Frau mit Kindern in Mosambik
Armut, Abhängigkeit von ausländischen Investoren und politische Unsicherheit bestimmen das Leben vieler Mosambikanerinnen und Mosambikaner. Ein österreichisches Projekt will über die Entwicklung von nachhaltigem Tourismus auch ländlichen Regionen ein Werkzeug in die Hand geben, um sich eigenständig neue Möglichkeiten und Zukunftsvisionen aufzubauen.
AFP/JUAN LUIS ROD

Es ist ein Investment in die ferne Zukunft. Noch ist Mosambik weit davon entfernt, zum nächsten Urlaubshotspot zu werden. Gerade einmal zwei Millionen Touristinnen und Touristen zählte das knapp 33-Millionen-Einwohner-Land im Jahr 2021 laut Datenportal der Vereinten Nationen. Im Vergleich dazu zog es im gleichen Jahr trotz der Pandemie fast 32 Millionen Reisende ins rund neun Millionen Einwohner große Österreich. Dem von Armut geprägten Staat im südöstlichen Afrika fehlt es an vielen Dingen: Zugang zu medizinischer Versorgung, Infrastruktur, Elektrizität – und auch an Wissen, wie man Touristinnen und Touristen für sich gewinnt und was man ihnen bieten kann.

Inselberge in Mosambik
Inselberge mit beeindruckender Formation finden sich im ruralen Norden Mosambiks. Das nötige Wissen, um auch Attraktionen in ländlichen Gebieten zu vermarkten, soll nun im Rahmen eines Forschungsprojekts vermittelt werden.
IMAGO/Panthermedia

"Meine Eindrücke waren, dass es extrem viel Potenzial gibt, angefangen von der Fruchtbarkeit des Landes bis hin zu Kunsthandwerken", betont die Leiterin des Forschungsprojekts "Capacity Building for Sustainable Rural Tourism in Mozambique" (CAST Mosambik) an der FH IMC Krems, Claudia Dolezal. "Dort gibt es Produkte – von Cashewnüssen bis Maracujas –, deren exotischer Anbau für jemanden aus Österreich sehr spannend ist, aber die Einheimischen wissen nicht, was ein Tourist will und was interessant sein könnte", schildert sie die Problematik des fehlenden Know-hows um touristische Angebote.

"Unser Ziel ist es, die Einwohner Mosambiks auf eine Zukunft vorzubereiten, in der der Tourismus für sie einen essenziellen Bestandteil ihrer Wirtschaftsleistung darstellen könnte und der sie resilienter und weniger abhängig von ausländischen Investoren macht", führt die Projektleiterin aus. Dabei gehe es ausschließlich darum, Wissen und Kenntnisse zu schaffen sowie Kapazitäten aufzubauen, nicht um das Etablieren von Tourismusbetrieben per se. In erster Linie soll der Wissensaufbau über die Hochschulebene geschehen: Derzeit existiert ein Bachelorstudium in Tourismus, aber noch kein Masterprogramm. Eines der Projektziele ist es, ein Masterstudium in nachhaltigem Tourismus zu etablieren, insgesamt sollen zudem verstärkt soziale und ökologische Inhalte in das gesamte Studium einfließen und der Fokus auf ländliche Gegenden gestärkt werden.

Holzbrücke vor Palmen
Von der Fruchtbarkeit des Landes über Kunsthandwerk bis hin zum Anbau von – für Besucherinnen und Besucher aus anderen Weltgegenden – exotischen Produkten: Mosambiks Hinterland hat aus touristischer Sicht vieles zu bieten.
imago images/Hans Lucas

Geplagt von Armut und Klimawandel

"Die Verbreitung dieses Wissens soll dazu führen, dass der wachsende Tourismus weniger zur Ausbeutung, sondern zu Vorteilen für Land und Einwohner wird", verdeutlicht Dolezal. Dadurch sollen Studierende mit zukünftigen Entrepreneuren in ruralen Gebieten in Kontakt treten und mit diesen gemeinsam Tourismusprodukte entwickeln. Denkbar seien beispielsweise Kochkurse, Verkostungstouren oder Übernachtungen am Bauernhof. Auch Vortragende mit Doktorgrad, die Lehrveranstaltungen für den Master abhalten könnten, gebe es an der Partner-Uni – der Universidade Eduardo Mondlane – genügend. Gefördert wird das von der Agentur für Bildung und Internationalisierung (OeAD) durchgeführte Projekt von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.

Das Wissen über Tourismus und Vermarktung fehlt vor allem auch, weil die meisten Mosambikanerinnen und Mosambikaner in Armut leben und demnach keine Erfahrungen über Reisen, Urlaub und Service sammeln können. Nur zwei Drittel der lokalen Bevölkerung hatten im Jahr 2022 laut Wirtschaftskammer überhaupt Zugang zu sauberem Wasser. Lediglich ein Drittel hatte im selben Jahr Zugang zu Sanitäranlagen.

Nach dem verheerenden Zyklon Freddy, der Mosambik im Februar und März 2023 traf, macht die zwölfjährige Schülerin Aladina Zacarias ihre Hausaufgaben vor ihrem Haus in der Provinz Zambezia. Kurz vor dem Zyklon, der das Leben von hunderttausend Familien auf den Kopf stellte, wurde die Hauptstadt von schweren Unwettern heimgesucht, die rund 2400 Familien obdachlos zurückließ.
AP/Mbuto Machili/Global Partners

Hinzu kommt, dass durch den Klimawandel die Extremwetterereignisse zunehmen. Zyklone und Überschwemmungen vernichten Häuser und Infrastruktur. "Nur sehr wenige Überlandstraßen sind in gutem Zustand, diese können während der Regenzeit unpassierbar sein", schreibt das österreichische Außenministerium auf seiner Website zu Mosambik. Zusätzlich wurde für den Norden des Landes eine partielle Reisewarnung (Sicherheitsstufe 5 von 6) verhängt – es bestehe eine erhöhte Gefahr von Terroranschlägen und Attentaten. Für das restliche Land gilt derzeit die Sicherheitsstufe zwei.

Mehr als Strand und Safaris

Mosambik sei ein sehr armes Land, in dem die Menschen vor schwerwiegenden existenziellen Problemen stünden. "Natürlich steht die Überlegung, welches Tourismus-Unternehmen sie starten können, nicht ganz oben auf der Prioritätenliste, sondern sie schauen, dass sie irgendwie überleben. Das ist leider eine der großen Herausforderungen", sagt Dolezal. Es gehe darum, "Grundlagen im Sinne von Kenntnissen zu schaffen, um Leuten aufzuzeigen, was für Möglichkeiten da sind" – vor allem im ländlichen Raum, auf den sich das Projekt beschränkt, müsse man vielerorts bei null anfangen: "Der Tourismus fokussiert sich zurzeit sehr auf die Küste, und somit werden die ländlichen Destinationen ein bisschen ausgeblendet und ignoriert. Und da passiert dann wenig, außer vielleicht im Nationalpark, wo Safaris möglich wären", erklärt die Projektleiterin.

Strand in Mosambik
Rund zwei Millionen Touristinnen und Touristen zog es im Jahr 2021 nach Mosambik. Das Hauptziel ausländischer Besucherinnen und Besucher sind die Strände des Landes an Afrikas südöstlicher Küste.
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Neben dem Masterstudium, das aus dem Projekt hervorgehen soll, wird der Austausch zwischen Österreich und Mosambik forciert, um Kenntnisse weiterzugeben. Dolezal bezeichnet Österreich als Vorreiter im ländlichen Tourismus und möchte gemeinsam mit den Projektpartnern aus Mosambik einen Ideenaustausch fördern. Dies soll unter anderem durch eine baldige Exkursion in Österreich anhand von Best-Practice-Beispielen für nachhaltigen Tourismus im ländlichen Bereich geschehen. Darüber hinaus arbeitet Dolezal gerade daran, dass eine Studentin aus Mosambik in Österreich ihr Doktorat beginnen kann: "Diese Personen sehe ich als wirkliche Changemaker, denn sie gehen wahnsinnig inspiriert zurück in ihr Heimatland, haben extrem viele Ideen und wollen etwas verändern." Ob sich Mosambik zu einem Touristenmagneten entwickeln wird, hängt von vielen Faktoren ab und lässt sich wohl erst in ferner Zukunft beurteilen. (Katharina Dolesch, 8.7.2024)