Salzstangerl, Knabbergebäck, Snack, Frau
In aller Munde: Glaubt man den Zahlen, isst jede Österreicherin, jeder Österreicher statistisch im Schnitt eine Packung Soletti pro Jahr.
Getty Images/fStop

Es hat sich, wie man so schön sagt, gut gehalten, das Geburtstagskind. Mit 75 ist das Soletti-Stangerl noch immer so dünn und knusprig und salzig wie bei seiner Geburt im Jahr 1949. Generationen von österreichischen Snackfans sind mit ihm aufgewachsen. Schließlich war es, oder eines seiner Milliarden Geschwister, die seither produziert wurden, "immer dabei": auf jedem Kindergeburtstag, beim Fernseh- oder Spieleabend, beim Picknick, einfach so zwischendurch … Sprich an allen guten Tagen: So manches Pärchen hat den Soletti-Werbeslogan "Gib deinem Schatz einen Schmatz" vermutlich nachgespielt – ob mit der Anspielung an die berühmte Spaghettiszene aus dem Disney-Klassiker Susi und Strolch im Hinterkopf oder nicht, sei dahingestellt.

Gib deinem Schatz einen Schmatz
Gewista

Aber auch in schlechten Zeiten: Die Knabberstangen werden auch heute noch gerne als "Hausmittel" verabreicht, wenn es einmal heftig rumort in den Eingeweiden. Frei nach dem Motto: Mit Soletti (und Cola) ist die Scheißerei schnell vorbei.

Weltberühmt, nicht nur in Österreich

Auch wenn das keiner klinischen Untersuchung standhalten sollte, Fakt ist, dass Soletti heute weit über Österreichs Grenzen hinaus (in 68 Länder wird das Gebäck exportiert) als Deonym gilt. Der Name steht demnach für eine ganze Produktgattung. So wie bei Luxusuhren an Rolex oder bei Klebefilm an Tixo denkt man bei Salzstangen reflexartig an Soletti.

Salzstangen, Verpackung, Jahreszahlen
Die Verpackung hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert, die Stangerln werden nach wie vor nach der traditionellen Rezeptur (streng geheim!) gefertigt.
Kelly/Soletti

Erfunden wurden sie nach dem Krieg von der Bäckerei Zach im steirischen Feldbach. Dort hatte man schon Erfahrungen mit knusprigem Laugengebäck in Form von Minibrezeln. Weil deren maschinelle Herstellung aber nicht so einfach war, hat man sich wohl an den amerikanischen Pretzel-Sticks orientiert und ist auf die simplere Stangenform umgestiegen. Seither misst jedes Soletti (die Einzahl zu bilden ist unmöglich) exakt elf Zentimeter, in der seit 2002 existierenden "Super-Size"-Variante ist das Stangerl genau doppelt so lang. Siehe auch die legendäre TV-Werbung mit Herbert "Ich sag einmal so …" Prohaska.

Soletti TV-Spot Herbert Prohaska Soletti SuperSize 2013
Wie Herbert Prohaska am liebsten eine Verlängerung genießt? Also ich sag' einmal so: mit Soletti SuperSize!
Kelly

Der Name Soletti soll übrigens von dem italienischen Wort für Sonne kommen. Denn als man rund um die Geburtsstunde der Knabberei einen Namen gesucht hat, sollte er möglichst südländisch klingen. Saletti, so heißt es, war der erste Vorschlag, daraus sei dann schließlich Soletti geworden. Klingt sonniger und weniger salzig.

Der "leichte" Snack

50 Millionen Stangerln werden laut Firmenangaben täglich und rund um die Uhr in Feldbach gebacken. Die Grundzutaten, allesamt österreichischer Herkunft, wie man verspricht, sind Mehl, Wasser, Salz und Hefe. Die genaue Rezeptur ist selbstverständlich geheim. Was bekannt ist: Im Vergleich zu den Chips und Flips von Kelly, in dessen Sortiment sich Soletti 1985 infolge der Übernahme des Betriebes durch den Snackriesen einreihte, ist das steirische Stangerl geradezu "light": Nur zwei bis drei Gramm Fett bringt eine Portion (30 Gramm) des Knabbergebäcks auf die Waage. Und das ist gut so. Denn bekanntermaßen bleibt's selten bei nur einem Stangerl – wenn man nur aufhör'n könnt!

Schwarz-Weiß-Foto, drei junge Frauen, Verkaufsraum
Nostalgie darf sein: hier eine undatierte Aufnahme mit "Soletti-Girls"(?). Im Hintergrund links ist "Feldbacher Zwieback" zu lesen. Diesen Markennamen führte die Bäckerei Zach 1935 ein. 2017 lief der letzte vom Band. Das nur so als Funfact am Rande.
Kelly/Soletti

Der Bekanntheitsgrad des österreichischen Nationalsnacks liegt hierzulande bei knapp hundert Prozent, seine Imagewerte sind besser als die des Papstes. Man nimmt Soletti daher wohl auch nicht übel, dass die klassische "Familienpackung" im Zuge der grassierenden "Shrinkflation" acht Prozent Inhalt verloren hat, der Preis aber um 22 Prozent gestiegen ist. (Markus Böhm, 10.6.2024)