Harald Vilimsky legte in den vergangenen drei Jahrzehnten eine klassische Parteikarriere als Berufspolitiker hin.
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Er bezichtigte die EU der "Kriegstreiberei", unterstellte den anderen Parteien, "im Rektum Putins" unterwegs gewesen zu sein, und bezeichnete den Bundespräsidenten als "Sugardaddy" der Grünen-Spitzenkandidatin: Harald Vilimsky, im Wahlkampf und auch sonst um keine brutale Verbalattacke verlegen, verhalf als EU-Spitzenkandidat der FPÖ laut erster Trendprognose zu etwas, was ihr noch nie zuvor gelungen war – dem ersten Platz bei einer bundesweiten Wahl.

Während sich die dreiköpfige blaue EU-Delegation also bald schon verdoppeln dürfte, hat Vilimsky im Wahlkampf als Zielrichtung ausgegeben, Parlament und Kommission zu halbieren. Schon seit etlichen Jahren bastelt der EU-Delegationsleiter außerdem daran, die zwei untereinander zerstrittenen Rechtsblöcke im EU-Parlament doch noch unter einem Dach zu vereinen. Uneins sind sich diese etwa in ihrer Positionierung zu Russland. Dass Vilimsky und seine FPÖ an der Seite Russlands stehen, zeigten in den vergangenen Jahren prorussische Anträge und Russland-freundliches Abstimmungsverhalten.

Vilimsky gilt außerdem als Verfechter von Law and Order. Unvergessen bleibt, dass er sich im Zuge eines Selbstversuchs 50.000 Volt mit einer Elektroschockpistole durch den Körper jagen ließ – um so für die Einführung dieser umstrittenen Waffe im Strafvollzug zu werben. Als ÖVP und FPÖ 2017 gerade eine Koalition schmiedeten, war der damalige Strache-Vertraute als Innenminister im Gespräch. Das wusste Alexander Van der Bellen allerdings rechtzeitig zu verhindern, indem er hinter den Kulissen klarstellte, keinen Minister Vilimsky anzugeloben.

Mann fürs Grobe und Motorradfan

Nachdem Vilimsky einen Hochschullehrgang für Öffentlichkeitsarbeit absolviert hatte, folgte eine klassische Parteikarriere als Berufspolitiker. 1991 heuerte er als Pressereferent im FPÖ-Parlamentsklub an. Der 57-Jährige war Wiener Gemeinderat, Landesparteisekretär, Bezirkspolitiker, Bundesrat, Abgeordneter im Nationalrat und der "Mann fürs Grobe", als er 2006 Generalsekretär wurde. Im EU-Parlament sitzt Vilimsky, der zum dritten Mal als Spitzenkandidat in die Wahlschlacht zog, seit 2014 – lange Jahre war der Posten für ihn nur ein Zweitjob neben seiner Tätigkeit als Generalsekretär auf Bundesebene bis 2020. Mit einer Altlast aus dieser Zeit hat Vilimsky bis heute zu kämpfen, ist er doch Beschuldigter in der blauen Spesenaffäre.

Privat macht Vilimsky gerne Ausfahrten mit dem Motorrad – sogar die Sahara hat er einmal damit durchquert. Dass der Wiener doch noch in Brüssel heimisch wird, ist nahezu ausgeschlossen. So überrascht es auch nicht, dass er auf die Frage nach seinem liebsten Ort in der EU das "Flugzeug nach Hause" nennt. Wohl auch, weil seine Familie – Vilimsky ist verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter – in der Bundeshauptstadt lebt. (Sandra Schieder, 9.6.2024)