ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel
Das ÖOC, dessen Budget sich zu einem guten Teil aus öffentlichen Mitteln speist, betont, dass die Prämien für Generalsekretär Peter Mennel "ausnahmslos aus den zusätzlich von der Geschäftsführung erwirtschafteten Mitteln, also explizit nicht aus öffentlichen Geldern (sprich: Steuergeldern) ausbezahlt wurden".
APA/EVA MANHART

"Das ÖOC im Dienste der Athletinnen & Verbände": Unter diesem Titel steht eine Aussendung an seine Mitgliedsverbände, mit der das Österreichische Olympische Comité jenen Vorwürfen entgegentreten will, die in den vergangenen Tagen aufgekommen sind. STANDARD und ORF hatten Informationen aus Protokollen öffentlich gemacht, aus denen hervorgeht, dass ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel vom ÖOC-Präsidium regelmäßig zumindest drei Zwölftel seiner Jahresgage zusätzlich als Prämien oder Boni zuerkannt wurden. Dies auch noch nach einer Gehaltserhöhung im März 2018 von 13.800 auf 16.000 Euro monatlich.

Binnen neun Jahren, für 2014 bis 2022, hat das Präsidium auf Anträge von ÖOC-Präsident Karl Stoss dem Generalsekretär demnach insgesamt nicht weniger als 2,66 Jahresgehälter zusätzlich genehmigt. Mit dem Grundgehalt liegt Mennel bereits im Bereich eines Staatssekretärs, inklusive Zusatzzahlungen kommt er verdienstmäßig an Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler heran, vielleicht auch vorbei.

Auf Fragen dazu von STANDARD und ORF sind Mennel und Stoss nicht eingegangen. Auch in der aktuellen Aussendung bleibt die exakte Höhe der Mennel-Prämien unerwähnt. Da heißt es: "Nach erfolgreichen Jahresabschlüssen hat die Geschäftsführung auf Antrag verschiedener Präsidiumsmitglieder teilweise auch Prämien erhalten, wie es in der Privatwirtschaft absolut üblich ist und vom Präsidium immer einstimmig beschlossen wurde. Diese Prämien wurden ausnahmslos aus den zusätzlich von der Geschäftsführung erwirtschafteten Mitteln, also explizit nicht aus öffentlichen Geldern (sprich: Steuergeldern) ausbezahlt."

"Maßlos empörter" Funktionär

Das Sportministerium bestätigt diese Darstellung: "Die Vergütung ist Sache der Führungsgremien des ÖOC und ist von diesen zu verantworten." Allerdings speist sich das Budget des ÖOC zu einem guten Teil aus öffentlichen Geldern. 2023 belief sich die Bundes-Sportförderung für das ÖOC auf insgesamt 4,725 Millionen Euro, davon sind 800.000 Euro für die Olympiazentren laut Sportministerium als "Durchlaufposten" anzusehen.

Ein heimischer Spitzenfunktionär zeigt sich im Gespräch mit dem STANDARD "maßlos empört über das Prämienparadies ÖOC" und sagt: "Am Ende ist es egal, wo das Geld für die Mennel-Prämien herkommt. Auch Sponsoren, die ins ÖOC einzahlen, würden sich wahrscheinlich wünschen, dass ihr Geld dem Sport zugutekommt und nicht beim Herrn Mennel landet." Ein anderer Verbandsvertreter hatte sich empört: "Unten müssen alle sparen bis zum Geht-nicht-mehr. Und oben gibt es solche Prämien. Das ist obszön, die reine Maßlosigkeit."

"Persönliche Hetzkampagne"

Das ÖOC wiederum macht "eine kleine Gruppe von Funktionären" aus, die es sich zur Aufgabe gemacht habe, "anonym eine persönliche Hetzkampagne gegen das ÖOC im Allgemeinen und gegen Peter Mennel im Speziellen zu betreiben". Unter Mennels Leitung hätten sich "die jährlichen Marketing-Einnahmen des ÖOC von rund 780.000 Euro im Jahr 2010 auf ca. 1,8 Millionen Euro im Jahr 2022 – d. h. um 225 Prozent – stetig gesteigert". Sic, "um 225 Prozent", so steht es in der ÖOC-Aussendung geschrieben.

Schon weniger oder keine Erwähnung findet, dass das ÖOC im Jahr 2019 mit der von ihm Ende 2014 präsentierten Crowdfunding-Plattform "I believe in you" (IBIY) einen Bilanzverlust von 700.000 Euro zu gewärtigen hatte, DER STANDARD berichtete. Jahre später harrten immer noch 624.000 Euro der Abdeckung. Und das ÖOC, neben der Sporthilfe und der Schweizer IBIY-"Mutter" einer von drei IBIY-Gesellschaftern, deckte nicht nur "sein" Drittel (208.000 Euro), sondern auch die zwei anderen Drittel (416.000 Euro) ab. Daraufhin sahen sich Mennel und das damalige ÖOC-Präsidium im September 2023 mit einer Anzeige wegen schwerer Untreue bzw. Beihilfe konfrontiert. Die Staatsanwaltschaft, die zunächst "hinreichenden Anfangsverdacht gegeben" sah, bestätigt nun dem STANDARD: "Die Ermittlungen laufen." Für die Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

"Instrumentalisierte Medien"

Auch auf die Anzeige, die Ermittlungen und den IBIY-Bilanzverlust wird in der Aussendung inhaltlich nicht eingegangen. Das ÖOC hält fest, es habe "den Athlet:innen in seiner Geschichte noch nie so viel Geld, Serviceleistung und Betreuung zuteil werden lassen wie heute", und dies sei "das Verdienst des ÖOC-Präsidiums, des ÖOC-Vorstands, der ÖOC-Geschäftsführung und der engagierten Mitarbeiter:innen". Jene Medien, die über die Gage und Zusatzzahlungen für den Generalsekretär berichteten, seien "offenkundig instrumentalisiert", es könne nur "deren Objektivität und Seriosität bezweifelt werden".

Das ÖOC führt in seiner Aussendung an, es benötige "mit einem Jahresumsatz von rund neun Millionen Euro in der Geschäftsführung Top-Manager:innen, die sieben Tage/24 Stunden für die Athlet:innen verfügbar sein können und sich hauptberuflich national wie international für den olympischen Sport einsetzen". Es betont, dass es "der Sanierer Peter Mennel" gewesen sei, der nach seinem Antritt 2010 "in engster Zusammenarbeit mit Präsident Karl Stoss rasch für Liquidität gesorgt und das Büro schlank und effizient umstrukturiert" habe. Und es betont, dass Mennel "in seiner früheren beruflichen Tätigkeit als Vorstand einer Bank mehr verdient hat als in den letzten Jahren als Generalsekretär des ÖOC". (Fritz Neumann, 29.5.2024)