Es ist ein oft unterschätzter Punkt bei der Smartphonewahl: die Frage, wie lange, aber auch wie zuverlässig und regelmäßig das jeweilige Modell vom Hersteller mit Updates versorgt wird. Dabei eröffnet ein langer Supportzeitraum zusätzliche Möglichkeiten, sich etwa beruhigt auch einmal ein älteres Modell zu einem günstigeren Preis kaufen zu können oder ein Gerät nach ein paar Jahren an jemand anderen weitergeben zu können, ohne gleich Angst haben zu müssen, der jeweiligen Person ein einziges großes Sicherheitsrisiko in die Hand zu drücken.

iPhone 15 Pro im Test
Es gibt erstmals ein Updateversprechen für aktuelle iPhones – und Apple überrascht damit.
REUTERS/Aly Song

Apple galt dabei über viele Jahre hinweg als so etwas wie der Vorzeigehersteller schlechthin, Updates für das iPhone gab es üblicherweise erheblich länger als bei Android-Geräten. Was dabei allerdings etwas unterging: Ein fixes Versprechen, eine Garantie, gab Apple dabei nie ab. Nun zwingt eine neue Gesetzgebung in Großbritannien das Unternehmen aber genau dazu, und dabei offenbart sich durchaus Interessantes – nicht zuletzt, wie sich die Situation mittlerweile verschoben hat.

Fünf Jahre

Apple garantiert für aktuelle iPhones einen Supportzeitraum von mindestens fünf Jahren nach der ersten Verfügbarkeit des jeweiligen Geräts. Das geht aus einer verpflichtenden Mitteilung infolge der neuen "Product Security and Telecommunications Infrastructure (PSTI)"-Regulierung einher, die Android Authority aufgespürt hat. Der Begriff Support bezieht sich dabei auf die Versorgung mit Sicherheitsaktualisierungen, ein fixes Versprechen für große Versionssprünge gibt es hingegen weiterhin nicht.

Eine Mitteilung, die Android-Sicherheitschef Dave Kleidermacher nutzt, um in einem Beitrag auf Linkedin gegen die Konkurrenz zu sticheln. Bedeutet dies doch, dass Apple einen deutlich kürzeren Supportzeitraum garantiert als manch aktueller Konkurrent aus dem Android-Universum. So garantiert etwa Google selbst bei seiner aktuellen Gerätegeneration sieben Jahre lang Updates – und zwar inklusive großer Versionssprünge. Ein deckungsgleiches Versprechen gibt auch Samsung bei der S24-Reihe ab.

Nicht falsch, aber ...

Eine Feststellung, die zwar faktisch richtig sein mag, allerdings auch nur einen Ausschnitt der Realität wiedergibt. Wird das neue Apple-Versprechen doch schon bisher in der Realität deutlich übererfüllt. Wie eine Analyse des STANDARD zur Updatesituation in der Smartphonewelt vor einiger Zeit aufzeigte, gibt es bei iPhones üblicherweise fünf bis sechs große Versionssprünge, ein vollständiger Support mit Sicherheitsaktualisierungen ist für sechs bis sieben Jahre gegeben.

Zwar folgen danach auch immer wieder einmal vereinzelte Sicherheitsaktualisierungen, diese sind aber nur bruchstückhaft, bieten also keinen umfassenden Schutz mehr, wie auch Apple selbst betont. Durch die Modularisierung von Android sieht es bei Googles Betriebssystem strukturell ähnlich aus, auch hier werden einzelne Sicherheitsaktualisierungen teilweise deutlich länger als der Supportzeitraum der jeweiligen Hersteller geliefert.

Auswahl

Hinter alldem versteckt sich in Wirklichkeit eine gute Nachricht für Smartphone-Userinnen und -User: Bedeutet dies doch, dass die Updatesituation bei den besten Android-Herstellern und Apple mittlerweile recht ähnlich ist. Wer Wert auf einen langen Supportzeitraum legt, hat also mittlerweile mehrere Optionen.

Was allerdings gerade aus dieser Perspektive verwundet, ist, dass sich Apple – wenn man schon einmal gezwungen wird, eine echte Garantie abzugeben – zu keinem größeren Wert durchringen konnte. So schenkt man der Konkurrenz einen recht billigen PR-Sieg. (Andreas Proschofsky, 6.6.2024)