Polizeisperre in Graz.
Anfang Mai explodierte in Premstätten ein Auto, das Zeugen Jehovas gehörte.
FF ZETTLING/CHRISTIAN GLAUNINGER

Leibnitz – Im Fall der teilweise detonierten Sprengsätze bei den Zeugen Jehovas in der Steiermark ist am Mittwoch ein verdächtiger Mann festgenommen worden. Das teilte die Landespolizeidirektion Steiermark am Mittwochnachmittag mit. In einer Pressekonferenz am Mittwochabend hieß es, dass es sich um ein ehemaliges Mitglied der Zeugen Jehovas handle, das geständig sei. Wie die Polizei mitteilte, ist der Verdächtige ein 55-jährige IT-Techniker aus dem Bezirk Graz-Umgebung. Hinter den Anschlägen stehe kein politisches, sondern ein persönliches Motiv. Sie haben sich gegen seine Ex-Frau gerichtet und sollten als Ablenkungsmanöver dienen. Er gab zu, dass er seine Ex-Frau habe töten wollen.

Der Verdächtige soll Hinweise gegeben haben, dass sich auf dem Auto seiner Frau eine Bombe befinde. Am Mittwoch lief in Graz deshalb mehrere Stunden ein Großeinsatz. Es sei aber kein verdächtiger Gegenstand am Fahrzeug gefunden worden. Der Entschärfungsdienst sowie Spezialfahrzeuge und Roboter waren im Einsatz, teilte die Landespolizeidirektion Steiermark mit. Auf der Elisabethstraße sowie der Leonhardstraße, der Leechgasse und der Rembrandtgasse waren Straßensperren eingerichtet worden. Gegen 15 Uhr gab die Polizei dann Entwarnung.

Motiv waren Unterhaltsstreitigkeiten

Als Motiv nannte der Verdächtige Unterhaltsstreitigkeiten mit seiner Ex-Frau, mit der er auch zwei Kinder hat. Diese habe er offenbar seit 13 Jahren außer bei Gerichtsterminen nicht mehr gesehen. Er habe seine ehemalige Frau töten wollen, die anderen Sprengsätze hätten nur der Ablenkung dienen sollen, so seine Angaben. Der Mann war von 1991 bis 2011 mit der Frau, die Mitglied der Zeugen Jehovas ist, verheiratet. Daher war er ebenfalls Mitglied der Glaubensgemeinschaft, wurde aber nach der Scheidung ausgeschlossen. Der Verdächtige war unter jenen rund 60 ehemaligen Mitgliedern, die die Ermittler aufgrund von Hinweisen genauer unter die Lupe genommen hatten.

Laut Meixner hatten sich die Verdachtsmomente gegen den 55-Jährigen Mittwochvormittag derart verdichtet, dass die Festnahme angeordnet wurde. Gegen 11.30 Uhr wurde der Steirer an seinem Arbeitsplatz im Bezirk Graz-Umgebung verhaftet. Das von einem Profiler erstellte Persönlichkeitsprofil sei auf den mutmaßlichen Täter regelrecht "zugeschnitten", sagten die Ermittler. Zeitgleich mit der Pressekonferenz wurde auch eine Hausdurchsuchung bei dem Mann südlich von Graz durchgeführt.

Erleichterung bei Zeugen Jehovas

Seit August vergangenen Jahres jagen steirische Ermittler ein Phantom. Damals detonierten zwei an Autos angebrachte Sprengsätze vor einem der sogenannten Königreichsäle der Zeugen Jehovas in Leibnitz. Ein halbes Jahr später fand die Polizei erneut eine funktionstüchtige Bombe vor einem Gebäude der Glaubensgemeinschaft in Kalsdorf bei Graz. Anfang Mai explodierte schließlich ein Auto in Premstätten bei Graz, das Zeugen Jehovas gehört. Mehr als ein Totalschaden entstand dadurch glücklicherweise nicht.

Seitens der Zeugen Jehovas zeigte man sich am Mittwochabend dankbar und erleichtert. "Die latente Bedrohung ist fürs Erste weg. Wir sind froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist", sagte Pressesprecher Markus Kakavis zur APA. Nun würden die Angehören wieder entspannter weiterleben, die Zusammenkünfte besuchen. Man sei sehr traurig darüber, dass jemand zu derartigen Taten greife - auch, wenn es laut Polizei ein privates Motiv gewesen sein dürfte. "Unser Verständnis ist, dass nichts rechtfertigt, Emotionen gewaltsam freien Lauf zu lassen. Das ist abstoßend und abzulehnen", erklärte der Sprecher. "Wir haben die Sicherheitsbehörden als sehr kooperativ wahrgenommen, sie haben es sehr ernst genommen", so Kakavis - er bedankte sich dafür, dass die Königreichssäle in Leibnitz und Kalsdorf "permanent gesichert" und auch in ganz Österreich Maßnahmen ergriffen wurden.

Karner lobt Ermittler

Landespolizeidirektor Gerald Ortner sagte: "Die steirische Polizei hat nach intensiven Ermittlungen einen großen Erfolg erzielen können." Bereits nach August 2023 war von der Landespolizeidirektion die Ermittlungsgruppe "Michael" eingerichtet und die Schutzmaßnahmen verstärkt worden. Veranstaltungen der Zeugen Jehovas wurden überwacht. Die Gruppe wurde sukzessive verstärkt, zuletzt seien etwa 20 Männer und Frauen an den direkten Ermittlungen beteiligt gewesen.

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) gratulierte in einer Aussendung: "Anerkennung an die beteiligten Ermittler, vor allen an das steirische Landesamt Staatsschutz und Extremismusbekämpfung. Durch professionelle Ermittlungen konnte ein gefährlicher Straftäter festgenommen, weitere mögliche Anschläge verhindert und Menschenleben geschützt werden." (APA, jan, 29.5.2024)