Eine ältere Frau macht Seifenblasen und ein kleiner Junge lacht
Großmütter sindheute meist jung (geblieben) und stehen, wenn auch nicht mitten im Berufsleben, so doch mitten im Leben. Kommen damit die Enkelkinder zu kurz?
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Früher war das Bild der Großmutter in vielen Familien ein anderes. Viele Frauen waren nicht berufstätig, übernahmen die Kinder, backten Kuchen und lebten für die Familie. Bei ihnen galten nicht die Regeln der Eltern – bei Oma gab es eigene Gesetze. Sie hatten einen konkreten Erziehungsauftrag.

Doch diese Zeiten sind in vielen Familien vorbei. Moderne Omas von heute stehen oft noch mitten im Beruf, wenn die ersten Enkel kommen, haben Hobbys, Freunde und wollen vielleicht nicht mehr die gesamte Woche Enkeldienst übernehmen. Doch hat sich mit dem Bild der Oma auch die Freude über die Enkel verändert? Wie sehr übernehmen Omas heute Erziehungsaufgaben? Wir haben bei drei berufstätigen Frauen nachgefragt, wie ihr Alltag als Oma aussieht.

"Mir gefällt das Bild von der schlanken jungen Oma, die kaputte Jeans trägt"

Azra (53), zwei Enkelkinder

"Ich bin erst seit wenigen Monaten Oma. Mein Sohn hat Zwillinge bekommen, einen Jungen und ein Mädchen. Das ist wirklich wundervoll, auch wenn ich mich noch fast zu jung fühle, um Oma zu sein. Ich war dabei, als die Kinder zur Welt kamen, und liebe sie, als wären sie meine eigenen.

Mein Sohn wohnt 65 Kilometer weit weg, und ich habe ihnen immer gesagt, wenn sie mich brauchen, bin ich da, und ich bin bereit zu helfen. Gerade am Anfang bin ich regelmäßig für das ganze Wochenende hingefahren, habe bei den Zwillingen im Zimmer übernachtet und versucht, meinem Sohn und meiner Schwiegertochter eine Pause zu gönnen, damit sie mehr als nur ein paar Stunden am Stück schlafen. Ich bin ja noch sehr jung, habe viel Kraft.

Tagsüber habe ich vorgekocht, geputzt und Wäsche gemacht, und als ich wieder gefahren bin, waren sie für einige Tage gerüstet. Mir ist dabei sehr wichtig, nicht in den Bereich meiner Schwiegertochter einzudringen. Sie muss an erster Stelle im Leben meines Sohnes kommen. Als Mutter komme ich erst danach. Das habe ich ihm immer gepredigt, und es ist wichtig für mich, dass er das auch lebt. In unserer Wohnung habe ich bereits ein Reisegitterbett für die Kleinen aufgebaut und im Garten einen kleinen Spielplatz vorbereitet. Meine erwachsenen Kinder waren direkt etwas eifersüchtig, da sie so etwas immer wollten, aber nie bekommen haben. Aber als sie klein waren, brauchte ich mehr Zeit für mich, ich war viel unterwegs mit ihnen, es gab viel zu erledigen. Jetzt ist eine andere Phase.

Ich liebe es, Oma zu sein, aber ich kann mit dem alten Bild der grauhaarigen Frau mit Kochschütze nichts anfangen. Ich fühle mich noch ganz fit, noch ganz jung, und daran ändern auch die Enkelkinder nichts. Viele sind überrascht, wenn sie hören, dass ich schon Oma bin. Mir gefällt das Bild von der schlanken, jungen Oma, die kaputte Jeans trägt. Damit fühle ich mich wohl."

"Man hat als Oma gewisse Superkräfte"

Maria (58), drei Enkelkinder

"Ich war gerade erst 47 Jahre alt, als ich das erste Mal Oma wurde. Meine Tochter war damals 23, und sie bekam Zwillinge. Bekannte wollten mich damals damit aufziehen, dass ich nun alt sei, weil ich Oma bin. Aber ich war damals schon der Meinung: Oma ist ein Kosewort, kein Schimpfwort. Ich fühle mich nicht älter, weil ich Großmutter bin.

In den ersten Wochen nach der Geburt habe ich meine Tochter viel unterstützt. Ich habe gekocht, den Haushalt gemacht, die Zwillinge gehoppert. Zwei Babys, da geht es natürlich rund, aber wir haben das gut hingekriegt.

Ich arbeite Vollzeit und habe in den ersten Jahren meinen Arbeitsplan so gelegt, dass ich am Freitag die Kinder nehmen konnte. Da waren sie fix den ganzen Tag bei mir, bis ihr Vater sie abholte. Inzwischen sind die Zwillinge schon zwölf, und sie haben eine kleinere Schwester. Dass ich sie fixe Tage bei mir habe, hat sich geändert, als sie größer wurden und in die Schule kamen.

Maria vermisst die intensive Zeit mit ihren Enkelkindern, als diese noch klein waren.
Privat

Ich vermisse die Phase, als ich mehr Zeit mit ihnen verbrachte. Es war immer sehr schön. Jetzt sehe ich sie seltener. Ich versuche sie möglichst viel zu besuchen, schaffe es aber auch nicht jede Woche. Ich habe gar nicht mehr Zeit, weil auch in meinem Leben immer so viel los ist. Wenn sie zu mir kommen, dann mache ich nichts anderes als spielen, vorlesen, kuscheln.

Es ist anders als mit den eigenen Kindern, da muss man keine Hausübung machen oder Organisationspflichten erfüllen. Man muss einfach nur da sein. Ich genieße es sehr, allein mit ihnen zu sein. Es ist doch anders, als wenn ihre Eltern dabei sind. Und man hat als Oma auch gewisse Superkräfte. Es gab schon einige Momente, wo mich meine Tochter anrief und bat vorbeizukommen und die Mädchen abzulenken, gerade wenn sie krank waren oder Schmerzen hatten.

Ich bin unglaublich gerne Oma und würde mich auch über noch mehr Enkelkinder freuen. Wir brauchen Kinder, sie sind wichtig und pure Freude."

"Ich habe durch meine Enkel gelernt, welch entzückende, aufopfernde, großartige Eltern meine Kinder sind"

Andrea (65), acht Enkelkinder

"Ich war 60 Jahre alt, als mein erstes Enkelkind zur Welt kam. Dank meiner vier Kinder habe ich inzwischen acht Enkelkinder. Die kleinsten sind zwei und drei Monate alt. Anfangs habe ich schon etwas damit gekämpft, jetzt eine Großmutter zu sein. Aber gleichzeitig habe ich mir immer Enkelkinder gewünscht, also habe ich diesen Titel sehr gerne angenommen. Ich arbeite noch Vollzeit, bin aber auch Fulltime-Oma, was bedeutet, ich habe eigentlich jeden Nachmittag Kinderdienst. Nur den Freitag versuche ich mir freizuhalten. Ich integriere noch zwei bis drei Sporteinheiten pro Woche, sonst gehört meine Zeit wirklich meiner Familie und meiner Arbeit.

Dass ich die Enkelkinder zu mir nehme, mache ich nicht aus Pflichtbewusstsein, sondern weil es mir wichtig ist, meine Kinder zu unterstützen. Es macht mir so viel Freude, Zeit mit den Kleinen zu verbringen, und es erinnert mich an die schöne Zeit mit meinen eigenen Kindern. Aber auch an all die Unsicherheiten, Sorgen und Ängste, die ich damals hatte. Nur diese kann ich jetzt ausblenden. Die großen Probleme muss ich mit ihnen nicht durchmachen, das ist ein großer Vorteil als Oma.

Bei der Erziehung halte ich mich möglichst an die Regeln meiner Kinder, frage auch extra nach, was sich meine Kinder in Bezug auf den Umgang mit ihren Kindern wünschen, welche Richtlinien es gibt. Dabei gibt es eindeutig große Unterschiede zur Erziehung früher: Meine Kinder gehen mit ihren Kindern viel mehr in den Dialog, diskutieren mit ihnen, erklären ihnen, wieso wir dieses oder jenes tun müssen, und fragen die Kleinen nach ihrer Meinung. Da fließt viel Energie in die Beziehungsarbeit zwischen Eltern und Kindern. Das ist wunderschön.

Andrea findet es schön, dass ihre Enkelkinder auf Augenhöhe erzogen werden.
Privat

Am meisten genieße ich wirklich, mit den Kindern zu spielen. Dafür hat man als Mutter viel zu wenig Zeit. Und ich liebe es, ihnen vorzulesen. Wovor ich mich so gut es geht drücke, ist, auf den Spielplatz zu gehen. Es stresst mich, da ich natürlich nicht möchte, dass sie sich verletzen. Im Gegensatz zu mir sind sie sehr schnell, und ich bin eben nicht mehr fit genug, um ihnen nachzulaufen oder sie aufzufangen.

Es ist ein ganz anderer Lebensabschnitt. Auch das gehört dazu. Ich habe durch meine Enkel gelernt, welch entzückende, aufopfernde, großartige Eltern meine Kinder sind. Wir haben durch die Enkerln sehr viel Kontakt, und ich merke auch, dass sich ihr Blick auf mich verändert hat. Sie haben Respekt davor, dass ich vier Kinder hatte. Aber die Zeiten waren anders. Und ich wiederum habe großen Respekt davor, wie sie heute die Erziehung meistern." (Sandra Gloning, 1.6.2024)