Der italienische Autor Sandro Veronesi geißelt die Einladungspraxis der Regierungsstellen - und zieht sich aus der Delegation seines Heimatlandes zurück.
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Der namhafte italienische Autor Sandro Veronesi (Der Kolibri) hat sich am Mittwoch aus der Delegation zurückgezogen, die Italien im Oktober im Rahmen des Gastland-Auftritts auf der Frankfurter Buchmesse vertreten wird. Veronesi protestierte damit gegen den Ausschluss des regierungskritischen Autors Roberto Saviano aus der italienischen Delegation.

Der Beauftragte der italienischen Regierung für Italiens Beteiligung an der Buchmesse, der TV-Journalist Mauro Mazza, sagte am Dienstag, es sei keine Frage der Diskriminierung, dass Saviano nicht auf der Liste der 100 italienischen Autoren stehe, die an der Buchmesse teilnehmen werden. Vielmehr sei es wichtig, "Autoren Raum zu geben, die ihn in der Vergangenheit nicht bekommen haben".

"Die dummen und lächerlichen Gründe, mit denen Mazza den Ausschluss von Roberto Saviano gerechtfertigt hat, erlauben es mir nicht, die Einladung, die ich erhalten habe, anzunehmen", sagte Veronesi, zweimaliger Gewinner des wichtigsten italienischen Literaturpreises, des Strega-Preises. Veronesi beklagte eine "Einmischung" der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und ihrer engsten Vertrauten in Entscheidungen, "die nicht auf politischer Logik beruhen sollten".

Vermisste Kritiker

Unter dem Motto Verwurzelt in der Zukunft präsentiert sich Italien in diesem Herbst als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse (16.-20. Oktober). Schon bei der Pressekonferenz am Dienstag in Frankfurt ging es kontrovers zu: Italienische Journalisten vermissten prominente, aber regierungskritische Autoren wie Saviano auf der Gästeliste. Dieser werde wohl von seinem deutschen Verlag eingeladen, sprang Buchmessen-Direktor Juergen Boos Mazza bei, der antwortete, man habe eben eine Auswahl treffen müssen, manche hätten auch keine Zeit oder wollten nicht kommen.

Saviano war im vergangenen Oktober wegen Beleidigung Melonis zu 1.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Der gebürtige Neapolitaner hatte die Vorsitzende der Rechtsaußen-Partei Fratelli d'Italia 2020 in einer Talkshow mehrfach als "Bastard" bezeichnet. Dabei ging es um den Umgang mit Einwanderern. Meloni saß damals noch in der Opposition. Saviano hatte sich damit gerechtfertigt, dass die Bezeichnung "Bastard" durch das Recht auf Meinungsfreiheit und auf politische Kritik abgedeckt sei. (APA, 29.5.2024)