Gute Ideen und Teamgeist, aber auch Freundschaften oder gar Ehen sind in Büros schon entstanden. Voraussetzung: Anwesenheit. Im Homeoffice hingegen sinkt das Gemeinschaftsgefühl und die Produktivität in Unternehmen, das hat eine aktuelle Befragung des Bürodienstleisters Team Gnesda ergeben. Und Homeoffice schadet dem Büroimmobilienmarkt. Denn dadurch stehen unzählige Quadratmeter an Flächen leer, die anderswo gebraucht werden.

Arbeitsplätze in einem modernen Bürogebäude. Rechts eine Fensterfront mit Tisch davor und Sesseln, links ein Besprechungsraum mit Tisch in der Mitte und Sesseln rundherum. Kein Mensch ist zu sehen.
Freitags herrscht in vielen Büros des Landes gähnende Leere – auch donnerstags ist es oft nicht besser.
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Wie groß das Problem ist, weiß Oliver Bertram, CEO von Team Gnesda. Unlängst habe er mit einer Kollegin ein Büro in Wien besichtigt. An einem Mittwoch um 16 Uhr seien sie dort einer einzigen Mitarbeiterin begegnet, die regelrecht erschrocken sei, weil sie dachte, in ihrem Stockwerk alleine zu sein. In vielen Büros sei das Realität. Freitags ist die Leere am größten, laut Bertram sieht es allerdings vielerorts auch donnerstags nicht besser aus.

"Der Freitag fällt aus", sagt Bertram, und für jene, die doch ins Büro kommen würden, sei diese Vereinsamung eine Belastung. Zudem setze das einen Kreislauf in Gang, à la: "Wenn die nicht da sind, muss ich ja auch nicht kommen."

Doch so könne es nicht weitergehen, sagt Bertram und weiß, dass in schlecht genutzten Immobilien enorm viel Potenzial brachliegt. Viele Unternehmen seien aber zu träge und würden sich nicht darum kümmern, ihre leerstehenden Flächen umzunutzen oder für andere freizugeben. Auch sei in vielen Köpfen verankert, in den Bestandsimmobilien könne nichts Neues entstehen. Genau da will Team Gnesda ansetzen, "weil viele sanierungsbedürftige Objekte, wenn Unternehmen ausziehen, erst einmal sehr lange leer stehen", sagt Bertram, und das wolle man verhindern.

Ein heikles Thema

Hinzu kommt, dass der Flächenverbrauch in Büros hierzulande besonders groß ist. Pro Person stehen rund 19 Quadratmeter zur Verfügung, das ist um 23 Prozent mehr Platz pro Mitarbeitenden als in Deutschland.

Eine Lösung, Büroflächen verfügbar zu machen, sei Sharing, also das Teilen von Arbeitsplätzen. Oft sei das in Büros jedoch ein heikles Thema, wissen die Büroexperten. Allerdings, so zeige ihre Erfahrung, seien viele Mitarbeiter sehr wohl dazu bereit, ihre Arbeitsplätze zu teilen, solange die nötige Flexibilität damit einhergehe. Durch diese Formen der "New Work" könne sogar die Motivation gesteigert werden. Unternehmen, die moderne Ansätze verfolgen, schneiden laut der aktuellen Befragung auch in vielen anderen Bereichen deutlich besser ab, etwa beim kulturellen Zusammenhalt, der Produktivität oder dem Umgang mit neuen Arbeitszeitmodellen. Und: Je mehr Formen der "New Work" umgesetzt werden, desto weniger Platz braucht ein Unternehmen.

Diese Unternehmen schafften es übrigens auch, dass ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereit seien, länger zu arbeiten, weiß Andreas Gnesda, Gründer des Beratungsunternehmens. In anderen Ländern würden die Menschen freiwillig weit länger arbeiten. Das wäre auch in Österreich dringend nötig, weiß der Experte und nennt ein Beispiel: "Es gibt Unternehmen, in denen in den nächsten drei bis fünf Jahren ein Drittel der Belegschaft in Pension geht: Sie haben ein echtes Problem."

Sharing als Buffet

Insgesamt arbeiten 52 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher in einem Büro. Fast alle haben in irgendeiner Form die Option, remote zu arbeiten. Nur 0,06 Prozent der Menschen hätten gar keine Möglichkeit dazu, hat das Team Gnesda in seiner Befragung herausgefunden. Die Büroprofis raten Unternehmen, mindestens einen oder zwei Tage Homeoffice pro Woche zu ermöglichen und Sharing-Konzepte eher als eine Art Buffet anzubieten, sodass Mitarbeiter verschiedene Möglichkeiten haben und zwischen Arbeitsplätzen wählen können. Gnesda erzählt aus dem Planungsalltag: Pro 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in neuen Projekten rund 140 Arbeitsmöglichkeiten vorgesehen. So hätten die Menschen die Wahl, welcher Arbeitsplatz zur aktuellen Tätigkeit am besten passt. Dazu zählen auch Plätze in Besprechungsräumen oder in der Kaffeeecke.

Dass das Sharing-Konzept auch langfristig sinnvoll ist, zeigt sich am Beispiel einer großen Bank, die das Team Gnesda begleitet hat. In dem Büro arbeiten heute rund 2600 Menschen mehr als noch vor ein paar Jahren, dennoch habe kein einziger Schreibtisch, Schrank oder Sessel gekauft werden müssen, erzählt Gnesda. Lediglich das „Betriebssystem“, also wie das Büro genutzt wird, habe sich geändert. Vor zehn Jahren, sagt der Experte, hätte man dafür wohl ein neues Bürogebäude gebaut – heute gehe es auch ohne. (Bernadette Redl, 7.6.2024)