tschechow vor: Sie inszeniert die Uraufführung ihres Stückes über die Frage, warum im Alltag das Alter so wenig präsent ist und dennoch so viele Angst vor dem Alter haben, selbst, wie Güther weiter ausführte.

Der mit dem Deutschen Buchpreis 2023 ausgezeichnete Roman Echtzeitalter von Tonio Schachinger wird im Dezember in einer Bühnenfassung am Schauspielhaus aufgeführt. "Eines meiner schönsten Leseerlebnisse des letzten Jahres und ein ganz, ganz toller Coming-of-Age-Roman", wie sich Vilter begeistert zeigte. Sie übernimmt die Dramaturgie, F. Wiesel und Timon Jansen führen Regie in der Inszenierung, in der Puppenspiel ebenso Platz findet wie Computerspiel, wie Vilter schilderte.

Tonio Schachinger, Deutscher Buchpreis
Tonio Schachinger erhielt den Deutschen Buchpreis 2023 für seinen Roman "Echtzeitalter" – nun wird in Graz der Text in einerBühnenadaption aufgeführt.
IMAGO/Hannelore Foerster

Rutherford & Sohn wird vom National Theatre London zu den wichtigsten Stücken des 20. Jahrhunderts gezählt, erklärte Güther. In Österreich wird das Stück, das von der britischen Dramatikerin Githa Sowerby bereits 1912 geschrieben wurde, im Jänner 2025 uraufgeführt. Der ungarische Regisseur Jakab Tarnoczi wird das Familiendrama über Herkunft und Erbe in einem gegenwärtige Setting inszenieren.

Und von der bereits erfolgreich wiederentdeckten österreichischen Dramatikerin Maria Lazar – im Vorjahr wurde ihr Stück Der Nebel von Dybern in Graz inszeniert – steht die Antikriegskomödie Die Hölle auf Erden in einer Inszenierung von Katrin Plötner ab März 2025 auf dem Spielplan des Hauses. Den Schlusspunkt der Spielzeit setzt Matthias Rippert mit seiner Inszenierung von Johann Nestroys Der böse Geist Lumpazivagabundus (ab Mai 2025). (APA, 28.5.2024)