Spotify hat im Jahr 2023 einen Verlust von 532 Millionen Euro eingefahren.
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Spotify wird in den USA zum zweiten Mal in einem Jahr teurer. Ab nächstem Monat werden Spotify-Abonnentinnen und -Abonnenten in den USA eine E-Mail erhalten, in der die Preiserhöhungen für Premium-, Duo- und Family-Pläne detailliert beschrieben werden.

Spotify Premium wird jetzt 11,99 Dollar pro Monat kosten, im Vergleich zu der im letzten Jahr angekündigten Erhöhung auf 10,99 Dollar. In Österreich kostet dieses Abo aktuell 10,99 Euro. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis die Abo-Gebühren auch hierzulande angehoben werden, zumindest hat der Musikstreamingdienst die Preise auch in Österreich schrittweise erhöht, gemeinsam mit dem deutschen Markt.

Demnach wird ein Abonnement von Spotify Duo um zwei Dollar pro Monat teurer, kostet also 16,99 Dollar statt 14,99 Dollar pro Monat. Der Family-Preis wird von 16,99 Dollar pro Monat auf 19,99 Dollar pro Monat steigen. Das bedeutet, dass der Preis für ein Spotify-Duo-Abonnement im Vergleich zu den Preisen vor der Erhöhung im letzten Jahr um 30 Prozent gestiegen ist. Spotify Family ist im Laufe eines Jahres ebenfalls um 25 Prozent gestiegen, während Spotify Premium um 20 Prozent zugelegt hat, wie The Verge berichtet.

"Damit wir weiterhin in unsere Produktfunktionen investieren und diese innovieren können und den Nutzern das beste Erlebnis bieten können, aktualisieren wir gelegentlich unsere Preise", teilte Spotify in einem Blogbeitrag mit. "Im Laufe des nächsten Monats werden Abonnenten in den USA eine E-Mail erhalten, in der erklärt wird, was dieses Update für ihr Abonnement bedeutet."

Spotify hat bereits im April Preiserhöhungen für internationale Märkte angekündigt. Im April wurden die Abogebühren etwa bereits im Vereinigten Königreich, Pakistan und Australien angehoben. Mehrere Anzeichen deuten auch darauf hin, dass eine neue Abo-Stufe eingeführt wird. Dieser "Supremium-Plan" soll unter anderem Lossless-Streaming und andere Funktionen wie Dolby Atmos bieten. Zumindest ist einigen Usern ein entsprechendes Logo bereits aufgefallen.

Einsparungen bei Podcasts

Der wahre Grund für die Preiserhöhungen dürfte aber die schwierige finanzielle Situation des schwedischen Unternehmens sein. Das Unternehmen hat seit seinem Börsengang 2018 jedes Jahr Verluste geschrieben. Das liegt an den teilweise horrenden Lizenzgebühren, die Spotify an die Musikindustrie abführen muss.

So muss das Unternehmen zwischen 60 und 70 Prozent des Bruttoumsatzes direkt an die Musikverlage in Form von Tantiemen abführen. Spotify zahlte im vergangenen Jahr mehr als neun Milliarden US-Dollar an Plattenfirmen und Künstler – bei einem Gesamtumsatz von 13,2 Milliarden Dollar.

Auf der Suche nach einer tragfähigen finanziellen Zukunft versuchte Spotify zuerst auf Podcasts auszuweichen, um von der Musikindustrie unabhängiger zu werden. Das funktionierte anfangs auch und Spotify wurde zum unumstrittenen Marktführer und Podcatcher. Schnell kam aber das Problem der "White-Noise-Podcasts" auf. Das sind Podcasts, die eigentlich keinen Inhalt haben, sondern Meeresrauschen, Windgeräusche oder plätschernden Regen abspielen.

Insgesamt drei Millionen Stunden derartiger Podcasts werden täglich gehört, obwohl es sich nur um Rauschen handelt. Viele Menschen nutzen die White-Noise-Podcasts als Einschlafhilfe, zur Entspannung, beim Lesen oder bei der Konzentration auf die Arbeit. Viele Eltern schwören auf die beruhigende Wirkung des Hintergrundrauschens auf den ansonsten schlaflosen Nachwuchs. Das Problem: Die Flut an derartigen Podcasts verursacht enorme Hosting-Kosten bei Spotify: bis zu 35 Millionen Dollar im Jahr.

Auch mit regulären Podcasts hat Spotify noch kein Geld verdient. Zwar soll die Sparte laut dem aktuellen Geschäftsbericht gewinnbringend werden, dennoch kürzte das Unternehmen die Investitionen in Original-Audioprogramme.

Klage wegen Hörbüchern

Einen weiteren Weg in die Unabhängigkeit meinte man bei Spotify in Hörbüchern gefunden zu haben. In den US-Lizenzvereinbarungen fand sich nämlich eine bemerkenswerte Klausel, wie Heise berichtet. Für Einnahmen, die mit Hörbüchern gebündelt wurden, musste Spotify demnach geringere Tantiemen bezahlen. Spotify fügte also im November jedem Bezahl-Abo 15 Stunden Hörbücher hinzu und musste weniger Gebühren abliefern. Laut der Verwertungsgesellschaft Mechanical Licensing Collective (MLC) seien die Tantiemen aus Spotify-Abos um fast die Hälfte gesunken. Die MLC hat das Unternehmen bereits geklagt. Auch Sony Music könnte demnächst gegen Spotify vor Gericht ziehen.

Auch das Car Thing genannte Entertainmentsystem dürfte erheblich auf das Geschäftsergebnis drücken. Dabei sollte Car Thing eigentlich eine Art Infotainment-Center auf Basis des Spotify-Dienstes sein. Über einen Touchscreen und ein Drehrad konnte man auf die Spotify-Services zugreifen. Das Problem: Das Gerät selbst konnte keine Musik abspielen, sondern brauchte unbedingt ein verbundenes Smartphone, um zu funktionieren.

Das Gerät war also nichts mehr als eine Art Fernbedienung für das Auto. Etwas, das Apple Carplay und Android Auto von Google deutlich besser hinbekommen. Car Thing kam 2022 für 90 Dollar auf den US-Markt und wurde schon wenige Monate später, im Juli 2022, wieder vom Markt genommen, weil die Nachfrage ausblieb. Nun hat Spotify angekündigt, dass sämtliche Car Things bis 9. Dezember abgeschaltet werden.

Spotify weigerte sich nach Protesten, das Gerät als Open Source freizugeben, wie Golem berichtet. Stattdessen riet das Unternehmen, das Gerät zurückzusetzen und zu entsorgen. Das 90 Dollar teure Gerät wurde also nach nicht einmal zwei Jahren zum Elektroschrott. Später ruderte das Unternehmen zurück und bot immerhin eine Rückerstattung des Kaufpreises an, sofern man den Kaufbeleg noch hat. Das Car Thing wurde in Österreich nie verkauft.

Preiserhöhungen auch hierzulande

Spotify hat erst im Oktober des Vorjahres die Preise in Deutschland und Österreich erhöht, damals stieg der Preis von 9,99 Euro auf 10,99 Euro für das Premium-Abo. Aber auch Duo-, Familien- und Studenten-Abos waren betroffen, deren Preise wurden um bis zu drei Euro erhöht. Während es sich in Deutschland um die erste Preiserhöhung seit dem Marktstart im Jahr 2012 handelte, wurden die Preise in Ländern wie Österreich bereits im Jahr davor leicht angehoben. (pez, 4.6.2024)