Jerome Boateng kickt zuletzt bei Salernitana.
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Linz – Der LASK hat den deutschen Ex-Nationalteamspieler Jerome Boateng verpflichtet. Der 35-jährige Innenverteidiger unterschrieb beim Dritten der abgelaufenen Fußball-Bundesligasaison einen Vertrag bis Sommer 2026. Der langjährige Bayern-München-Spieler und Weltmeister von 2014 war zuletzt beim italienischen Serie-A-Absteiger Salernitana tätig.

Bevor Boateng sein erstes Pflichtspiel für den LASK macht, steht ihm am Landgericht München laut deutschen Medienberichten noch ein Prozess bevor. Boateng war vergangenen September wegen Körperverletzung und Beleidigung einer früheren Lebensgefährtin zu einer Geldstrafe von 1,2 Millionen Euro verurteilt worden, das Urteil wurde wegen Verfahrensfehlern aufgehoben. Der neue Prozess soll am 14. Juni beginnen, berichteten deutsche Medien im März. Ein Urteil könnte am 19. Juli fallen, es gilt die Unschuldsvermutung. Auch nach dem Suizid einer weiteren Ex-Partnerin von Boateng gab es Gewaltvorwürfe, die der Spiegel in der mehrteiligen Podcastserie Die Akte Kasia Lenhardt aufgearbeitet hat.

Vor allem aufgrund dieses Falles kassiert der LASK auf Social Media nun einen veritablen Shitstorm. Fans distanzieren sich unter den Transfer-Postings vom Verein, neben Wünschen à la "Hoffe ihr steigt ab" finden sich zahllose Schwarz-Weiß-Fotos von Lenhardt. Auch in einschlägigen Fußballforen wie dem Austrian Soccer Board hagelt es Kritik der Anhänger. Vergangenen Herbst dürften Fan-Proteste bei Bayern eine Rückholung des einstigen Leistungsträgers verhindert haben. "Es ist ja nicht so, dass wir ignorant durchs Leben schreiten", sagte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen damals. Bayern brauchte aufgrund von Verletzungen dringend Verstärkung in der Innenverteidigung, entschied dann aber "im Gesamtkontext gemeinsam mit Jerome, dass wir von einer Verpflichtung absehen."

Lange Zeit bei Bayern

Ab 2011 lief der davor für Manchester City spielende Boateng zehn Jahre für Bayern München auf und feierte als Mitspieler von David Alaba zahlreiche Erfolge. 2021 wechselte er für zwei Saisonen zu Olympique Lyon, ehe er im Februar in Salerno anheuerte. Für das deutsche Nationalteam bestritt der 1,92-m-Mann 76 Spiele, das letzte im Herbst 2018.

"Die Verantwortlichen haben sich enorm um mich bemüht und mir in den gemeinsamen Gesprächen von Beginn an vermittelt, mich auf dem eingeschlagenen Weg unbedingt dabei haben zu wollen", sagte Boateng und ergänzte: "Ich hatte zahlreiche Angebote vorliegen, habe mich aber bewusst für den LASK entschieden, weil mich der sportliche Weg, die Idee und die Visionen des Vereins vollauf überzeugt haben. Das hat für mich einen deutlich höheren Stellenwert als der finanzielle Faktor."

"Absoluter Wahnsinn"

Die LASK-Verantwortlichen zeigten sich begeistert. "Es ist ein absoluter Wahnsinn und unfassbar, dass wir mit Jerome Boateng einen international derart begehrten Ausnahmespieler und Vorzeigeathleten zum LASK holen konnten. Er ist uns finanziell massiv entgegengekommen, andernfalls wäre seine Verpflichtung nicht möglich gewesen. Das zeigt seinen außergewöhnlichen Charakter, und dafür möchten wir uns bei ihm und seinem Management recht herzlich bedanken", sagte LASK-Präsident Siegmund Gruber.

Sport-Geschäftsführer Sport Radovan Vujanovic war "froh und stolz" über die Verpflichtung von Boateng. "Es ist für uns eine große Auszeichnung, dass sich ein Spieler seiner Klasse für uns entschieden hat, und zeigt, welche Entwicklung wir als Verein in den vergangenen Jahren genommen haben. Mit seiner fußballerischen Klasse und seiner beispiellosen Erfahrung ist er nicht nur ein enormer Gewinn für uns, sondern auch für den gesamten österreichischen Fußball."

Neuzugang in Klagenfurt

Auch die Austria Klagenfurt hat sich Verstärkung für die kommende Saison geholt. Der 22-jährige Jonas Kühn vom Partnerclub FC Viktoria 1899 Berlin erhält einen Zweijahresvertrag bis Ende Juni 2026. Der Deutsche ist Linksverteidiger und hatte die Kärntner schon als Trainingsgast im Wintercamp in Kroatien überzeugt. Kühn hat bisher zwei Spiele in der 3. Liga und vorwiegend in der Regionalliga gespielt. Ausgebildet wurde er im Nachwuchs von Dynamo Dresden.

"Für mich ist das ein großer und wichtiger Schritt in meiner Karriere. Austria Klagenfurt hat sich in den zurückliegenden Jahren zu einer festen Größe in der österreichischen Bundesliga entwickelt, und ich freue mich auf diese Herausforderung", sagte Kühn in einer Vereinsmitteilung. (APA, red, 31.5.2024)